Besuch in der Redaktion des Wittenberger Sonntag: Mandy und Thomas Lehmann sowie Baby Franz und Karl, Katja Krämer und Ida, Anique Mandrey und Daniel Otto (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Besuch in der Redaktion des Wittenberger Sonntag: Mandy und Thomas Lehmann sowie Baby Franz und Karl, Katja Krämer und Ida, Anique Mandrey und Daniel Otto (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

20.11.2017

Beschwerden zur Beförderung der Grundschüler aus dem Raum Coswig

Eltern nennen Schulbusverkehr eine Zumutung

Coswig (wg). Wegen der zu langen Fahrt- und Wartezeiten für die Grundschüler aus Senst, Köselitz und Cobbelsdorf gibt es massive Kritik aus der Elternschaft. „Der Schulbusverkehr ist eine Zumutung“, erklärt Thomas Lehmann, Vater eines Sechsjährigen, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. Gemeinsam mit Daniel Otto und Katja Krämer vertritt er die Interessen der Eltern, deren Kinder besonders schlimm betroffen sind. 

Die Eltern haben festgestellt, manches Kind sei länger unterwegs als ein Erwachsener, der von Wittenberg nach Berlin oder Leipzig pendeln muss. Außerdem seien die Busse oft überfüllt, obwohl manche Eltern ihre Kinder wegen der unzumutbaren Bedingungen bereits mit dem Auto zur Schule fahren. 

Laut Beförderungssatzung sind für Grundschüler 45 Minuten zulässig – für eine Richtung - hinzu kommen erhebliche Wartezeiten. Doch die Kinder aus den Flämingdörfern sind meißt viel länger unterwegs, als es laut Satzung zulässig wäre: Der Bus startet in Senst bereits um 6.16 Uhr – für Gründschüler heißt dies, dass sie um 5 Uhr aufstehen müssen. Bis zur Fröbel-Grundschule in Coswig fährt der Bus 57 Minuten, um 7.13 Uhr ist er laut Plan am Ziel. 

Wenn der Kreistag an diesem Montag seinen Beschluss zur Schülerbeförderungssatzung trifft, dürften die für Grundschüler zulässigen Fahrtzeiten auf 30 Minuten reduziert werden, die Kinder aus den Flämingdörfern wären dann doppelt so lange unterwegs, wie zulässig. 

Nicht viel besser sind die Bedingungen für die Rückfahrt, berichten die Eltern: Dann benötigt der Bus zwar „nur“ 43 Minuten, die Kinder haben aber je nach Schulende Wartezeiten von einer Stunde und 18 Minuten bis zu zwei Stunden und 33 Minuten. Oft sind Sekundarschüler früher als Grundschüler zu Hause, weil sie den Rufbus vom Bahnhof nehmen können, deshalb fragen sich die Eltern, warum nicht auch ein Rufbus an der Fröbel-Grundschule eingesetzt werden kann. Von der zweiten Klasse an kann sich das Problem noch verschärfen, weil Arbeitsgemeinschaften - wie Musik - als außerschulische Leistungen in der siebten Stunde angeboten werden. „Dann fährt aber kein Bus mehr“, beklagt Katja Krämer, deren Tochter Ida betroffen ist, „als das Wittenberger Busunternehmen Scalar noch für den Schülerverkehr zuständig war, hatten wir diese Probleme nicht.“

„Der ländliche Raum soll attraktiver werden, alle reden vom schnellen Internet, wir aber schaffen es nicht einmal, unsere Kinder in einer akzeptablen Fahrzeit in eine nur 17 Kilometer entfernte Schule zu bringen“, kritisiert Lehmann, „so wird der ländliche Raum immer mehr abgewertet.“ 

„Wir brauchen deshalb eine eigene Linie für die Flämingdörfer“, ergänzt Otto, „dass man dies auch beim Landkreis so sieht, war zumindest unser Eindruck bei einem Gespräch mit Vizelandrat Jörg Hartmann und Fachbereichsleiter Holger Zubke. Wir hätten uns eine Lösung vor Beginn der dunklen Jahrszeit gewünscht.“ 

 Darauf hatte auch Coswigs Bürgermeister Axel Clauß (parteilos) gesetzt, doch: „Wir werden hingehalten. Uns wurde vom Kreis zugesagt, dass es eine zeitnahe Lösung bis Oktober geben wird.“ Anfang November hatte Bürgermeister Clauß den Kreis noch einmal schriftlich aufgefordert, endlich Nägel mit Köpfen zu machen, eine Antwort habe es bisher nicht gegeben. 

Der Landkreis sei weiterhin aufgefordert „unverzüglich eine Lösung“ zu schaffen: „Man hatte uns versichert, dass es am Geld nicht scheitern wird", sagt der Bürgermeister, „wir Städte finanzieren den Kreis über die Kreisumlage, aufgrund unserer angespannten Haushaltssituation wird hier eine Schmerzgrenze überschritten, der Kreis ist Aufgabenträger der Schülerbeförderung und steht in der Pflicht!“ 

Um 5 Uhr müssen die Senster Grundschüler aufstehen, um 14.21 Uhr sind sie wieder zu Hause oder im Hort, dann müssen noch Schulaufgaben erledigt werden. „So verdirbt man den Kindern die Lust auf Schule“, sagt Lehmann, der auch die geschlossene Grundschule Cobbelsdorf vermisst: „Wir haben am Standort die Grundschule, den Hort, eine Sporthalle, Sportplatz, Schulgarten und ein Schwimmbad, ich kenne keinen zweiten Grundschulstandort im Kreis mit derart guten Bedingungen.“ 

Offiziell sei die Grundschule Cobbelsdorf nie geschlossen worden, weil der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss abgelehnt hatte. „Viele Eltern hoffen darauf, dass die Grundschule wieder im Rahmen eines Schulverbundes, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht, geöffnet werden kann“, berichtet Otto. Hauptforderung der Eltern ist die Einrichtung einer zusätzlichen Buslinie, welche die Flämingdörfer direkt an die Fröbel-Grundschule anbindet, verbunden mit einer Verkürzung der Fahrt- und der Wartezeiten. Als Zwischenlösung könnte ein Sonderbus eingesetzt werden. 

Außerdem wollen die Eltern, dass die Bushaltetselle in Senst sicherer wird: Diese liegt direkt hinter einer Kurve im unbeleuchteten Bereich und ohne Wartehäuschen.




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