In seinem Klartext-Kommentar addiert Wolfgang Marchewka zwei gern benutzte Sprüche. Herauskommt, wie manche Medien im übertragenen Sinne "Eine Sau im Schweinezyklus durch die Dörfer treiben". Foto: Ellen Rinke

In seinem Klartext-Kommentar addiert Wolfgang Marchewka zwei gern benutzte Sprüche. Herauskommt, wie manche Medien im übertragenen Sinne "Eine Sau im Schweinezyklus durch die Dörfer treiben". Foto: Ellen Rinke

29.10.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Eine Sau im Schweinezyklus durch die Dörfer treiben

An manchen Redensarten kann sich der Mensch erfreuen. Zum Beispiel wird den Medien gelegentlich vorgeworfen, sie würden dazu neigen, beinahe täglich „eine andere Sau durchs Dorf zu treiben.“ Und mit Schweinen gibt es noch den schönen Spruch „wie im Schweinezyklus“, der inzwischen in mehreren Themenfeldern zuhause ist: Vom Ursprung, der erst mit zeitlicher Verzögerung wirkenden Produktion von zu vielen Tieren, hat sich das geflügelte Wort zum Beispiel auch bei der „Akademikerschwemme“ und auf dem Immobilienmarkt bewährt. 

Wir möchten heute beide Redensarten addieren: Wie im Schweinezyklus eine andere Sau durchs Dorf treiben. Dann nämlich sind wir bei einem Sonderfall, an den sich manche Zeitungen erinnern, wenn sie mal wieder den Bedarf haben, den Pressekodex zu vergessen, um auf populistische Art und Weise beim häufig nicht im Thema stehenden Leservolk zu punkten. 

Zur Erinnerung: eine Sau, die von meist fachlich weniger gebildeten Journalisten wie im typischen Schweinezyklus jahrelang durch die Dörfer getrieben wurde, hieß „Kampfhund.“ Mal abgesehen davon, dass es eine „Kampfhunderasse“ nie gab und es bereits seit Jahrzehnten verboten ist, einzelne Hunde als Kampfhund zu missbrauchen, spricht heute keine Sau mehr darüber. 

Nächste Sau, die von fast allen Medien genüsslich durch die Dörfer gehetzt worden ist, heißt Christian Wulff und war der Bundespräsident, dem gleich ein ganzes Rudel von Staatsanwälten samt ihren Helfern versuchte, Vorteilsnahme und ähnliche Sauereien nachzuweisen. Was blieb übrig von dem angeblichen Finanzskandal? Ein Kinderspielzeug von geringem Wert, bei dem die Finanzlage nicht ganz geklärt worden ist. Aber die „arme Sau“ Wulff war politisch totgemacht worden. 

Was hat das mit der heutigen Zeit zu tun? Nun, die aktuelle politische Sau, die nicht nur durch die Dörfer getrieben wird, sondern von manchen Medienvertretern genüsslich und im übertragenen Sinne angepinkelt wird, heißt Angela Merkel, konkret: „Die Flüchtlingspolitik von...“ In der vergangenen Woche schaffte es die Mittelmäßige Zeitung (MZ) sogar, „die Flüchtlingspolitik von ...“ mit dem Wahlausgang in Tschechien in Verbindung zu bringen: Der Wahlsieger gilt nämlich in seiner Heimat als ein Kritiker dieser angeblichen Flüchtlingspolitik. Eine wahre Meisterleistung des journalistischen Schweinetreibers. 

Machen wir es kurz: Die oft zitierte Flüchtlingspolitik von... hat es nie gegeben, richtig ist nur, dass Angela M. nach dem dramatischen Versagen anderer Staaten, die entgegen der Rechtslage den Flüchtlingstreck einfach ziehen haben lassen bis er vor Deutschlands Grenze stand, in einem Akt der Menschlichkeit hineingelassen hat, um eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden. 

Nun, wer einer Regierungschefin Humanität vorwerfen will, mag das tun, sollte aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass 1. dieser Akt ein einmaliger war und 2. es seitdem zahlreiche Verschärfungen gegeben hat – was wiederum von anderer Seite kritisiert worden ist – und 3. Deutschland ein Rechtsstaat ist, in dem auch abgelehnte Flüchtlinge ein Klagerecht haben – derzeit liegen mehr als 250.000 Fälle bei den Gerichten, 4. nicht Frau Merkel für Abschiebungen zuständig ist, sondern die verschiedenen Bundesländer, von den sich einige – namentlich mit SPD-Grüne-Beteiligung - weigern, abgelehnte Flüchtlinge in bestimmte Länder abzuschieben, und 5. bestimmte Herkunftsländer sich weigern, ihre abgelehnten Landsleute zurückzunehmen. 

Das alles den lieben Leserinnen und Lesern sorgfältig zu erklären, fällt manchen Zeitungen schwer. Da ist es wesentlich einfacher, die bereits überstrapazierte Sau durchs Dorf zu treiben. Und die politischen Populisten pupsen begierig mit.




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