Drei Jahre Waldkindergarten wurden mit einem bunten Indianerfest gefeiert. Foto: Wolfgang Gorsboth

Drei Jahre Waldkindergarten wurden mit einem bunten Indianerfest gefeiert. Foto: Wolfgang Gorsboth

26.08.2017

Drei Jahre Waldkindergarten am neuen Standort gefeiert

Die Natur als Spielplatz

Wittenberg (wg). Das Wetter tat das Seine zur guten Stimmung, als der Waldkindergarten mit einem kunterbunten Indianerfest gleich zwei Ereignisse feierte – das dreijährige Bestehen und den Umzug vom NABU-Zentrum im Stadtwald in die Straße Am Stadtwald 12a. Stolz präsentierten die Kinder ihre geschnitzten Bögen und Pfeile, am Lagerfeuer wurde Stockbrot gebacken. 

„Wir hatten im NABU-Zentrum nur eine befristete Ausnahmegenehmigung, weil dieser laut Baurecht im sogenannten Außenbereich liegt“, berichtet Tina Kraatz, Initiatorin des Projekts. Man habe deshalb nach waldnahen, aber im Innenbereich liegenden Alternativen gesucht und mit Hilfe der Stadt auch gefunden: „Seit Juli 2016 war klar, dass wir das Grundstück von der Stadt pachten können“, so Kratz.

Ein Bauantrag wurde gestellt, einige Bäume mussten gefällt und das verwilderte Grundstück in Schuss gebracht werden. Aus den gefällten Bäumen wurden Bretter für die Hochbeete geschaffen, in denen die Kinder Kräuter und Gemüse hochziehen sowie rustikale Sitzgelegenheiten. Für die Container, in denen sich die Sanitäranlagen befinden und in denen die Kinder bei sehr schlechtem Wetter Schutz finden, mussten Fundamente geschaffen werden, und das alles auch mit tatkräftiger Unterstützung durch die Eltern. 

„Wir haben am 14. August vom kreislichen Jugendamt eine unbefristete Betriebserlaubnis bekommen und die Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr verlängert“, erklärt Kraatz. „Wir können mithin nach drei Jahren am neuen Standort ohne Zukunftsängste neu durchstarten.“ Drei Kinder, die von Anfang an dabei waren, wurden mit Beginn des neuen Schuljahres in die Grundschule verabschiedet. 

Aktuell befinden sich im Waldkindergarten in Trägerschaft der Sternenstaub gUG neun Kinder, Plätze gibt es in der öffentlichen Einrichtung für maximal 15 Kinder im Alter ab drei Jahren. Ihnen zur Verfügung stehen zwei Erzieher und eine Aushilfserzieherin, mit der Verlängerung der Öffnungszeiten auf acht Stunden wird eine weitere Erzieherin eingestellt - ein in Stadt und Kreis wohl einmaliger Personalschlüssel. Die Elternbeiträge sind die gleichen wie in anderen Regeleinrichtungen. 

„Wir verstehen uns als Alternative, keinesfalls als Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen“, betont Kraatz. Grundstrukturen wie Tagesablauf, Spiele und vor allem die Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages entsprechen denen der Regelkindergärten. Und dennoch stellt der Waldkindergarten eine Bereicherung der Kindergartenlandschaft dar: „Die Kinder erleben die Natur, können Bäume und Tierarten bestimmen und glauben ganz bestimmt nicht, dass Kühe lila sind“, sagen Anja Janocha und Stefan Jäger, deren Sohn Vincent seit drei Jahren die Einrichtung besucht. 

Die Kinder gewinnen nicht nur eine positive Einstellung zur Natur, indem unmittelbare Bezüge hergestellt werden, sie bewegen sich den ganzen Tag an der frischen Luft und sind infolge der Abhärtung deutlich weniger krank als andere gleichaltrige Kinder. Das Programm orientiert sich am Jahreskreislauf, es wird gepflanzt, geschnitzt, gefilzt, getöpfert, genäht, gesammelt und geklettert, feste Bestandteile sind Kräuterwanderungen, Pilzsuche, Schatzsuche und Kletterparcours. Jeden Donnerstag gibt es Vorschule und auch Ausflüge ins Theater, Freibad oder zur Feuerwehr fehlen nicht. 

„Hier läuft alles viel entspannter ab, die Großen helfen den Kleinen und entwickeln so soziale Kompetenzen“, sagen die Eltern und heben hervor, dass aufgrund des größeren Wortschatzes und der deutlich besseren Motorik die Waldkindergartenkinder auch besser auf die Schule vorbereitet sind. Eine Beobachtung, die Yvonne Standke-Schramm nur bestätigen kann, „außerdem haben wir hier eine sehr familiäre Atmosphäre, die Eltern bringen sich ein und auch das Miteinander aller Beteiligten ist vorbildlich.“

Im Wald lernen die Kinder, sich ohne vorgefertigtes Spielzeug miteinander zu beschäftigen, denn weniger ist oft mehr. Normalerweise ist der Geräuschpegel in einer Kindergruppe hoch, anders im Wald, wo die Kinder ungestört toben können und dennoch nicht laut sind, denn die Ruhe des Waldes geht auf alle über. „Durch das Entdecken und Erleben der Natur entstehen Fragen, die konkret beantwortet werden können, wobei sich das Lernen weniger auf kognitiver Ebene vollzieht als vielmehr durch Erfahrung“, sagt Kratz. 

Ein behutsamer Umgang mit Tieren und Pflanzen ist im Waldkindergarten selbstverständlich. Es gibt wenige Regeln und Grenzen, diese sind aber klar und nachvollziehbar, Eigenverantwortung und Verantwortungsbewusstsein werden spielerisch erlernt. Durch die Orientierung an den Jahreskreislauf entwickeln die Kinder Sinn für Rhythmus und bekommen ein Gespür für Abläufe in der Natur, vor allem aber können Kinder ihren ausgeprägten Bewegungsdrang ungestört stillen. 

„Perspektivisch wollen wir auch eine Waldkrippe und einen Waldhort aufbauen“, berichtet Kraatz. Mit der Friedrichstadtschule unterhält die Einrichtung eine Kooperation, ab dem 1. September schnuppern Jugendliche der siebten Klassen in den Beruf des Erziehers hinein.

Hinweis: 

 Am 24. September wird im Waldkindergarten in der Zeit von 9 bis 12 Uhr die erste Baby- und Kinderkleiderbörse durchgeführt, inklusive Schnuppertag und Angeboten für Kinder wie Kletterparcours – eine gute Gelegenheit, den Waldkindergarten kennenzulernen. Wer an diesem Tag Sachen verkaufen will, wird gebeten, sich am 10. September von 10 bis 11 Uhr unter Tel.: 0157/77 922 723 anzumelden.




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