OB Torsten Zugehör, im Hintergrund das Riesenrad. Bürokraten nehmen an der geplanten Eheschließung zwischen Himmel und Erde Anstoß. Foto: Wolfgang Gorsboth

OB Torsten Zugehör, im Hintergrund das Riesenrad. Bürokraten nehmen an der geplanten Eheschließung zwischen Himmel und Erde Anstoß. Foto: Wolfgang Gorsboth

13.07.2017

Stadtverwaltung Wittenberg wehrt sich gerichtlich und übt harsche Kritik

Landkreis untersagt Eheschließung in der Gondel des Riesenrades

Wittenberg (wg). Am Freitag um 17 Uhr wollen eine Pfarrerin und ein Pfarrer in Wittenberg heiraten, dafür haben sie sich als besonderen Ort das Riesenrad ausgesucht, die entsprechende Gondel wurde bereits von der Stadt für diese Zeremonie gewidmet, Oberbürgermeister Torsten Zugehör will als Standesbeamter die Eheschließung vollziehen. Soweit der Plan. 

Doch gestern erreichte den OB eine Weisung des Landratsamtes, dass die Trauung in der Gondel zu unterlassen habe, dies sei für eine Eheschließung kein würdiger Ort und widerspreche damit dem Personenstandsgesetz. Tätig geworden ist der Landkreis im Auftrag des Landesverwaltungsamtes, dass offenbar im voreilenden Gehorsam von einem Mitarbeiter des Kreises vorab informiert worden war.

„Im Landesverwaltungsamt wurde ohne Vor-Ort-Kenntnisse entschieden“, kritisiert der OB. „Dieses Riesenrad steht nicht etwa auf einer Kirmes, sondern im Torraum 6, welcher dem Thema Ökumene und Religion gewidmet ist.“ Und das Riesenrad der Firma Sperlich zwischen Leucorea und ehemaliger Musikschule dient auch nicht - nur - dem Vergnügen, es ist ein Ort der Seelsorge. 

Die beiden Theologen, die in der Gondel heiraten wollen, arbeiten während der Weltausstellung Reformation ehrenamtlich als Seelsorger und der männliche Part, Torsten Heinrich, ist in der evangelischen Kirche für die Schausteller zuständig. 

„Die Gondel eines Riesenrades ist ein wunderbarer Ort für eine Trauung, die es in dieser Form schön häufiger in Deutschland gegeben hat“, sagt Zugehör, „der Trend entwickelt sich ohnehin in Richtung außergewöhnlicher Locations.“ 

Die Stadt geht gegen die Weisung des Landrates in Widerspruch ein entsprechender Antrag beim Verwaltungsgericht in Halle wurde heute Vormittag eingereicht. Bei der Stadt ist man der Auffassung, dass der Kreis mit seiner Weisung mit Blick auf das Kommunalverfassungsgesetz über seine Befugnisse hinausgeht und die Begründung überdies sachlich falsch ist. 

„Ich könnte es mir einfach machen, die Trauung durchführen und beim nachfolgenden Disziplinarverfahren feierlich versichern, dergleichen beim nächsten Reformationsjubiläum in 500 Jahren zu unterlassen“, berichtet der OB, „doch wir wollen uns als Stadt nicht außerhalb des Rechts stellen und warten deshalb die gerichtliche Klärung ab, die uns voraussichtlich im Laufe des morgigen Tages erreichen wird.“ 

Sollte das Verwaltungsgericht in Halle die Auffassung des Landesverwaltungsamtes und der Kreisverwaltung teilen, wird die Trauung keineswegs ins buchstäbliche Wasser fallen: „Wir haben uns bereits Alternativen überlegt“, versichert der OB.




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