30.09.2017

Klartext von Wolfgang Marchewka

Auf dem Weg in die Hassrepublik

Deutschland hat gewählt und das Ergebnis ist erschreckend: Die Partei, die keine einheitliche ist, sondern eine Ansammlung verschiedener Selbstdarsteller und Streithähne, die nicht nur aus dem konservativen, sondern leider auch aus dem rechtsradikalen Milieu kommen, hat im Bundesdurchschnitt rund 13 % der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Folge: Daher prägen diese Leute in den kommenden vier Jahren mit einer zahlenmäßig starken Mannschaft das Ansehen Deutschlands in der Welt mit – leider. 

Ist es schon wieder soweit, dass sich die kleinen und größeren Nazis, die noch immer oder schon wieder unter den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes stecken, sich mit starken Sprüchen ans politische Licht der Öffentlichkeit trauen? Wenn man sich die von prominenten Funktionären der sogenannten AfD abgesonderten Worthülsen und so manche auf Facebook veröffentlichte Geschreibsel in Erinnerung ruft, scheint es wohl so zu sein. 

Noch bedenklicher ist das Abschneiden dieser Leute auf dem DDR-Nachfolge-Gebiet: Wenn in den fünf Bundesländern die AfD im Schnitt doppelt so viele Stimmen erhalten hat wie in Westdeutschland, so beweist das leider, dass in den sogenannten „neuen“ Bundesländern zu viele Menschen ein ganz altes Bewusstsein in ihren Köpfen mit sich herumtragen – ein so altes, dass sie noch nicht einmal merken, wir sehr sie mit ihrer Wahlentscheidung und manchem öffentlichen Auftreten bei Veranstaltungen von Pegida und Co. ihren eigenen Interessen schaden. Merkwürdig: Dort, wo die wenigsten Flüchtlinge leben – im Osten Deutschlands – ist in diesen Kreisen die Ausländerfeindlichkeit am größten. Oder auch nicht merkwürdig, denn schon in der DDR sahen viele Menschen auf die „weniger wertvollen“ Ausländer herab, der als Schimpfwort verwendete Ausdruck „Fidschis“ für die in der DDR lebenden Vietnamesen ist den älteren Bürgern sicherlich noch bekannt.

Psychologen erklären es so: Wer auf „niedrigere“ Menschen herabblicken kann, fühlt sich selbst besser. Wenn denn noch übersteigerter Egoismus hinzukommt, ist der Weg bis zum Hass nicht mehr weit. Und mit Hass werden selbst solche Menschen belegt, die sich für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen wollen – wie zum Beispiel im Wahlkampf die Kandidaten, die „den Altparteien“ angehören. Der junge Sepp Müller ist in unserer Region ein Beispiel dafür: Er wurde bereits als „Volksverräter“ bezeichnet, nur weil er für die CDU kandidiert hat - obwohl er in unserer Region seit 2007 als Mitglied des Kreistages und zudem noch seit 2009 als Mitglied des Stadtrates von Gräfenhainichen gute Arbeit leistet. 

Ein wenig Mehr an politischer Bildung und sozialem Verhalten täte jenen Leuten gut, die mitreden wollen, und sei es auch nur auf der Straße. Ansonsten behält der bekannte Ex-DDR-Bürgerrechtler und heutige Ehrenbürger der Lutherstadt Wittenberg, Pfarrer Friedrich Schorlemmer, doch noch recht mit seinem überlieferten Spruch über die Wende: „Eine Mehrheit wollte wohl nicht zuerst das Brot der Freiheit, sondern 27 Brotsorten“. 

Nachsatz: 

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