Wolfgang Marchewka sorgt sich in seinem Klartext-Kommentar um die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Foto: Ellen Rinke

Wolfgang Marchewka sorgt sich in seinem Klartext-Kommentar um die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Foto: Ellen Rinke

07.10.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Schon einen Schritt weiter

Mit dem alten, sowohl in der DDR als auch in der BRD gern erzählten Witz „Gestern standen wir bereits am Abgrund, heute sind wir schon einen großen Schritt weiter“ beginne ich meinen Klartext zu einer nicht witzigen Entwicklung in Stadt und Kreis Wittenberg. Denn in der vergangenen Woche hieß die Überschrift an dieser Stelle „Auf dem Weg in die Hassrepublik“ - und leider sind wir heute tatsächlich einen großen Schritt weiter. 

Der Grund liegt in der traurigen Tatsache begründet, dass der tragische Tod eines jungen Menschen auf dem Platz vor dem Arsenal in gewissen Kreisen eine weitere Welle an Hass ausgelöst hat – weil ein Asylbewerber an den zunächst verbalen, dann aber handgreiflichen Auseinandersetzungen beteiligt war. Der schlimme Hass gegen den Syrer – trefflich und öffentlich dokumentiert auf diversen Facebook-Seiten – lässt Schlimmes für die Zukunft unserer Demokratie befürchten, weil zu viele der dort Schreibenden heftig dabei sind, heftig an den Grundpfeilern unserer Demokratie zu sägen – was sie in ihrem blinden Hass natürlich nicht merken. 

Zu diesen Grundpfeilern gehört zum Glück die unabhängige Justiz. Zum Glück deshalb, weil das in totalitären Staaten anders war und heute noch ist. 

Das ist passiert: Die Staatsanwaltschaft in Dessau hat die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Polizeidirektion Dessau zum Fall „Auseinandersetzung mit Todesfolge“ auf dem Arsenalplatz ausgewertet und ist aufgrund von Zeugenaussagen und eines Videos zu dem Ergebnis gekommen, der Deutsche habe zuerst geschlagen, und zwar gleich zweimal, erst dann hat der Syrer zurückgeschlagen, wonach der Deutsche rückwärts gekippt ist und dann so unglücklich mit dem Kopf aufgeschlagen ist, dass er später an seinen schweren Kopfverletzungen starb. 

Fazit der Staatsanwaltschaft wörtlich: „Aufgrund der bisherigen Ermittlungen dürfte derzeit von einer Notwehrhandlung mit tragischen Folgen auszugehen sein.“ 

Der Wittenberger Sonntag veröffentlichte die an alle Medien gemailte Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Dessau unverändert und nicht kommentiert auf seiner Facebook-Seite. Und dann ging es los: Hass gegen „die Syrer“, Hass gegen „die Polizei“, Hass gegen „die Presse“, Hass gegen „die Politik“. Dass dabei diese Schreiber den Boden unseres Grundgesetzes verließen, versteht sich von selbst. 

Einige User mit braunem Hintergrund veröffentlichten die Darstellung eines als Braun bekannten Magazins, das entgegen den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörde einseitig dem Syrer die Schuld zuwies. Folge: Manche glaubten diesem Hetzmagazin mehr als der Staatsanwaltschaft.

Ein paar Zitate. Eine Frau schrieb mit Bezug auf den Syrer, „Das war ja Arsch klar dass diese „Menschen“ natürlich machen können was sie wollen. Da sieht man was ein Deutscher Bürger wert ist..., einfach nur lächerlich ist die Justiz… 

Eine Frau zur Frage, warum das Beweismittel Video nicht veröffentlicht wird: „Da sonst die Wahrheit ans Licht kommt und man wahrscheinlich sehen wird dass die pigmentierten nicht so unschuldig sind, wie es in der Presse dargestellt wird… 

Eine andere Frau: „Innerhalb kurzer Zeit wird es von der Presse so gedreht, das der Wittenberger selbst schuld ist. Mir fehlen die Worte.“

Ein NPD-Anhänger: „Lügenpresse !!! Da hilft nur Selbstschutz!! Volk ans Gewehr …“. 

Der bisherige Höhepunkt: „Fickt die Syrer, fickt euch Staatsanwaltschaft, nehmt die Asylanten wieder in Schutz. Aufhängen sollt ihr sie und uns Deutsche schützen.“ 

Unser Fazit dazu stammt aus der Partnerstadt Göttingen. Dort hing aus Anlass eines Naziaufmarsches im Jahr 2005 an einer Hauswand ein großes Banner mit der Aufschrift: „Liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein.“ 

Hinweis:

Der Grund für Beschimpfung des Wittenberger Sonntag als „Lügenpresse" liegt allein in der Tatsache, dass wir die offizielle Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Dessau im Wortlaut und nicht kommentiert auf Facebook veröffentlicht haben. 

Das veranlasste auch eine Frau, die sich Nadine Orlow nennt, unserer Facebook-Seite mit Folgendem zu beehren, wörtliches Zitat: „Das der Wittenberger Sonntag von unsere Steuergeldern finanziert wird mit irgendwelche Hilfsarbeiter die sonst hartz4ler wären und am Wochenende in der City besoffen anzutreffen sind zeigt welche Qualität dieses Drecksblatt hat und pn gibt's noch paar Adressen...




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