Die Wittenberger Hofkapelle eröffnet das 12. Wittenberger Renaissance Musikfestival am 20. Oktober in der Schlosskirche. Foto: Veranstalter

Die Wittenberger Hofkapelle eröffnet das 12. Wittenberger Renaissance Musikfestival am 20. Oktober in der Schlosskirche. Foto: Veranstalter

15.10.2017

Im Jahr des Reformationsjubiläums: Martin Luther und die Musik

12. Wittenberger Renaissance Musikfestival

Wittenberg (wg). „Das Wittenberger Renaissance Musikfestival hat sich prächtig entwickelt“, freut sich Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), „Thomas Höhne und Gesine Friedrich von der Wittenberger Hofkapelle haben mit Leidenschaft und Herzblut dazu beigetragen, dass dieses Festival in Deutschland einen ganz besonderen Status besitzt.“ Das Festival habe sich eine „kleine, aber feine Nische“ erobert und sei in diesem Jahr in „Die Woche davor“ eingebettet, der zweiten Themenwoche nach den „Wittenberger Tagen zur Deutschen Sprache“, mit denen die Stadt auf die Tatsache reagiert, dass die Monate September und Oktober zu den besucherstärksten gehören und man den Gästen auch nach der Weltausstellung Reformation ein attraktives Kulturprogramm bieten möchte. Die Tourist-Information verzeichnet viele Anfragen, insbesondere auch aus dem Ausland.

„Das Festival ist in der Musikszene gut eingeführt“, bestätigt Johannes Winkelmann, Geschäftsführer der Wittenberg Marketing GmbH und des Vereins Wittenberg-Kultur, letzterer zeichnet für die finanziellen und organisatorischen Aspekte des Festivals verantwortlich.

Das Festival  öffnet  zum 12. Mal seine Pforten und markiert gleichzeitig den Abschluss der Lutherdekade. Themengebend ist „Martin Luther als Vater der Lieder“: Vom 20. Oktober bis zum 5. November erstreckt sich das Festival erstmals über 15 Tage und präsentiert 13 Konzerte, elf Kurse für Instrumentalspiel und Tanz, einen historischen Tanzball sowie eine Instrumentenausstellung. „Andernorts müssen Workshops abgesagt werden, hier sind wir ausgebucht“, freut sich Thomas Höhne, künstlerischer Leiter des Festivals und verweist auf ein großes Stammpublikum, auf immer wiederkehrende Künstler, Dozenten und Kursteilnehmer. 

Von Anfang an ein Hauptanliegen des Festivals war die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, in diesem Jahr sind es 350, die aktiv mitwirken. Der Kinderchor der Oper Leipzig und die Jugendmusiziergruppe Michael Praetorius Leipzig führen mit insgesamt 120 Kindern als erstes Gemeinschaftsprojekt am 21. Oktober um 19 Uhr in der Stadtkirche das Stück „Das Biest kann schwimmen“ auf, die zweite Vorstellung nach der Uraufführung in Leipzig. Den Text für das eigens zum 500. Jubiläum der Reformation kreierte Musiktheaterstück stammt vom Leipziger Autor Tobias Rohe, ebenfalls aus Leipzig stammt der Tenor und Ex-Thomaner Martin Petzold in der Rolle des älteren Luther.

„Wir wollen mit diesem Stück die damalige Zeit erlebbar und so auch Luthers Theologie greifbar machen“, berichtet Christian Geltinger, Leiter der Education Oper Leipzig, „indem wir einen Tag im Leben des Reformators lebendig werden lassen.“ 

Bei der zweiten Produktion aus dem Bereich des Musiktheaters wirken Schüler des Luther-Melanchthon-Gymnasiums und der Wittenberger Hofkapelle mit: Das Potsdamer Ensemble „I Confidenti“ stellt am 27. Oktober im Stadthaus sein Stück „Dolcissima Speranza“ vor – eine abenteuerliche, szenisch-musikalische Reise von Wittenberg über Torgau nach Dresden und Venedig, wo um 1600 eine neue Ära der Musik entstand. 

Die Hauptfigur, eine Mischung aus Landsknecht und Possenreißer, sucht nach Frieden in der Musik und begegnet neben Luthers Liedern und der in Wittenberg entstandenen Musik auch Werken anderer Meister wie Heinrich Schütz in Deutschland und Claudio Monteverdi in Italien. „Newcomer und Profis treffen in diesem Stück aufeinander und profitieren von der impulsgebenden Zusammenarbeit“, verspricht Christine Jaschinsky vom Potsdamer Musiktheater. 

Schon zur Tradition geworden ist „Die Nacht davor“ am 30. Oktober im Lutherhaus, die in diesem Jahr auch der Wittenberger Themenwoche zum Namen verhalf. Diesmal wird es eine musikalische Stadtführung durch das Wittenberg des Jahres 1517 geben, wenn auch nur in gedanklicher Form, beginnend am Schloss und endend am Lutherhaus.

„Wir wollen zeigen, dass es kein Zufall war, dass die Reformation in Wittenberg ihren Anfang nahm“, erklärt Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten. In dem Programm wechseln sich Musik, für die die Wittenberger Hofkapelle verantwortlich zeichnet und Text ab.

Dem Verhältnis von Luther und Melanchthon widmet sich der Abend am 25. Oktober im Melanchthonhaus, wenn Stefan Rhein (Text) sowie Thomas Höhne und Christoph Sommer (Laute) in Szenen einer Beziehung das komplexe Verhältnis der beiden Protagonisten der Reformation beleuchten. „Beide schätzten sich sehr, sie litten aber auch aneinander“, so Rhein.

Eröffnet wird das Festival erstmals von der Wittenberger Hofkapelle am 20. Oktober in der Schlosskirche mit „Ein feste Burg ist unser Gott“ – eine Reise durch 150 Jahre europäischer Musik, die mit Luthers Geburt beginnt und 1650 mit der „Symphoniae Sacrae III“ von Heinrich Schütz endet. Das Musikfestival, 2006 von dem Lautenisten Thomas Höhne gegründet, um die Vielseitigkeit der Renaissancemusik durch Konzerte, Workshops, Vorträge und Ausstellungen zu präsentieren und das Musizieren auf Originalinstrumenten zu pflegen, hat nach 12 Jahren einen wichtiges Etappenziel erreicht und sich etabliert. War es ursprünglich als jährlicher Kulturhöhepunkt im Rahmen der Lutherdekade eingeplant, muss es sich nun – über 2017 hinaus – um neue Unterstützung und Förderung auf Seiten der Stadt und des Landes bemühen. 

In diesem Zusammenhang erinnert Rhein daran, dass die Reformation und die Musik unbedingt zusammen gehörten. Denn erst die Reformation hat die Musik in die Häuser getragen. Identifiziert sich Wittenberg mit der Reformation, so muss man sich auch zur Musikpflege bekennen und das Festival über 2017 hinaus als feste Kulturgröße in der Stadt und in Sachsen-Anhalt bewusst fördern. 

Hinweis: 

Das ausführliche Programm steht im Internet unter www.wittenberger-renaissancemusik.de. Karten gibt es unter der Tickethotline 03491/41 92 60 sowie in der Geschäftsstelle des Wittenberger Sonntag, Coswiger Straße 30A, Tel.: 03491/41 65 35, E-Mail:




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