21.09.2017

Wittenberger Sonntag liest die Schwäbische Zeitung

Mehr Akzeptanz für Demenzkranke

Ravensburg (ots) - Natürlich tut es einem in der Seele weh, wenn jemand aus der Familie - der Partner, die Mutter, der Vater - an Demenz erkrankt. Den Angehörigen stellen sich viele Fragen gleichzeitig: Wie schnell wird die Krankheit voranschreiten? Gibt es ein wirksames Medikament? Von wem ist Hilfe zu erwarten? Und wem überhaupt davon erzählen, dass der belesene alte Vater oder die angeblich so rüstige Mutter nicht mehr weiß, mit wem sie im Supermarkt gerade parliert hat. 

Natürlich gilt für Demenzerkrankungen wie für alle anderen Krankheiten, dass sie in erster Linie Privatsache sind. Doch Schweigen, in manchen Familien sogar verschämtes Schweigen, macht die Sache nicht besser. Es erhöht nur den Druck auf die Betroffenen und ihre Angehörigen, sozusagen nicht aufzufliegen im Alltag, vorzugeben, es sei alles in Ordnung, obwohl es dies schon lange nicht mehr ist. 

Gesellschaftlich führt dies in eine paradoxe Situation. Obwohl immer mehr Menschen an Demenz erkranken, finden sie in der Öffentlichkeit kaum statt, und diejenigen, die nicht gerade direkt betroffen sind, haben wenig Ahnung davon, wie sie mit ihnen umgehen sollten. Ja und Amen sagen, wenn der betagte Senior zum fünften Mal etwas behauptet? Widersprechen, um zu zeigen, dass man ihn weiter ernst nimmt? Und wie reagieren, wenn es richtig peinlich wird? 

Es wäre höchste Zeit, die Debatte über die steigende Zahl von Demenzerkrankungen nicht nur als Problem der Krankenhäuser und Pflegeheime zu führen. Die meisten Patienten werden ohnehin zu Hause betreut. Gerade für sie und ihre Angehörigen wäre es eine große Erleichterung, wenn sich die Gesellschaft auf diese Entwicklung einstellen würde. Dass Menschen unterwegs sind, die vielleicht gerade etwas orientierungslos sind, vielleicht sogar Unterstützung brauchen. Um es an einem banalen Beispiel festzumachen. Ein Toilettenschild in einem Gasthaus, das eindeutig in einer klaren Formensprache als solches zu erkennen ist, wäre schon ein Hilfe. Wenn dann noch jemand den Senior freundlich dorthin geleitet, wäre noch mehr gewonnen.




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