Die Wiese neben Weichers Mühle steht voller Holzskulpturen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Die Wiese neben Weichers Mühle steht voller Holzskulpturen. Foto: Wolfgang Gorsboth

26.07.2017

Kunst mit Kettensägen: Wolfgang Köppe hatte die Idee

XVIII. Internationaler Holzskulpturen-Wettbewerb in Tornau

Tornau (wg). Kettensägen kennen die meisten Menschen nur als lautes Werkzeug aus der Forstwirtschaft, dass man damit auch Kunst machen kann, beweist man in Tornau zum 18. Mal am letzten Juliwochenende. Denn dann treffen sich 30 Künstler aus ganz Deutschland sowie aus Polen, der Schweiz, Litauen, Dänemark und Österreich zum Wettbewerb „Kunst mit Kettensägen“ mitten im Naturpark Dübener Heide. 

Initiator des Wettbewerbs ist Wolfgang Köppe, der 91 Jahre alte Künstler beschritt kurz nach der Wende neue Wege, lud Studenten aus England in das 600-Seelen-Dorf zu Kunstlehrgängen ein. Dabei wurde auch viel mit Holz gearbeitet, zunächst aber nur mit traditionellen Werkzeugen wie Beitel und Schnitzmesser. Dann kam die Idee, es einmal mit Kettensägen zu probieren.

„Alle neuen Ideen müssen erst einmal reifen, vor allem in den Köpfen der jungen Künstler“, sagt Köppe. Dass aus einer Ulme von englischen Studenten mit der Kettensäge gestaltete Einhorn markiert für Köppe den „geistigen Anfang“ des Holzskulpturen-Wettbewerbs. Weitere Skulpturen entstanden und fanden ihren Platz auf der großen Wiese am Wanderweg, Einheimische und Besucher waren begeistert und im Sommer 2000 fand der erste Holzskulpturen-Wettbewerb mit Kettensägen an Weichers Mühle im Hammerbachtal statt. 

Obwohl es diese Mühle so gar nicht mehr gibt, ist sie zum Symbol für den Wettbewerb und für den Künstler Köppe geworden: „Das zeugt von Tradition.“ Tradition im Sinne des Bewahrens prägt auch die Philosophie des Wettbewerbs, insbesondere den Umgang mit Baumstämmen, totem Holz, das durch die Kunst zu neuem Leben erwacht. Dies untersetzt Köppe durch einen neuen Lebensspruch, der das wechselseitige Verhältnis von Baum und Mensch reflektiert, heuer: „Bäume bauen Brücken zwischen Menschen.“ Für Köppe ist die Liebe zum Baum als Symbol allen Wachstums und zum Holz Grundlage des Wettbewerbs.

Entsprechend intensiv ist des Künstlers Beziehung zur waldreichen Dübener Heide, und zu den Menschen, die hier leben. „Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden“ hat der Dichter Erich Kästner einmal gesagt. Auch Köppe betrachtet Bäume als mitteilsames Gegenüber, als Bildhauer entlockt er dem toten Baum neues Leben. 

Kunst mit Kettensägen ist kein Event mit Kurzzeitwirkung, vielmehr entsteht Bleibendes. 

Das Programm 

Der von Wolfgang Köppe, dem Heiddorf Tornau und dem Verein Dübener Heide e.V. organisierte 18. Internationale Holzskulpturen-Wettbewerb beginnt am 29. Juli um 10 Uhr. Dann öffnen auch der Heidemarkt mit regionalen Spezialitäten des Netzwerkes „Bestes aus der Dübener Heide“ und der wohl größte Sommer-Biergarten der Region ihre Pforten. 

Für Unterhaltung sorgen am Samstag die Tanzgruppe „Sonejka“ aus Weißrussland (11 Uhr), das Schlager-Duo „Steffi & Co“ (14 Uhr) sowie die „Spätsünder“ (18 Uhr). Ab 22 Uhr wird im beschaulichen Hammerbachtal ein Höhenfeuerwerk abgebrannt. 

Das Programm am Sonntag beginnt um 9 Uhr mit einem Freiluft-Gottesdienst, zwischen 11 und 13 Uhr spielt die Blaskapelle „Frischluftprojekt“ auf. Natalie Lament präsentiert ab 14 Uhr Schlagerhits. Zu Ende geht der Wettbewerb ab 16 Uhr mit der Siegerehrung für die Künstler, vergeben werden drei Auszeichnungen – der Köppe-Preis, der Zuschauer-Preis und der Jury-Preis. 

Ob in diesem Jahr ein neues Köhlerliesel gekürt wird oder Norma Austinat, die mit ihrem Ehemann Jörn die Köhlerei am Eisenhammer betreibt, weiter im Amt bleibt, wollten die Organisatoren nicht verraten.

Hinweis: 

Die Zwei-Tageskarte kosten für Erwachsene fünf Euro, drei Euro für Kinder, die Tageskarte vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder. 

Zur Person 

Wolfgang Köppe, der 1926 in Bad Schmiedeberg geboren wurde, gehört zu jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg bis zur Neige auskosten musste. Als 19-Jähriger geriet er in englische Kriegsgefangenschaft und konnte an der Kunstakademie in Carlisle in Cumberland studieren, dort hatte er 1946 auch seine erste Ausstellung. Zurück in Deutschland studierte er unter anderem bei Professor Tübke und Professor Lichtenfeld (Burg Giebichenstein). 

In seinem ebenso vielseitigen wie unermüdlichen Schaffensdrang sind mehrere Tausend Kunstwerke entstanden. Sein künstlerisches Lebenswerk wurde 2005 mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.




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