Mit der symbolischen Schlüsselübergabe wurde das Alte Gefängnis endgültig dem Dornröschenschlaf entrissen: OB Torsten Zugehör, Prof. Walter Smerling, Hartwig Bodmann, Dieter Pasierbsky und Sebastian Benthe (v.r.n.l.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe wurde das Alte Gefängnis endgültig dem Dornröschenschlaf entrissen: OB Torsten Zugehör, Prof. Walter Smerling, Hartwig Bodmann, Dieter Pasierbsky und Sebastian Benthe (v.r.n.l.). Foto: Wolfgang Gorsboth

20.07.2017

Etablierte Kunst und „Junge Wilde“, Hof für die Jugend revitalisieren

Die Impulse von 2017 für das Alte Gefängnis nutzen

Wittenberg (wg). Mit „Luther und die Avantgarde“ zog Leben ins alte Gemäuer, das zentral gelegene Alte Gefängnis, Jahrzehnte ein verschlossener und danach ein verlassener Ort, wurde zur Heimstatt von 66 deutschen und internationalen Künstlern. „Wir haben das Alte Gefängnis wachgeküsst und wenn die Ausstellung zum 17. September ihre Pforten schließt, wollen wir nicht, dass das Objekt wieder für Jahrzehnte in den Dornröschenschlaf versinkt“, erklärt Oberbürgermeister Torsten Zugehör im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Deshalb hat die Stadt beim Land einen Antrag zum Erwerb der Immobilie gestellt, nicht zuletzt deshalb, um zu verhindern, dass das Alte Gefängnis in die Hände von Spekulanten fällt. 

Schon einmal hatte das Land das Objekt an einen Immobilienfonds veräußert und schließlich den Vertrag rückabwickeln müssen. 

Für die Ausstellung wurde das Alte Gefängnis an den Verein Reformationsjubiläum 2017 vermietet. Der Bau aus wilhelminischer Zeit wird schon seit 1965 nicht mehr als Knast benutzt, danach war zeitweilig der Katastrophenschutz hier untergebracht und bis Ende der 1990er Jahre befand sich in einigen Räumen das Grundbuchamt. Der bauliche Zustand war, vom normalen Verfall abgesehen, zufriedenstellend, das Dach dicht und im Inneren war es trocken. 

Dennoch musste der Verein r.2017 einiges investieren, um das Objekt für die Ausstellung zu ertüchtigen (Licht, Elektrik) und es in einen betriebssicheren Zustand (Brandschutz) zu versetzen, circa 350.000 Euro hat der Verein investiert. 

„Wir wollen zum einen den Hof wiederbeleben, zum Beispiel mit Gastronomie für junge Leute, inklusive kleiner Konzerte an den Wochenenden oder Hochzeitsfeiern“, sagt Zugehör. Zum anderen haben bereits einige Künstler angekündigt, ihre Werke der Stadt als Geschenk oder Leihgabe zu überlassen, zumal etliche Arbeiten in den Zellen entstanden sind und nur in diesem Kontext Sinn machen. 

„Diese Chance sollten wir nutzen, um aus dem Alten Gefängnis dauerhaft einen Ort für junge Kunst zu machen“, erläutert Zugehör. Die Mischung von etablierten Künstlern sowie „jungen Wilden“ und nicht-etablierter Kunst in einem Haus sei überaus reizvoll, Ausstellungen könnten in einem Zyklus von zwei Jahren durchgeführt werden. Die Stadt sei hierzu im Gespräch mit Prof. Walter Smerling, Sprecher des Kuratoriums der Schau „Luther und die Avantgarde“ sowie André Schmitz, dem ehemaligen Kulturstaatssekretär von Berlin und Sprecher des Beratungskreises Kultur zum Reformationsjubiläum in Wittenberg 2017. 

„Für die Nachnutzung des Alten Gefängnisses brauchen wir keine aufgewärmten Vorschläge von außen, wie die Umnutzung als Hotel, sondern eigene Ideen“, betont der OB, „jeder Wittenberger kann sich mit seinen Vorstellungen an die Stadtverwaltung wenden.“ Alle künftigen Pläne zum Alten Gefängnis müssten auch mit Blick auf die Folgekosten finanzierbar sein und letztlich entscheide der Stadtrat, der in Kürze über den aktuellen Stand informiert werde: „Wir dürfen den Zug nicht verpassen und müssen die mit 2017 ausgelösten Impulse aufgreifen.“

Derzeit führt die Stadt auch Gespräche mit den beiden r.2017-Geschäftsführern Hartwig Bodmann und Ulrich Schneider über die Nachnutzung einzelner Bestandteile der sieben Torräume. Die schlechte Nachricht: Der Bibelturm wird pünktlich mit Ende der Weltausstellung Reformation am 10. September abgebaut. Der Turm verursacht Kosten von 12.000 Euro pro Woche, unter anderem für Aufsicht, Bewachung sowie ständige Anwesenheit von Fachleuten, die im Falle eines starken Sturms entscheiden müssen, ob die Planen geschlitzt werden oder nicht.

Da der r.2017 e.V. nicht das Risiko eingehen möchte, den Turm den kommenden Herbststürmen auszusetzen, kommt auch eine Verlängerung bis zum 31. Oktober nicht in Frage, zudem verfügt der Turm nur über eine befristete Baugenehmigung. 

Ebenfalls abgebaut wird das Klettergerüst des Young-Reformation-Point (Kletterkirche) im Torraum Jugend der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V., für das Bauwerk liegen vertraglich gebundene Anfragen anderer Kirchgemeinden vor. Die Stadt will gleichwohl den Amselgrund stärker als bislang für die Jugend in den Blick nehmen. „Wir müssen bei jedem Torraum darauf achten, wie die vertraglichen Bedingungen sind“, berichtet Zugehör. 

Bleiben oder verlängert werden können das Labyrinth der Baumstämme im Torraum der Jugend, der Sakralraum in Torraum „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ am Schwanenteich sowie die Tore auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Innenstadt, die diese neue Allee aufwerten würden. 

„Wir wollen die Sommerpause zur Klärung der Details nutzen und dann den Stadtrat informieren“, so Zugehör. Zufrieden ist der OB, dass die Weltausstellung Reformation nach der anfänglich verhaltenen Resonanz deutlich an Fahrt aufgenommen hat und: „Viele Wittenberger haben die Schlosswiese für sich neu oder wieder entdeckt und gehen spontan zu den Sonntagskonzerten“, hat der OB mit Interesse registriert, „wir sollten auch künftig in den Sommermonaten ein solches Format anbieten.“




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