Siegrun Höhne arbeitete von 1998 bis 2002 für das KFH und ist heute im Rahmen der Studienstelle für Umweltfragen zuständig, außerdem gibt sie die „Briefe“ heraus, deren nächstes, Mitte November erscheinendes Heft sich unter anderem mit Tierhaltung und Biodiversität befasst. Foto: Wolfgang Marchewka

Siegrun Höhne arbeitete von 1998 bis 2002 für das KFH und ist heute im Rahmen der Studienstelle für Umweltfragen zuständig, außerdem gibt sie die „Briefe“ heraus, deren nächstes, Mitte November erscheinendes Heft sich unter anderem mit Tierhaltung und Biodiversität befasst. Foto: Wolfgang Marchewka

29.10.2017

Rückblick in Schlaglichtern und Ausblicke in die Zukunft

90 Jahre Kirchliches Forschungsheim

Wittenberg (wg). „Wir wollen auf Ergebnisse und Leistungen des Kirchliche Forschungsheims (KFH) und dessen Akteure zurückblicken und gleichzeitig mit den Teilnehmern der Tagung diskutieren, welche Rolle die Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung in Zukunft wahrnehmen soll“, erklärt Siegrun Höhne, Studienleiterin der Evangelischen Akademie sowie Beauftragte für den Kirchlichen Dienst auf dem Lande und Umweltmanagement, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 

Forschungsstelle Ökologische Bildung 


2004 wurde das KFH als Forschungsstelle Ökologische Bildung und Beratung in die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt integriert als Forum für ökologische Gegenwartsfragen. Das KFH wurde bis dato von den ostdeutschen Kirchen getragen, einige hatten sich indes aus der Finanzierung zurückgezogen, eine komplette Auflösung des KFH kam mit Blick auf dessen Tradition und Bedeutung nicht in Frage.

Grüne Gentechnik und Aspekte des Tierwohls

 Ab 2011 befasste sich Susanne Faby, Studienleiterin für Naturwissenschaft und christliche Ethik, mit der Neukonzeption, daraus entstand die „Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – Kirchliches Forschungsheim seit 1927“. Neben den bewährten Umweltthemen (vom Klimawandel bis zur Energiewende) wurden neue Themen in den Fokus genommen, unter anderem medizinethische Fragestellungen zur Präimplantationsdiagnostik, Gesundheitswesen und Sterbehilfe sowie grüne Gentechnik und Aspekte des Tierwohls. 

Risikotechnologien und totalitären Tendenzen heute 

Mit der Gegenwart und Zukunft der Studienstelle befassen sich im Rahmen der Tagung mehrere Beiträge: Unter dem Motto „In Wahrheit leben, Verantwortung tragen“ beleuchten Michael Beleites und Sebastian Pflugbeil den Umgang mit Risikotechnologien und totalitären Tendenzen heute (3.11., 19 Uhr).

Akademie-Direktor Friedrich Kramer, der auch die Studienstelle leitet, befasst sich am Sonnabend mit der aktuellen Situation der Studienstelle. Teilnehmer der Tagung werden Statements abgeben zu der Frage, was der spezielle kirchliche Beitrag in der Nachhaltigkeitsdebatte ist und sich damit zur künftigen Rolle und Aufgaben der Studienstelle äußern.

Siegrun Höhne wird zum Abschluss das Werkstattgespräch „Die Zukunft der Studienstelle“ moderieren. 

Gründer Otto Kleinschmidt 

 Das Kirchliche Forschungsheim wurde 1927 von Otto Kleinschmidt (1870-1954) in der Lutherstadt gegründet, damals hieß es „Forschungsheim für Weltanschauungskunde“. Kleinschmidt war Leiter der Einrichtung, Theologe und Zoologe, Publizist und Dozent am Evangelischen Predigerseminar. Aufgabe des Instituts war es, einen Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften zu führen. Später erfolgte die Umbenennung in „Kirchliches Forschungsheim“ und 1961 der Umzug aus dem Schloss an den Standort zwischen Lutherhaus und Hauptpost. Kleinschmidt setzte sich kritisch mit der Evolutionstheorie auseinander und baute eine umfangreiche zoologische Sammlung auf. Mit „90 Jahre Geschichte des KFH“ befasst sich am Sonnabend Michael Beleites mit seinem Vortrag zu Otto Kleinschmidt und den Gründungsimpulsen. 

Pfarrer Hans-Peter Gensichen und die Umweltthemen der DDR

 „Ab 1975 rückten unter der Leitung von Pfarrer Hans-Peter Gensichen Umweltthemen in den Mittelpunkt“, berichtet Höhne. Über Umweltprobleme zu reden, galt in der ehemaligen DDR als staatsgefährdend, unter dem Schutzmantel dieses Tabus fand eine gigantische Umweltzerstörung statt.

Die gleichgeschalteten Medien griffen diese Themen nicht auf, wohl aber gab es eine kirchliche Umweltbewegung, wobei sich das KFH zu eine der zentrale Einrichtungen der Umweltbewegung entwickelte. „Pechblende“ hieß eine von Beleites verfasste kritische Publikation über den Uranbergbau der Wismut, die im KFH entstand und zum bis dato schärfsten Konflikt zwischen der SED und der kirchlichen Umweltbewegung führte. 

Zur Wirkungsgeschichte der „Pechblende“ wird im Rahmen der Tagung der Köthener Pfarrer Wolfram Hädicke sprechen, damals Umweltaktivist, der die mit dem Uranbergbau verbundenen Umweltschäden aufzudecken versuchte. „Die Erde ist zu retten“, so nannte sich das erste ökologische Grundsatzpapier, dass das KFH 1980 herausgab und das Überlegungen der Ökumenischen Weltkonferenzen und des Club of Rome aufgriff und auf die DDR-Situation übertrug.

Ab Mitte der 1980er Jahre bildete sich in der DDR ein grün-ökologisches Netzwerk und schließlich eine politische Bewegung. Über diese Zeit sprechen die ehemaligen KFH-Mitarbeiter Gerhard Pfeiffer und Michael Schicketanz. 

Ausstellungen 

Im Rahmen der Tagung sind zwei Ausstellungen zu sehen: Hanna Aschenbach, die Enkelin von Otto Kleinschmidt, die als Kind im Wittenberger Schloss aufwuchs, Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar studierte und seit 2000 Mitglied des Künstlervereins „Hofatelier Niedergrunstedt“ ist, zeigt künstlerische Arbeiten, vor allem Naturbilder. Ebenfalls gezeigt wird die Otto-Kleinschmidt-Ausstellung, die früher im KFH zu sehen war – ein kleiner Ausschnitt aus der großen Sammlung, die heute im Archiv der Leopoldina lagert. Auf einigen Tafeln findet sich eine Kurzdarstellung des KFH und seiner sieben Leiter. 

Hinweis: 

Für die Tagung „Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung – 90 Jahre Kirchliches Forschungsheim“ am 3. und 4. November in der Evangelischen Akademie können sich Interessenten unter Tel.: 03491/49 88 0, E-Mail: anmelden.




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