Koffer als Symbol des Aufbruchs: Jeder Koffer erzählt eine Geschichte von den Erfahrungen der Missionare und der Missionierten und wie sich die jeweilige Sicht auf den anderen verändert hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

Koffer als Symbol des Aufbruchs: Jeder Koffer erzählt eine Geschichte von den Erfahrungen der Missionare und der Missionierten und wie sich die jeweilige Sicht auf den anderen verändert hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

04.11.2017

Koffer als Symbol für den Aufbruch in eine bessere Welt

„Unterwegs zu den Anderen“ im Haus der Geschichte

Wittenberg (wg). "Unterwegs zu den Anderen – 200 Jahre Basler Mission und Württemberg ist eine sehr informative und gut konzipierte Exposition, die von Menschen erzählt, die bereit waren, sich und die Welt zu verändern“, berichtet Christel Panzig, Leiterin des Hauses der Geschichte, im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „wir zeigen die Wanderausstellung bis Ende Februar 2018 in unserem Barockhaus.“ 

Die von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Basler Mission Deutscher Zweig e.V. mit Unterstützung des Vereins für Württembergische Kirchengeschichte e.V. konzipierte Ausstellung war 2015 das Herzstück der Feierlichkeiten des 200sten Jubiläums der Basler Mission. 

Die Schau besteht aus vielen einzelnen geöffneten Reisekoffern, in denen ganz unterschiedliche Menschen wie eine Missionsbraut, ein malayischer Häuptling und Workcamp-Teilnehmer in Kamerun von ihren Erfahrungen berichten. Die 19 Reisegepäckstationen gruppieren sich um elf Themeninseln, die vielfältige Informationen geben – von der Gründung der Basler Mission, über medizinische Hilfe, Frauenmission und Schuldbildung bis hin zu heutigen Religionskonflikten. 

Die Gründung der Basler Mission

 Am 25. September 1815 versammelten sich einflussreiche fromme Bürger bei Pfarrer Nikolaus von Brunn in Basel, um ein Komitee für eine evangelische Missionsgemeinschaft ins Leben zu rufen. An der Gründung der Basler Mission waren Männer und Frauen aus Württemberg und der Schweiz beteiligt, sie waren aufgerüttelt durch die Krisen und Umbrüche der Zeit. Die aufkommende pietistische Erweckungsbewegung motivierte sie, aus dem Glauben heraus tätig zu werden und den Armen zu helfen.

Die meisten Missionare der Basler Mission kamen aus Württemberg, mehr als 1.000 Männer und Frauen wurden so zu tatkräftigen Zeugen der Verbreitung des Evangeliums, den von Anfang an gehörten Wort und Tat zusammen. International, überkonfessionell und an keine Amtskirche gebunden – so verstand sich der Anspruch der Basler Mission, deren Arbeit von sensibler Zurückhaltung und Toleranz gegenüber anderen Kulturen geprägt war und ist. Anders als die damals gängige Meinung in Europa wurden die „Heiden“ als Ebenbilder Gottes und damit als gleichwertige Menschen betrachtet. Bibel und Liturgie wurden in die einheimischen Sprachen übersetzt, so dass sich in allen Ländern ein Christentum mit eigener kultureller Identität entwickeln konnte. 

Tradition und Aufbruch 

Ein Koffer zeigt unter dem Motto „Tradition und Aufbruch“ ein Abendmahlsgefäß aus Holz aus Sabah (Malaysia), daneben eine Schatulle mit Betelnüssen sowie Bambusflasche und Becher für Reiswein. Später entstanden aus den einheimischen Gemeinden selbständige Kirchen, ab 1920 verstärkt auch Pfingstkirchen. 

Die Ausstellung informiert auch, wie die Basler Mission die Rechte der Christen überall dort einklagt, wo es Spannungen und Konflikte zwischen Christen und Muslimen gibt wie in Tansania, Nigeria, Indonesien und Malaysia. Dabei werden die Kontakte zu den muslimischen Nachbarn und Organisationen gepflegt, um das Gemeinsame zu suchen und um die Lebensverhältnisse für alle in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Arbeit zu verbessern – als praktische Seite der Friedensarbeit, symbolisch dargestellt in einem Koffer mit einer Christusfigur und einer Korantafel aus Nigeria.

Missionsärztliche Arbeit 

Die Basler Mission gehört zu den ersten, die schon im 19. Jahrhundert begann, eine kontinuierliche missionsärztliche Arbeit aufzubauen, dabei wurde auch auf die traditionelle Heilkunde vor Ort vertraut, denn die Tropenmedizin stand erst ganz am Anfang. 

Der Begriff „Mission“ ist für viele Menschen nicht unbedingt positiv besetzt, wird damit doch oft Zwang und Bevormundung verbunden. Die Ausstellung im Barockhaus zeigt ein anderes Bild: Die Basler Missionare verstanden sich keineswegs als Erfüllungsgehilfen der Kolonialmächte, im Gegenteil duldete die Ostindische Handelsgesellschaft, der erste transnationale Konzern der modernen Geschichte, lange Zeit keine Missionare in Indien, denen es um ein „Evangelium des Friedens“ ging. Diesen Aufbruch veranschaulichen symbolisch die Reisekoffer als Hauptgestaltungselement der Ausstellung, denn die Missionare zogen in ferne Länder in der Hoffnung, dass der christliche Glaube die Welt zum Guten verändern könne.




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