DRG-Vorsitzender Siegfried Dümichen (l.) und DRG-Projektleiter Heinz Wehmeier. Foto: Wolfgang Gorsboth

DRG-Vorsitzender Siegfried Dümichen (l.) und DRG-Projektleiter Heinz Wehmeier. Foto: Wolfgang Gorsboth

26.09.2017

Ein Vierteljahrhundert für gute Beziehungen nach Osteuropa

DRG Wittenberg feiert 25 Jahre Völkerverständigung

Wittenberg (wg). Am Freitag, dem 29. September, feiert die Deutsch-Russländische Gesellschaft (DRG) ab 19 Uhr in der Phönix Theaterwelt ihren 25. Geburtstag: „Es werden keine langen Festreden geschwungen, dafür gibt es viele Kulturprogramme“, verspricht DRG-Projektleiter Heinz Wehmeier im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag, „denn Kultur dient der Völkerverständigung und das ist unsere Antwort auf die große Politik.“ 

1992 war Deutschland zwei Jahre vereinigt, es gab die „Charta von Paris“ als Dokument der Hoffnung, die OSZE nahm im selben Jahr alle Nachfolgestaaten der Sowjetunion als Mitglieder auf, der Europarat erweiterte sein Mitgliedschaft und die EU verabschiedete die „Kopenhagener Kriterien“ mit Blick auf die Ost-Erweiterung – eine Zeit der Euphorie. 

Ein Vierteljahrhundert später, so Wehmeier, müsse man feststellen, dass die Welt zwar eine andere geworden, die Arbeit der DRG aber heute genau so wichtig wie damals sei. 

1992 gründete sich in Wittenberg die DRG: Der damalige Sozialreferent der Stadt, Engelbert Pennekamp, hatte Tschernobyl-Kinder nach Wittenberg eingeladen, es wurden Betreuer und Dolmetscher gesucht wie Heinz Wehmeier und Siegfried Dümichen. „Wir saßen in Pennekamps Büro und er schlug uns vor, einen Verein zu gründen“, erinnert sich Wehmeier. Dümichen erklärte sich bereit, für zwei Jahre den Vorsitz zu übernehmen, es wurden 25 Jahre. 

„Es ging uns von Beginn an um Partnerschaft, um Begegnung der Menschen auf Augenhöhe“, hebt Wehmeier hervor. Dahinter stand auch die Überzeugung, dass die Umbrüche in Europa nicht als Sieg des Westens über den Osten zu werten waren, sondern als Sieg der Werte von Freiheit und Demokratie, wobei Demokratie nicht nur eine Sache staatlicher Strukturen, sondern der Zivilgesellschaft ist. 

Dahinter steckte zudem die Erkenntnis, dass Demokratie keine Exportware ist, sondern dass man diejenigen unterstützen müsse, die sich in den jeweiligen Ländern zum Wohle der Menschen einsetzen – für Menschenrechte, für Bedürftige, für Bildung, für den Erhalt der Umwelt und vieles mehr. 

In den vergangenen 25 Jahren gab es viele Auszeichnungen für die DRG, Wehmeier spricht von einer „ebenso erfreulichen wie erfolgreichen Bilanz“. Im April nächsten Jahres sind die Wittenberger Gastgeber der Städtepartnerschaftskonferenz, an der mehr als 20 Städte aus Weißrussland und der Bundesrepublik teilnehmen, um über zivilgesellschaftliche Beziehungen und neue Projekte zu beraten. 

Der DRG geht es um einen differenzierten Blick auf Osteuropa, um neue Missverständnisse und Konfrontationen zu verhindern. „Ganz wichtig ist es, wenigstens den kleinen Dialog zu retten“, verweist Wehmeier auf das Beispiel Krim. Vereine aus Heidelberg, Baden-Baden und Ludwigsburg, die ihre Kontakte weiterhin pflegten und Partnervereine auf der Krim besucht haben, müssen sich vor der Staatsanwaltschaft verantworten. 

Seit mehr als 45 Jahren bereist Wehmeier Osteuropa, in vielen Gesprächen hat er Kontakte zu Menschen unterschiedlichster Schicksale, Nationalitäten und Religionen geknüpft. „In all diesen Jahren bin ich nicht einem Menschen begegnet, der uns Deutschen feindselig gegenüberstand“, bestätigt Wehmeier, „im Gegenteil, trotz des unermesslichen Leides, das Deutsche den dort lebenden Menschen im Krieg zufügten, sprechen diese mit Achtung von unseren kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen.“ 

Gerade auch deshalb sei es wichtig, die Aufarbeitung von Geschichte nicht dem Selbstlauf zu überlassen, denn Wahrheit sei Grundlage jeder Versöhnung, an der nicht zuletzt die Kirchen in Ost- und Westeuropa großen Anteil hätten. 

Das Programm 

Die DRG begeht das Jubiläum mit einem Festkonzert im Sinne der Völkerverständigung durch kulturellen Austausch. Deshalb werden sich am Freitag im Phönix hervorragende Künstler aus Belarus und Wittenberg präsentieren. Den Auftakt macht der geniale ukrainische Pianist Prof. Michael Legotsky mit Rachmaninow und Liszt. Aus Belarus werden das Tanztheater „Alexis“ mit modernen Auftritten und das Instrumental-Ensemble „Kolorit“ mit Weltmusik brillieren. 

Tänzerische Glückwünsche werden das Leucoreadorf „Bystrica“ und der Aerobic- und Tanzvereins Zahna überbringen. Das Violinenensemble unter der Leitung von Michael Marinov überreicht einen musikalischen Blumenstrauß von Brahms, Piazzola und Schostakowitsch. 

Hinweis:

Karten im Vorverkauf sind bei der Deutsch-Russländischen Gesellschaft, Markt 4, Tel.: 03491/40 63 18 und an der Abendkasse zum Preis von 10 Euro, Schüler 8 Euro, erhältlich.




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