Das Flüchtlingsboot bleibt am Schwanenteich: Mehr als 240 Menschen waren in diesem kleinen Boot von Afrika über das Mittelmeer nach Sizilien geflüchtet. Foto: Wolfgang Marchewka

Das Flüchtlingsboot bleibt am Schwanenteich: Mehr als 240 Menschen waren in diesem kleinen Boot von Afrika über das Mittelmeer nach Sizilien geflüchtet. Foto: Wolfgang Marchewka

30.09.2017

Der Geist des Reformationssommers darf bleiben

Wittenberger Stadtrat stimmt der Vereinbarung mit r.2017 zu

Wittenberg (wg). „Der Geist dieser Beschlussvorlage schließt an diesen unvergleichlichen Reformationssommer an, um den uns viele andere Städte beneiden und soll uns auch in den folgenden Jahren an diese tolle Stimmung erinnern“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) zur Vereinbarung mit dem Verein Reformationsjubiläum 2017 e.V. und die darin geregelte Übernahme von Objekten aus der Weltausstellung. 

Mit dieser Vorlage schließe sich zugleich auch der Kreis mit den vom Stadtrat gefassten Beschlüssen zum Reformationsjubiläum, die dieser „unverzagt, aber nicht leichtsinnig“ auf den Weg gebracht habe. 

Aus (fast) jedem Torraum der Weltausstellung Reformation bleiben Objekte erhalten, auch die Weltkugel auf dem Markt, die sich zur beliebten Attraktion für einheimische wie auswärtige Fotografen entwickelt hat (der Wittenberger Sonntag berichtete). 

Die Installation auf dem Bunkerberg (Torraum „Spiritualität“), die von Anfang an als dauerhaftes Geschenk an die Stadt gedacht war, hat sich ebenfalls zu einem beliebten Standort entwickelt. Aus dem Torraum „Ökumene“ bleibt unter anderem das „House of One“, für den OB ein Symbol der Einheit in Vielfalt sowie der friedfertigen Kommunikation: „Wenn Menschen wieder gejagt, entsorgt werden oder in die Fresse bekommen sollen, zeigt dies, wie hoch der Nachholdbedarf in Sachen Kommunikation ist“, spielte der OB auf die Bundestagwahl und dessen Nachwehen an und ergänzte: „Unsere derzeit laufende Woche der deutschen Sprache und Kultur ist keine freiwillige Aufgabe, sondern müsste offensichtlich eine jährliche Pflichtaufgabe bundesweit sein.“

Bleiben soll auch das Flüchtlingsboot am Schwanenteich (Torraum „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“): „Der Landkreis hat jetzt ein Integrationskonzept vorgelegt und das ist gut so. Es werden weiterhin Flüchtlinge zu uns kommen. Das Flüchtlingsboot ist ein Denkmal für Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit.“ Es sei zugleich ein Symbol dafür, dass die „einfachen Leute“ für die Fehler und Verbrechen der Herrschenden zahlen müssten – oft genug mit ihrem Leben.

Erstmals sei eine BV ohne Vorberatung in den Ausschüssen auf der Tagesordnung des Stadtrates gesetzt worden, weil es einen entsprechenden Zeitdruck gebe. Bei allen Objekten, die die Stadt bzw. Dritte übernehmen, handele es sich um Geschenke, die aber auch mit Verpflichtungen verbunden seien, so der OB. Diese Vorlage könne nicht alle Fragen abschließend beantworten und auch nicht alle Risiken hinsichtlich Folgekosten ausschließen. 

„Noch nie hat der Oberbürgermeister eine Beschlussvorlage mit so viel Herzblut und Vehemenz vorgetragen“, betonte Horst Dübner, Fraktionschef der Linken, „die dabei von ihm benannten politischen Botschaften werden von meiner Fraktion mit dem gleichen Herzblut unterstützt.“ Der Liste mit den zu übernehmenden Objekten könne man im Wesentlichen zustimmen. Mit Blick auf die Folgekosten bleibe indes vieles sehr vage und weil es keine Vorberatung in den Ausschüssen gegeben habe, beantrage seine Fraktion nach der Diskussion eine Auszeit. 

Vor allem mögliche Folgekosten für das „House of One“, unter dessen Dach sich symbolisch eine Kirche, Synagoge und Moschee befinden, bereiteten etlichen Stadträten Sorgen, SPD-Stadtrat Friedemann Ehrig betonte indes: „Dieses Objekt sollte als Ort der Begegnung im Luthergarten, der ebenfalls ein Ort der Begegnung ist, bleiben.“ 

Ehrig erinnerte an den „Engel der Kulturen“, einer Bodenintarsie, die sich seit August 2017 vor dem Schloss als deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus befindet. „House of One“, Flüchtlingsboot und der „Engel der Kulturen“ setzten als Dreiklang ein aktuelles Zeichen aus der Stadt der Reformation. 

Hinweis: 

Die von der Fraktion der Linken gewünschte Auszeit war offenbar mit einem Erkenntnisgewinn für viele Stadträte verbunden, am Ende votierten sie mehrheitlich bei fünf Neinstimmen und einer Enthaltung für die BV. Der Antrag von Dirk Hoffmann (AfD), das Flüchtlingsboot aus der BV zu nehmen, weil das Boot Symbol einer verfehlten Flüchtlingspolitik sei und deshalb entsorgt werden müsse, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. CDU-Stadträtin Insa Christiane Hennen dazu: „Dieses Boot als Symbol einer verfehlten Flüchtlingspolitik zu bezeichnen, ist völlig deplaziert. Stadtrat Reinhard Krause (Freie Wähler): „Wir treffen eine politische Entscheidung, damit verbundene Diskussionen müssen wir als Zivilgesellschaft aushalten.“




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