Kaffeezeremonie hinter dem Alten Rathaus mit der in Wittenberg lebenden eritreischen Community sowie der Initiatorin des „Glaspalast“-Projekts Michaela Rotsch (4.v.r.) und Marina Klimchuk (4.v.l.), die den im Hintergrund zu sehenden „Tel Aviv-Glaspalast“ gestaltet hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

Kaffeezeremonie hinter dem Alten Rathaus mit der in Wittenberg lebenden eritreischen Community sowie der Initiatorin des „Glaspalast“-Projekts Michaela Rotsch (4.v.r.) und Marina Klimchuk (4.v.l.), die den im Hintergrund zu sehenden „Tel Aviv-Glaspalast“ gestaltet hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

22.07.2017

Ausfahrt der mobilen Rauminstallation „Glaspaläste“

Eritreische Kaffeezeremonie in der Wittenberger Altstadt

Wittenberg (wg). „Glaspaläste“ nennt sich ein österreichisches Projekt im Torraum 5, eine spannende künstlerisch-soziologische Auseinandersetzung zum Leitthema „Globalisierung/Eine Welt“. Zwischen dem Neuen Rathaus und der Exerzierhalle findet der Besucher 12 mobile, gläserne Kuben, deren Inhalte sich als kritisches Programm zum herkömmlichen 2017-Jubiläumsbetrieb verstehen.

Gastwissenschaftler und Gastwissenschaftlerinnen sowie GastkünstlerGastkünstlerinnen aus sechs Nationen gestalten diese „Glaspaläste“ im Dialog mit Bürgern der Stadt und Besuchern der Weltausstellung Reformation. Da diese Kuben mobil sind, verlasen sie immer wieder ihren Hauptstandort im Torraum der Weltausstellung, so am Samstagnachmittag der „Tel-Aviv-Glaspalast“ der in Israel lebenden Soziologin Marina Klimchuk, der zwischen dem Alten Rathaus und dem Arsenal für kurze Zeit sein neues Domizil fand.

Begleitet wurde die Aktion von einer Kaffeezeremonie, gestaltet von aus Eritrea geflüchteten Frauen, die in der Lutherstadt wohnen. Derzeit befinden sich circa 25 Eritreer in Wittenberg, die meisten wohnen im Neubauquartier. Im weltweiten Vergleich liegt das Land, das oft auch als „afrikanisches Nordkorea“ bezeichnet wird, nach Syrien, Irak und Afghanistan auf Platz vier der Herkunftsländer von Geflüchteten. 

Die Kaffeezeremonie ist in Eritrea ein zentraler Bestandteil des sozialen Lebens und darf nur von Frauen durchgeführt werden. Zunächst wird ein Holzkohlefeuer entzündet, die grünen Kaffeebohnen geröstet und anschließend zerstampft. Der gemahlene Kaffee wird dann in einen Topf mit Wasser gegeben, über dem Feuer erhitzt, dabei mehrmals aufgekocht und in kleinen Tassen mit viel Zucker getrunken. Für diese Zeremonie braucht man Zeit, Zeit zum Verweilen und für soziale Kontakte. 

Für ihre „Glaspalast“-Installation hat Klimchuk die Grenzen zwischen afrikanischen Flüchtlingen und der alteingesessenen jüdischen Bevölkerung in Neve Shanaan untersucht, einem multiethnischem, verarmten und marginalisierten Viertel im sonst so wohlhabenden und modernen Tel Aviv, gewissermaßen der Hinterhof der Globalisierung.

„In der israelischen Gesellschaft werden Lebenswelten von Eritreern und anderen afrikanischen Flüchtlingen und Arbeitsmigranten oft ausgeblendet“, erklärt Klimchuk. Ziel sei es, mit der „Glaspalast“-Installation Kontakte zwischen Eritreern in Tel Aviv und in Wittenberg herzustellen. Via Internet wurden bereits Texte und Fotos ausgetauscht, Vertrauen geschaffen. 

„Mir geht es mit dieser Kaffeezeremonie in der Wittenberger Altstadt darum, eine transnationale Verbindung zu schaffen“, sagt Klimchuk, „durch diese Zeremonie können sie ihre Kultur auf Augenhöhe kommunizieren.“ 

Das Projekt „Glaspaläste“ wurde gemeinsam von Wiener SoziologiestudentInnen mit der Bildenden Künstlerin Michaela Rotsch und der Soziologin Irmtraud Voglmayr entwickelt. Angelegt zwischen Kunst und Wissenschaft, zieht sich durch die 12 Kuben die zentrale Frage „Warum gibt es Grenzen?“ Seit Beginn der Weltausstellung Reformation am 19. Mai wurden sukzessive die „Glaspaläste“ eröffnet.

„Nach verhaltenem Start hat sich die Besucherresonanz an unserem Standort vor dem Neuen Rathaus sehr gut entwickelt“, betont Michaela Rotsch, „es kommen auch viele Wittenberger und viele kommen mehrmals.“ Pro „Glaspalast“ habe man drei bis vier Ausfahrten unternommen, unter anderem machte der „African Diaspora Palast“, den Nastasha A. Kelly mit Blick auf den ersten schwarzen Philosophen Europas, Anton Wilhelm Amo, gestaltet hat, auf dem Hof der Leucorea. An der Wittenberger Universität hatte Amo 1729 „Über die Rechtsstellung der Mohren in Europa“ promoviert. 

Der letzte „Glaspalast“ wird am 29. Juli um 16 Uhr vor dem Neuen Rathaus eröffnet. Der Systembiologie Manfred Goebel untersucht dabei die Ausbreitung der Reformation unter dem Aspekt der Epidemie.




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