Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger zu Besuch in Wittenberg. Foto: Archiv

Kulturstaatssekretär Gunnar Schellenberger zu Besuch in Wittenberg. Foto: Archiv

07.10.2017

Die positive Entwicklung im Tourismus verstetigen

Kulturstaatssekretär Schellenberger: Erst Luther, dann Bauhaus

Wittenberg (wg). „Das Reformationsjubiläum hat Wittenberg weltweit zu großer Bekanntheit verholfen, die Besucherzahlen sind enorm gestiegen“, erklärt Dr. Gunnar Schellenberger (CDU), Kulturstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 

Von besonderer Bedeutung im Vorfeld sei die Ausstellung „Here I stand...“ gewesen, die von Oktober 2016 bis Januar 2017 an drei Standorten in den USA gezeigt worden war. Aus den Beständen des Wittenberger Lutherhauses wurden in einem nie dagewesenen Umfang Exponate ausgeliehen. „Die Resonanz dort war überwältigend“, bestätigt Schellenberger, der selber eine Gruppe Pastoren im Minneapolis Institute of Art begrüßte im Herzen des lutherischen Kernlandes in den USA. 

Dem „Star Tribune“, der auflagenstärksten Tageszeitung in Minnesota, gab Schellenberger ein Interview. „Das Reformationsjubiläum 2017 hat dem Tourismus in ganz Sachsen-Anhalt einen Boom beschert“, betont Schellenberger, das gelte insbesondere für die Lutherstätten, aber auch das Land insgesamt habe profitiert. Im Raum Anhalt-Wittenberg wurde bis zur Jahresmitte bei den Gästen aus dem Ausland ein Zuwachs von 44,8 Prozent verzeichnet, die Zahl der Gäste im Lutherhaus stieg um 52 Prozent. In ganz Sachsen-Anhalt stiegen die Übernachtungszahlen in den ersten fünf Monates des Jahres um vier Prozent, bundesweit nur um ein Prozent. 

Die Zahl der ausländischen Gäste stieg sogar um 18,4 Prozent, der hohe Zuspruch aus dem Ausland sei besonders erfreulich und zeige, dass die internationale Vermarktung des Reformationsjubiläums erfolgreich gewesen sei. „Diesen Schwung müssen wir in die Zukunft mitnehmen und die Entwicklung im Tourismus verstetigen, eine gute Gelegenheit dazu bietet das Bauhausjubiläum 2019“, berichtet Schellenberger, der Fokus des Marketings werde sich dann stärker auf Sachsen-Anhalt als Land der Moderne richten. 

Das aus Landessicht wichtigste Projekt sei der Neubau des Museums in Dessau, die rund 25 Millionen Euro würden sich Bund und Land  teilen . Im Museum soll die große Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau gezeigt werden, die mit 40.000 Exemplaren nach Berlin die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung der Welt ist. „Wir stimmen derzeit die Veranstaltungspläne und die Marketingstrategie ab“, so Schellenberger, der Vorsitzender der Lenkungsgruppe ist. Dabei gehe es auch um Fragen der Referenzstandorte wie Siedlungsbauten in Magdeburg, die touristisch erschließbar sein müssten. „Nicht nur das Museum muss pünktlich fertig werden, auch die Anhaltische Gemäldegalerie im Georgium wird 2019 wieder zugänglich sein“, verspricht Schellenberger.

Was vor einem Jahr noch frommer Wunsch schien, dürfte nun Realität werden: Für die Anfang 2012 begonnene und 2014 vorerst eingestellte Sanierung stehen jetzt sechs Millionen Euro bereit, die Hälfte gibt der Bund, die andere Hälfte bringen Land und Stadt auf. Zur Erinnerung: Der Deutsche Kulturrat setzte die Gemäldegalerie 2015 auf die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen. 

Die neuen Richtlinien zur Kulturförderung des Landes Sachsen-Anhalt wurden eng mit dem Fachausschuss des Landtages sowie dem Landesrechnungshof und dem Finanzministerium beraten, befinden sich in der Endredaktion und sind übersichtlicher und klarer in der Definition, was gefördert werden kann. Eigenleistungen der Antragsteller  können bei der Kofinanzierung anerkannt werden. „Ziel ist es, Fördermittelanträge künftig schneller zu bescheiden, damit Antragsteller besser und längerfristig planen können“, sagt Schellenberger. 

Dass die Kultur seit der Bildung der neuen Landesregierung 2016 in der Staatskanzlei angesiedelt ist, hat sich nach Ansicht des Staatssekretärs bewährt: „Die Kultur ist in der Schaltzentrale der Macht angekommen, sowohl Ministerpräsident Reiner Haseloff als auch Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei, sind sehr kulturaffin.“ Bei der Frage, wie sich die Kultur in Sachsen-Anhalt in Zukunft entwickeln soll, setzt Schellenberger auf Beratungen mit den Kulturschaffenden, „um gemeinsam nach intelligenten Lösungen zu suchen.“ 

In der Frage der Theater- und Orchesterverträge gehe es darum, langfristig zu denken und zu planen, Ziel sei es, die jetzige Theater- und Orchesterlandschaft zu erhalten. Bei den Personalkosten stehe das Land zur zugesagten Dynamisierung, um Tarifsteigerungen abzufangen. „Wir wollen die Verträge bis Mitte 2018 unter Dach und Fach haben“, kündigt Schellenberger an. 

Lob für die Kultur in Wittenberg

Ausdrücklich lobt der Kulturstaatssekretär das Wittenberger Haus der Geschichte für die geleistete Arbeit, eine institutionelle Förderung durch das Land sei gleichwohl nicht möglich, wohl aber eine Projektförderung: „Dabei müssen Stadt, Landkreis und Land sehen, wer was an Förderung übernehmen kann.“ 

Lob gibt es auch für das Porzellaneum Annaburg, das sich der Bewahrung der mehr als 140-jährigen Geschichte der Porzellanproduktion widmet und für den Förderverein Hofgestüt Bleesern in Seegrehna, der für sein Engagement im November in Basel die „Silberne Halbkugel“ des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz überreicht bekommt.




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