Michael Fredersdorf, Präsident der 1. Großen Wittenberger Karnevalsgesellschaft, mit dem närrischen Schwarzgeldschwein, das Cent für Cent mithelfen soll, die Finanzprobleme der Lutherstadt Wittenberg zu lösen. Foto: Wolfgang Marchewka

Michael Fredersdorf, Präsident der 1. Großen Wittenberger Karnevalsgesellschaft, mit dem närrischen Schwarzgeldschwein, das Cent für Cent mithelfen soll, die Finanzprobleme der Lutherstadt Wittenberg zu lösen.
Foto: Wolfgang Marchewka

11.11.2017

Michael Fredersdorf, Präsident der 1. GWK, über die „Präsidentenlage“ und andere Probleme

Manchmal bleibt dem Karnevalisten das Lachen im Halse stecken

Wittenberg (wm). Heute ist der 11. 11., die närrische Jahreszeit beginnt auch offiziell, und um 11 Uhr 11 will Michael Fredersdorf, Präsident der 1. Großen Wittenberger Karnevalsgesellschaft, mit seinen Getreuen den Schlüssel des Wittenberger Rathauses samt Kasse der Lutherstadt übernehmen. Und das trotz alledem, denn die Karnevalisten werden eine Kasse bekommen, die nicht nur leer, sondern gähnend leer ist. „Aber das bedeutet für uns nichts Neues“, berichtet der Präsident im karnevalistischen Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag, „bereits in den vergangenen Jahren überließ uns Oberbürgermeister Torsten Zugehör eine schwindsüchtige Stadtkasse, wir gaben sie meist voller zurück, als wir sie übernommen haben – und wenn wir die Schatulle mit Keksen zwecks Fütterung der armen Rathausmitarbeiter füllten.“ 

Diesmal wollen die Karnevalisten angesichts der dramatischen Haushaltlage der Stadt Wittenberg einen Schritt weiter gehen: Ein schwarzes Schwein mit der weißen Aufschrift „Schwarzgeld“ soll mit ein paar echten Cent gefüllt nach Aschermittwoch der Stadtverwaltung über die gröbsten finanziellen Probleme hinweghelfen. Soweit so fröhlich.

Wenn der Karnevalspräsident die Garde seiner internationalen „Präsidentenkollegen“ Revue passieren lässt, vergeht ihm der närrische Frohsinn: „Angesichts der Handlungsweisen dieser Leute bleibt dem Karnevalisten das Lachen im Halse stecken, da kann eine Parodie nur ein schwacher Abklatsch der Wirklichkeit sein.“ Damit meint Michael Fredersdorf unberechenbare Präsidenten vom Schlage eines Donald Trump in den USA, Recep Tayyip Erdogan in der Türkei, Kim Jong-un in Nordkorea, Victor Orbán in Ungarn und ähnlich gelagerte schwere Fälle.

„Es ist zu ernst, als dass wir uns darüber noch lustig machen können", lautet das Fazit des GWK-Präsidenten. In diesem Zusammenhang sei es „ein Glück“, dass Büttenreden hierzulande kaum Tradition haben: „Karneval bedeutet hier in erster Linie Kinder- und Jugendarbeit.“ Der Tanz sei sowohl für den Nachwuchs als auch für die Erwachsenen wichtig - und außerdem sind die Aktiven der 1. GWK auch als „Wittenberger Bürgerwehr“ und als „Klatschweiber“ unterwegs. „Wir sind also ganzjährig aktiv“, sagt Michael Fredersdorf, „nach dem Karneval steigen wir ins Mittelalter ein und trainieren für das nächste Stadtfest.“ 

Die kritischen Worte des Karnevalspräsidenten bleiben nicht bei den internationalen Problemfällen stecken: Auch in Deutschland gebe es viel zu viele problematische Leute - leider überwiegend in der ansonsten „ganz normalen“ Bürgerschaft. Die 1. GWK meint damit solche Bürgerinnen und Bürger, die sich damit vergnügen, in den so genannten „sozialen Medien“ ihre Pöbeleien zu verbreiten. „Viele Kommentare sind nicht mehr zu ertragen“, meint Michael Fredersdorf, „und zu viele Deppen plappern den veröffentlichten Unsinn ungeprüft nach.“ 

 Die 1. Große Wittenberger Karnevalsgesellschaft wird auch in diesem Bereich aktiv und startet nach einem Beschluss der Mitgliederversammlung via Internet die Aktion „Karneval bekennt sich.“ Dabei geht es gegen den grassierenden Hass in Deutschland, gegen Diskriminierung und für Mitmenschlichkeit. „Wir hoffen, dass viele Karnevalsvereine unsere Aktion unterstützen und damit deutlich machen, dass es in unseren Vereinen keine Diskriminierung gibt“, stellt Fredersdorf klar. 

Der Karnevalspräsident hat auch internationale Vergleichsmöglichkeiten zwischen der Lage der so genannten „armen Menschen“ in Deutschland und was es bedeutet, in anderen Ländern arm zu sein. In diesem Jahr hat Fredersdorf zum zweiten Mal zwei Wochen für eine gemeinnützige Arbeit in einem Waisenhaus in den Slums der Vororte von Mombasa in Kenia verbracht. „In diesen Slums gibt es weder sauberes Wasser, geschweige denn Arbeit für die Erwachsenen, und die Kinder sind nie aus ihrem Elendsviertel herausgekommen, kennen ihre eigene Heimat nicht. Dennoch sind die Leute freundlich und höflich, und daran kann sich mancher Deutscher ein Beispiel nehmen.“




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