Amtsarzt Dr. Michael Hable, Leiter des Fachdienstes Gesundheit bei der Kreisverwaltung Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

Amtsarzt Dr. Michael Hable, Leiter des Fachdienstes Gesundheit bei der Kreisverwaltung Wittenberg. Foto: Wolfgang Gorsboth

14.08.2017

Soziale Herkunft hat großen Einfluss auf die Kindergesundheit

Alarmierende Zahlen bei der Schuleingangsuntersuchung

Wittenberg (wg). „Jedes Jahr untersuchen wir die Gesundheit der Einschüler“, erklärt Dr. Michael Hable, Amtsarzt und Fachdienstleiter Gesundheit, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. „Die von uns erhobenen Daten zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen dem sozialen Status der Eltern und der körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes.“ 

Dabei zeigen sich im Kreisgebiet erhebliche Unterschiede: Mit 5,1 Prozent ist der Anteil sozial schwacher Familien/Elternteile in der Stadt Zahna-Elster eher gering, besonders hoch ist er in der Kernstadt Wittenberg mit 23 Prozent, in Jessen liegt er bei 17,9 Prozent, in Annaburg bei 16,8 Prozent und in Gräfenhainichen bei 14,8 Prozent. Kinder aus sozial schwachen Familien sind deutlich häufiger nicht altersgerecht entwickelt. 

Zur Früherkennung von Krankheiten hat der Gesetzgeber kostenlose Vorsorgeuntersuchungen für Kinder eingeführt, die so genannten U 8-Untersuchungen. Auch hier zeigten die Erhebungen bei den ABC-Schützen, dass in Familien mit niedrigem Sozialstatus diese Untersuchungen deutlich weniger in Anspruch genommen werden. Erschwerend, so Hable, komme hinzu, dass es nur in Wittenberg und Gräfenhainichen Kinderärzte gebe. 

Von der Einschulungsuntersuchung bis zur Einschulung bleibt nur wenig Zeit, um bei Entwicklungsstörungen gegenzusteuern. „Deshalb wollen wir in Kooperation mit dem Jugendamt und auf Basis des Kinderförderungsgesetzes künftig alle Kita-Kinder im Alter von drei Jahren untersuchen, um frühzeitig Förderbedarfe zu ermitteln“, erläutert Hable. Dafür bekam der Fachdienst Gesundheit eine weitere Kinderarztstelle bewilligt. Das Projekt wird sich vor allem auf Brennpunkte mit vielen auffälligen Kindern konzentrieren. Die Untersuchung der Zahngesundheit wird von Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes im Zeitraum vom 1. bis zum 6. Lebensjahr abgesichert. Zum 1. Juni konnte eine zahnmedizinische Fachangestellte zusätzlich eingestellt werden, die in der Zahnprophylaxe im Vorschulalter tätig ist. 

„Wir sehen jedes Kind im Landkreis im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen, deshalb wollen wir künftig stärker mit dem Jugend- und dem Schulamt zusammenarbeiten“, betont Hable. Aber auch die fachdienstübergreifende Kooperation soll ausgebaut werden, angefangen bei der Schwangerschaft bis hin zum Schulalter, um die Prävention zu verbessern.

„Wir wollen in Kooperation mit den Entbindungskliniken ein Screening aller Schwangeren durchführen, um jene Frauen zu ermitteln, bei denen ein großer Hilfebedarf anzunehmen ist“, sagt der Amtsarzt. Zum 1. September nimmt eine neue Koordinatorin für Frühe Hilfen ihre Arbeit auf, ein niederschwelliges Angebot für werdende Eltern und Eltern mit Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren. 

Gesundheit der Einschüler 

24 Prozent aller zur Einschulung untersuchten Kinder haben Sprachstörungen, 18,4 Prozent einen Entwicklungsrückstand in der Feinmotorik, 9,7 Prozent einen geistigen Entwicklungsrückstand, 17,8 Prozent Dysgrammatismus, 14,5 Prozent Verhaltensauffälligkeiten und 11,5 Prozent Adipositas/Übergewicht. Spitzenreiter bei Verhaltensauffälligkeiten sind die Kernstadt Wittenberg mit 17,7 Prozent, Jessen mit 18,4 Prozent und Annaburg mit 15 Prozent, in Zahna-Elster sind es zum Vergleich 7,4 Prozent.

In 9,5 Prozent der Fälle besteht ein sonderpädagogischer Förderbedarf, in 9,8 Prozent wurde eine ambulante Frühförderung empfohlen und in 3,4 Prozent eine integrative Frühförderung. 4,3 Prozent der Kinder wurden zurückgestellt. Auch bei den Förderbedarfen ergibt sich eine Korrelation zum Sozialstatus: Nur 1,9 Prozent der Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus haben einen hohen Förderbedarf, in Familien mit niedrigem Sozialstatus sind es 18,2 Prozent sowie zusätzlich 11,6 Prozent mit einem sehr hohen Förderbedarf. Während 9,4 Prozent der Kinder in Familien mit hohem Sozialstatus Störungen der Feinmotorik aufweisen, sind es 32,8 Prozent in Familien mit niedrigem Sozialstatus.

Die dritte Säule 

Neben der ambulanten und stationären Versorgung wird der Öffentliche Gesundheitsdienst als dritte Säule im Gesundheitssystem definiert, sein Aufgabenspektrum ist weit umfangreicher als es der Öffentlichkeit oft bewusst ist. „Wir sind vor allem sozialkompensatorisch tätigt“, berichtet Hable.

Im Fokus steht dabei der aufsuchende Gesundheitsservice (Impfungen, Schuleingangsuntersuchungen), um alle Zielgruppen, insbesondere auch soziale Randgruppen zu erreichen. Einen besonderen Stellenwert haben dabei Gesundheitsschutz, Prävention, Gesundheitsförderung und –beratung, Sozialpsychiatrie sowie die Betreuung von chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen.




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