Silke Dubilier, einst Sängerin am Mitteldeutschen Landestheater, spielt in der TJC-Produktion „Schießt die Schweine tot...“ die Mutter, Elias Zarrad den Moritz. Foto: TJC

Silke Dubilier, einst Sängerin am Mitteldeutschen Landestheater, spielt in der TJC-Produktion „Schießt die Schweine tot...“ die Mutter, Elias Zarrad den Moritz. Foto: TJC

22.09.2017

Theatralische Aufarbeitung des NSU

„Schießt die Schweine tot...“

Wittenberg (wg). „Schießt die Schweine tot oder die Macht des Schicksals“ wird am Samstag, dem 23. September 2017 um 19.30 Uhr in der Exerzierhalle aufgeführt. Autor und Regisseur des Dokumentations-Theaterstücks ist Markus Schuliers, Chef des Theaterjugendclubs (TJC) „Chamäleon“. 

Im Fokus stehen die Vorgänge um den selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), welche durch den noch immer nicht abgeschlossenen Strafprozess weiterhin von Relevanz sind. Der rechtsextremistischen Vereinigung, die im November 2011 bekannt wurde, werden zehn Morde aus fremdenfeindlicher Gesinnung zur Last gelegt. 

In dem Stück verknüpft Schuliers mehrere Ebenen miteinander: Auf der einen Seite steht die Dokumentation der Verbrechen von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Neben den Müttern von Böhnhardt und Zschäpe, welche als indirekt Betroffene den Werdegang ihrer Kinder zu schildern versuchen, wird auch den Opfern der rechtsterroristischen Mordserie das Wort gegeben. Auf eindringliche Art und Weise wird so das Schicksal der Betroffenen veranschaulicht.

„Eingerahmt werden diese Taten von einem Theaterstück“, berichtet Schuliers. Nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Freundin Maria entwickelt Moritz einen geradezu fanatischen Hass auf den Syrer Abdallah, welcher unschuldig in den Vorfall verwickelt war. Beim Versuch, den schweren Verlust zu verkraften, lässt er sich durch die Internetseite „Schießt die Schweine tot“ von den Verbrechen des NSU dazu anregen, selbst zum Täter zu werden und vertieft sich zunehmend in die rechtsradikale Ideologie. 

Untermalt wird dieser Werdegang durch die verzweifelten Bemühungen seines Umfelds, wieder Zugang zu Moritz zu bekommen und ihm dabei zu helfen, seinen Weg aus der Trauer zu finden. 

Die besondere Rolle als „unbeteiligt Beteiligte“ wird dem kleinen ermordeten Mädchen Peggy Knobloch auf der dritten Ebene zuteil. Durch eine Verkettung von Ermittlungspannen wurde ihr noch immer ungelöster Fall mit den kriminellen Machenschaften des NSU in Verbindung gebracht und somit zum Teil der dramatischen Inszenierung. 

„Durch die Verknüpfung dieser drei Ebenen schließlich ergibt sich ein komplexes Theaterstück, welches sich mit dem Einfluss rechtsradikalen Gedankenguts und der Folgen extremistischen Handelns für Täter, Betroffene und deren Umfeld auseinandersetzt“, sagt Schuliers. Ebenso werde die einfache Zugänglichkeit zu gewaltverherrlichenden Inhalten durch das Internet kritisch beleuchtet.

„Die Verbindung all dieser Komponenten dient der Erinnerung an die Bedeutung eines aufmerksamen Miteinanders zur Prävention von Radikalisierung, welche meist weniger auf Hass als auf einem persönlichen Problem gründet“, betont Schuliers, „wie es in unserem Stück mit dem Tod von Maria dargestellt wird.“ Erst dieser schwere Schicksalsschlag verleitet Moritz zur Suche nach einem Sündenbock und somit nach einer einfachen Lösung für eine schwierige Krise. 

Ähnliche Tendenzen sind nach Auffassung von Autor und Regisseur auch in der Realpolitik zu beobachten: Der steigenden Entpolitisierung werde mit eingängigen Parolen begegnet, deren Bedeutung schnell erfasst und weitergetragen werden könne. Schleichend verbreite sich somit vor allem fremdenfeindliches Gedankengut. „Vor den Folgen einer weiteren Ausdehnung dessen zu warnen betrachten wir, die Mitwirkenden des Stücks, daher als unsere Aufgabe und wünschen unserem Publikum eine zum Nachdenken und Diskutieren anregende Aufführung“, erklärt Schuliers im Namen des TJC. 

Hinweis: 

Karten für das Stück kosten an der Abendkasse zehn Euro, ermäßigt fünf Euro.




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