Der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör - hier bei einer Sitzung des Stadtrates am Rednerpult - erwartet von den im Stadtrat vertretenen Fraktionen konkrete Überlegungen, wie dem grassierenden Hass begegnet werden kann. Foto: Wolfgang Marchewka

Der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör - hier bei einer Sitzung des Stadtrates am Rednerpult - erwartet von den im Stadtrat vertretenen Fraktionen konkrete Überlegungen, wie dem grassierenden Hass begegnet werden kann. Foto: Wolfgang Marchewka

14.10.2017

BILD, NPD und AfD wirken gegen die demokratische Gesellschaft

Wir lassen uns den guten Ruf unserer Stadt nicht kaputtmachen

- Ein Leitartikel von Wolfgang Marchewka - 


Wittenberg. Oberbürgermeister Torsten Zugehör ist sauer. Grund sind die inakzeptablen, hasserfüllten Äußerungen mancher Leute, „die wenig wissen, aber viel meinen“ während der noch laufenden Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zu den Auseinandersetzungen vor dem Arsenal, die für einen beteiligten Mann tragisch endete: Er starb im Krankenhaus an den schweren Kopfverletzungen, die er sich beim Rückwärtssturz auf den harten Boden zugezogen hatte. 

Auslöser für die Meinungsäußerung des parteilosen Oberbürgermeisters war ein heftiger Text der BILD zum Tod des 30 Jahre jungen Deutschen mit der fetten Behauptung, Wittenberg sei „eine geteilte Stadt“. „Dieser Begriff ist verfehlt“, stellt Zugehör klar und erinnert an die Rede des Bundespräsidenten beim Gottesdienst auf den Elbwiesen. „Die Medien sollten vorsichtig mit solchen Behauptungen umgehen“, rät der OB, „man kann eine Teilung auch herbeireden oder –schreiben.“ 

Für Zugehör ist das genaue Gegenteil richtig: „Wir sind im Reformationssommer großartig zusammen gewachsen, eine deutliche Mehrheit unserer Stadtgesellschaft hat sich weltoffen präsentiert, die Weltausstellung Reformation hat nicht nur national, sondern weltweit Werbung für Wittenberg gemacht, und wir lassen uns den guten Ruf unserer Stadt nicht kaputtmachen!“

Der Oberbürgermeister erinnert im Zusammenhang mit dem Todesfall vor dem Arsenal daran, dass Deutschland ein Rechtsstaat sei, in dem es keinen Unterschied mache, ob körperliche Auseinandersetzungen zwischen zwei Deutschen stattfinden, zwischen zwei Ausländern oder zwischen einem Deutschen und einem Ausländer. Wer im Gegensatz dazu Unterschiede mache, wenn ein Deutscher und ein Ausländer beteiligt sind, müsse sich fragen lassen, ob seine Meinung noch mit dem Grundgesetz zu vereinbaren sei. 

Zugehör ärgert sich vor allem darüber, dass sich auch in diesem Todesfall rechte Kreise die „Meinungshoheit“ erobert hätten: „Da es hier um den guten Ruf unserer Stadt geht, habe ich Meinungsäußerungen von Mitgliedern des Stadtrates vermisst.“ Am Donnerstag hat er alle Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien angerufen und die Bitte geäußert, sich politische Statements einfallen zu lassen. 

Am Abend zuvor war der Rechtsaußen im Stadtrat, Dirk Hoffmann (AfD), während der Sitzung des Kulturausschuss erneut mit einer Peinlichkeit aufgefallen: Der Populist regte an, für den verstorbenen Deutschen eine „Schweigeminute“ zu organisieren. Natürlich gingen die seriösen Mitglieder des Ausschusses nicht auf diese Absurdität ein. 

Auch das überparteiliche Bündnis „Wittenberg-Weltoffen“ hat für den in manchen Kreisen ausgebrochenen Hass kein Verständnis: „Solche Leute betreiben die Spaltung der Gesellschaft“, meint Bündnis-Sprecherin Dr. Reinhild Hugenroth und ergänzt: „WB-Weltoffen wird sich immer für die Versöhnung einsetzten.“ Das Bündnis sei dabei, zwecks Aufklärung der Tatsachen zu Flüchtlingen und Asyl weitere öffentliche Veranstaltungen mit interessanten Referenten zu organisieren. „Dabei wird es für die Bürgerinnen und Bürger auch die Gelegenheit geben, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ 

• Auf Facebook wurden auch die Facebook mit Hass und der Behauptung überschüttet, Flüchtlinge würden beim Verdacht auf Straftaten bevorzug behandelt, die sie belastenden Fakten würden „unter den Teppich gekehrt.“ Wirklich? Die einzige Tatsache, die bislang verschwiegen worden ist, betrifft das Leben des zu Tode gekommenen Deutschen: Er war bekennender Nazi – und das wirft einen besonderen Blick auf den Ablauf der Ereignisse vor dem Arsenal. Wer nach dem Tod des Pratauers rechtzeitig im Internet recherchiert hatte, konnte bei Facebook eine kleine Erinnerungsseite finden mit der Bezeichnung „Kurzer aka Hempi AchtAcht.“ AchtAcht oder 88: Da fällt dem informierten Menschen Schlimmes ein, denn die Zahlen stehen jeweils für den achten Buchstaben im Alphabet – das „H“. Zweimal „H“ dient in Nazikreisen als getarnte Abkürzung für „Heil Hitler.“ Und in seinem alten, inzwischen gelöschten Profil, gab „Hempi“ freimütig Auskunft. Nach „Interessiert an Frauen“ steht unter religiöse Ansichten „Ich glaube an mich selbst 88. Und als politische Einstellung stand kurz „NPD“. 

Gedenkminute für einen Nazi fordern, Herr AfD-Hoffman, sind Sie schon soweit? 

Doch wenn es schlecht läuft für den guten Ruf der Lutherstadt Wittenberg, kann es noch schlechter kommen, denn gewöhnlich gut informierte Personen ließen verlauten, dass bei der Kreisverwaltung die Anmeldung einer Demonstration vor dem Arsenal eingegangen sei. Termin: 21. Oktober. Motto: „Stoppt die Gewalt gegen deutsche Bürger – Straftäter sofort abschieben.“ Offizieller Antragsteller ist diesmal keine Partei, sondern eine Privatperson von nicht ganz sauberer Vergangenheit.




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