Prayers: Der russische Konzeptkünstler Andrey Kuzin hat für die weiterhin im Alten Gefängnis laufende Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ in eine ehemalige Gefängniszelle Blöcke von Miniaturzellen aus massivem Beton gestellt. In diesen Minizellen sitzen menschliche Figuren, geschaffen aus Brotteig, Salz und Speichel – eine Tradition aus russischen Gefängnissen. Die Gefangenen beten. Der Künstler meint dazu, „die gesamte reale Welt ist ein temporäres Gefängnis unserer Seele.“ Foto: Wolfgang Marchewka

Prayers: Der russische Konzeptkünstler Andrey Kuzin hat für die weiterhin im Alten Gefängnis laufende Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ in eine ehemalige Gefängniszelle Blöcke von Miniaturzellen aus massivem Beton gestellt. In diesen Minizellen sitzen menschliche Figuren, geschaffen aus Brotteig, Salz und Speichel – eine Tradition aus russischen Gefängnissen. Die Gefangenen beten. Der Künstler meint dazu, „die gesamte reale Welt ist ein temporäres Gefängnis unserer Seele.“
Foto: Wolfgang Marchewka

09.09.2017

Die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ wird verlängert

Weltausstellung Reformation: 16 erfolgreiche Wochen

Wittenberg (wg). „Es war ein gelungenes Experiment!“ Das Resümee, das Margot Käßmann nach 16 Wochen Weltausstellung Reformation im Alten Rathaus zog, fiel eindeutig positiv aus. Dies machte die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum und Vorsitzende der Projektleitung der Weltausstellung, an sieben Punkten fest. 

Den Anspruch, das Reformationsjubiläum ökumenisch auszurichten, habe man eingelöst: „Wir haben nicht gegen andere, sondern mit anderen gefeiert“, so Käßmann, „Römische Katholiken, aber auch Reformierte, Orthodoxe, Mennoniten, Baptisten waren aktiv beteiligt.“ Das sei neu und ermutigend für die zukünftigen ökumenischen Gespräche und Beziehungen. 

Man habe zweitens das Reformationsjubiläum weltoffen, international und dialogorientiert gestaltet: „Wir leben unser Christsein nicht länger in nationaler Einengung, sondern in globalem Horizont.“ Drittens seien sehr viele junge Menschen involviert gewesen - Konfirmanden, Pfadfinder, Volunteers und viele junge Mitarbeiter, die die Erfahrungen des Reformationssommers mitnähmen. 

Einen besonderen Bildungsimpuls habe die Summer School gesetzt, gestaltet von Studierenden aus aller Welt. Das habe den reformatorischen Bildungsgedanken auf neue Weise umgesetzt. Dazu zähle auch der 500.schools day, bei dem evangelische Schulen und Hochschulen aus aller Welt ein globales pädagogisches Netzwerk gegründet hätten, dies sei zukunftsweisend. 

„Viertens haben wir intensiv diskutiert, wie wir Kirche und Welt verändern“, erklärte Käßmann. Es sei gelungen, im House of One auf je eigene Weise Gottesdienst zu feiern, bei dem die Angehörigen anderer Religion mit Respekt anwesend sein konnten. „Hier wurde eine Möglichkeit erprobt, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden“, sagte Käßmann, „von diesen Erfahrungen werden wir in Zukunft profitieren.“ Überdies habe fünftens die evangelische Spiritualität ihre Wirkung entfaltet, ob bei den Abendsegen oder im Torraum Spiritualität auf dem Bunkerberg. 

Sechstens habe das Kulturprogramm viele angezogen, die Evangelische Kirche habe damit gezeigt, dass sie Kultur in den öffentlichen Raum bringen und so niederschwellig zur Diskussion anregen könne. Bei aller Kritik an die „Kleinstaaterei des deutschen Protestantismus“ habe sich im Wittenberger Reformationssommer deutlich gezeigt, „dass wir alle an einen Strang ziehen können.“

Dass sich die Lutherstadt äußerlich und innerlich verändert habe, betonte Oberbürgermeister Torsten Zugehör. Zu den äußerlichen Veränderungen habe das Baugeschehen beigetragen, zu den innerlichen vor allem die Weltausstellung und nicht zuletzt die vielen jungen Menschen, „die ein großartiges und buntes Leben in unsere Stadt gebracht haben.“ 

Jeder Tag der Weltausstellung sei ein Geschenk für die Stadt gewesen, auch wenn sich dieses Format, das es so noch nie gab, anfangs schwer getan habe: „Wir sind dem Verein Reformationsjubiläum 2017 sehr dankbar, dass wir als Stadt in dem Prozess des Lernens, Beobachtens und Nachjustierens immer eng einbezogen waren“, so der OB. Er hoffe, dass der Geist des Jahres 2017 für die Zukunft bewahrt werden könne, Wittenberg habe gezeigt, dass eine kleine Stadt gute Gastgeberin für Menschen aus aller Welt sein könne. 

„Nach 16 Wochen Weltausstellung Reformation können wir sagen, dass das gelungen ist, was wir mit Leitungskreis und Projektleitung geplant hatten“, betonte r.2017-Geschäftsführer Ulrich Schneider, der auch Zahlen lieferte: „In der Summe waren es nach unseren täglichen Schätzungen in der Stadt, in den Torräumen, auf dem Marktplatz und am Hauptbahnhof insgesamt 506.000 Menschen. Damit haben wir das hochgesteckte Ziel einer halben Million Besucher in Wittenberg erreicht.“ Für die Weltausstellung inklusive Bibelturm und Konzerten auf der Schlosswiese wurden 294.000 Eintritte gezählt und heute wurde die 300.000ste Besucherin im Asisi-Panorama begrüßt. 

Bei einem solch einmaligen und einzigartigen Projekt wie die Weltausstellung sei nicht alles vorhersehbar, deshalb habe man gemeinsam mit den Ausstellen nachjustiert, unter anderem wöchentliche Ausstellertreffen eingeführt, Promotion-Aktionen in Wittenberg und Umgebung gestartet und zusätzliche Anzeigen geschaltet. Am Ende ergab eine Befragung der Aussteller ein positives Bild: 85 Prozent haben die Weltausstellung mit gut oder sehr gut bewertet. Gelobt wurde die Vielfältigkeit mit dem großen Spannungsbogen von der Hochkultur bei „Luther und die Avantgarde“ bis hin zu einfachen Infoständen und kleinen Cafés. Auch die Qualität und Informationskraft der Ausstellung wurde angesprochen und die vielen guten und intensiven Begegnungen mit Besuchern, Wittenbergern und Ausstellern. 

Was bleibt? 

Von Anfang an stand fest, dass der Bunkerberg mit seinen spiegelnden Stelen bleiben wird, ebenso das Asisi-Panorama für mindestens fünf Jahre. Es bleiben zudem die Tore des Stationenwegs auf der Europa-Allee vom Bahnhof in die Stadt. Ob das Flüchtlingsboot am Schwanenteich, das „House of One“ und einige der Wunschwolken im Luthergarten bleiben werden, sei noch offen, so Schneider. Fortgeführt werden auf jeden Fall die Konfi-Camps. „Und vielleicht gibt es ja künftig jedes Jahr einen kleinen Reformationssommer in Wittenberg mit Ausstellungen, Diskussionen und Konzerten auf der Schlosswiese“, meinte Schneider. 

Ausstellung verlängert! 

31.000 Besucher haben die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ besichtigt, „mit diesem großartigen Echo haben wir nicht gerechnet“, sagte André Schmitz, Mitglied des Kulturberatungskreises für die Weltausstellung Reformation, und er hatte eine gute Nachricht: Die Ausstellung schließt nicht am 17. September, sondern wird bis zum 1. November verlängert.




Video

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter

mehr Videos

Videos Kultur

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg
Ensemble Weltkritik im Clack Theater Wittenberg: Höhenflüge in Bodennähe
Lothar Bölck: Dummerland im Clack Theater Wittenberg
LadyLike im Clack Theater Wittenberg

Videos Politik

Sepp Müller Jamaika und Luther
Der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU), Video 3
Sepp Müller Sondierung
Sepp Müller (CDU) Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 70 Wittenberg/Dessau

Videos Agentur

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: