Pfarrer Christoph Krause auf dem sanierten Pfarrhof in Bad Schmiedeberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

Pfarrer Christoph Krause auf dem sanierten Pfarrhof in Bad Schmiedeberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.11.2017

Pfarrer Christoph Krause: Ein spannendes und notwendiges Thema

Motto der Ökumenischen Friedensdekade: „Streit!“

Bad Schmiedeberg (wg). „Streit als Thema der Ökumenischen Friedensdekade mag manchen überraschen“, sagt Pfarrer Christoph Krause im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag, „aber es ist ein spannendes und notwendiges Thema, denn es geht dabei auch um streitbare Demokratie und um streitbare Kirche.“ Die Friedensdekade läuft vom 11. bis 22. November 2017. 

Viele sind erschrocken über die Entwicklungen in den vergangenen Jahren: In der öffentlichen politischen Debatte und im Internet werden Menschen beschimpft. Wer sich für Geflüchtete und Migranten einsetzt, wird verunglimpft, manchmal auch persönlich bedroht. Es werden Lügen verbreitet und gut recherchierende Medien als „Lügenpresse“ beschimpft.

Streitkultur 

„Wir dürfen Streit nicht aus dem Weg gehen, wir alle haben im Laufe unseres Lebens verschiedene Strategien im Umgang mit Streit entwickelt, nur leider setzen wir meist die falschen ein – anbrüllen, ignorieren, ausgrenzen“, so Krause, „es gibt bessere Strategien und Modelle und deshalb geht es bei dem Thema der Friedensdekade auch darum, Bedingungen für eine demokratische Streitkultur zu schaffen.“

Die Überwindung von Gräben durch eine demokratische Streitkultur ist umso schwieriger, weil sich „Parallelgesellschaften“ entwickelt haben, die kaum miteinander im Dialog sind. 

Das Motto „Streit!“ fordert auf, meinungsbildend in die öffentliche Debatte einzugreifen. Es gilt, sich offensiv auf die Seite der Schwachen zu stellen, Unrecht anzuprangern, Lügen aufzudecken und gegen den Abbau von Menschenrechten in Deutschland zu protestieren. „Wir brauchen eine demokratische Streitkultur, die niemanden ausgrenzt und bei der es um eine konstruktive Lösung der Probleme geht“, erklärt Krause. „Notwendig ist eine Debattenkultur, in der alle Meinungen ernst genommen werden, solange sie nicht den Diskurs dazu instrumentalisieren, menschenfeindliche Positionen zu verbreiten und die Demokratie zu schwächen.“ 

Beim Thema „Streit!“ stehen nicht nur die rechtspopulistischen und nationalistischen Tendenzen im Fokus, sondern auch steigende Militärausgaben und zunehmende Konflikte. „Als ich 1984 Pfarrer wurde, war die Friedensdekade ein kleines Pflänzchen, und ich habe mich engagiert, dass dieses Pflänzchen wachsen konnte“, erinnert sich Krause. Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und der militärischen Blöcke habe man gedacht, sich anderen Themen wie Hunger, Armut, Gesundheit, Bildung und Umwelt zuwenden zu können. „Ein Blick in die Welt zeigt aber, das ungebrochen aufgerüstet wird und die Zahl der militärischen Konflikte zugenommen hat“, kritisiert Krause, „Einsatz für den Frieden ist aktueller denn je.“

Martinsumzug 

Die Ökumenische Friedensdekade 2017 in Bad Schmiedeberg ist die letzte, die Pfarrer Krause, der zum Jahresende in den Ruhestand geht, organisiert hat, wobei er auf die bewährten Bausteine vergangener Jahre setzt – Gottesdienste und Kultur. Auftakt ist am Samstag, dem 11. November um 17 Uhr mit den Laternenumzug zum Martinstag, los geht es an der katholischen Kirche über den Kurplatz und durch die Innenstadt bis zur Evangelischen Stadtkirche. 

„Nach dem Margarthenfest ist dieser Martinsumzug das größte Ereignis in der Kurstadt, wenn sich mehr als 150 Kinder und deren (Groß-)Eltern beteiligen“, berichtet Krause. Peter Zimmermann vom RZF Heideland Korgau gibt den Sankt Martin zu Pferde, Jugendliche führen an der Muschel im Kurhausgarten die Legende des Heiligen auf. „Wir verbinden damit Kur und Stadt, bauen Brücken und öffnen Türen“, so Krause.

Bittgottesdienst

Am Samstagabend erklingt dann ab 19.30 Uhr im Gemeindehaus in der Kirchstraße 5, ein Konzert mit dem Liedermacher Tim Ahmed, Eintritt frei, Kollekte im Goldhelm. Offiziell eröffnet wird die Friedensdekade 2017 am Sonntag, dem 12. November um 9.30 Uhr in der evangelischen Stadtkirche mit einem besonders gestalteten „Bittgottesdienst für den Frieden in der Welt“. 

Zur guten Tradition geworden ist der Besuch von Christen aus allen Erdteilen, die auf Einladung des Lutherischen Weltbundes (LWB) zu Gast in Wittenberg sind und einen Abstecher in die Kurstadt unternehmen, wo sie am 13. November ab 16 Uhr in die evangelische Gemeinde eingeladen sind mit Kaffeetrinken, Stadt- und Kirchenführung, einer gemeinsamen Andacht in der katholischen Kirche sowie geselligem Austausch beim Abendbrot im katholischen Gemeindehaus. „Das ist keine geschlossene Veranstaltung, wer Interesse hat, an diesen immer wieder spannenden Begegnungen teilzunehmen, ist gern gesehen“, sagt der Pfarrer. 

Gran Torino 

Am Donnerstag, dem 16. November, steht um 19.30 Uhr die Abendvesper mit Kantor Otto-Bernhard Glüer in der Stadtkirche auf dem Programm, Eintritt frei, Kollekte erbeten. „Der Himmel hat vier Ecken“, ist der Titel eines Films von Klaus Wirbitzky, der am Freitag, dem 17. November um 19.30 Uhr im Jugendkino im evangelischen Gemeindehaus gezeigt wird. Ein Film über Stimmungen und Gefühle, die zur Pubertät gehören. Abends um 19.30 Uhr zeigt das Kirchenkino „Gran Torino“, einen US-amerikanischen Spielfilm von und mit Clint Eastwood, in dem es um Rassismus und die verheerenden Auswirkungen blinder Gewalt geht. 

Eine Autorenlesung steht am 18. November um 19.30 Uhr auf dem Programm, wenn der Wittenberger Pfarrer Alexander Garth im Gemeindehaus aus seinem neuen Buch „Gottloser Westen“ liest – eine Analyse der aktuellen Situation der Kirchen in der westlichen Welt. 

Der gemeinsame Abschlussgottesdienst der Friedensdekade zum Buß- und Bettag findet am 22. November um 19 Uhr in der katholischen Kirche St. Maria Regia Pacis statt. 

Hinweis: 

Während der Friedensdekade gibt es vom 12. bis 22. November täglich außer sonntags um 18.30 Uhr ein Friedensgebet in der katholischen Kirche St. Maria Regia Pacis in der Lindenstraße 8.




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