Bild: Die von der Künstlerin Ulrike Kirchner angefertigten Platten an der Westfassade des Parkhauses werden voraussichtlich zehn Jahre an ihrem Platz verbleiben. Foto: Wolfgang Gorsboth

Bild: Die von der Künstlerin Ulrike Kirchner angefertigten Platten an der Westfassade des Parkhauses werden voraussichtlich zehn Jahre an ihrem Platz verbleiben. Foto: Wolfgang Gorsboth

03.07.2017

„Auge in Auge“ im Zeichen von Toleranz und Akzeptanz

Kunst von Ulrike Kirchner am Parkhaus des Arsenal

Wittenberg (wg). Zeitgenössische Kunst will den Betrachter nicht einfach in Ruhe lassen, sondern anregen, das ist auch das Ziel der Doppelausstellung am und im Parkhaus des Einkaufszentrums: „Auge in Auge“ – mit dem schönen Untertitel „Konterfeis kontra Fights“ – von Ulrike Kirchner zeigt 13 große Motivtafeln und sechs Aluminiumplatten. Die Rückseiten der Platten haben 30 Schüler der Klassen 10 bis 12 des Luther-Melanchthon-Gymnasiums unter Anleitung der Künstlerin und mit Unterstützung des seit 2015 in Wittenberg lebenden syrischen Bildhauers Ibrahim Ghazal zum Thema „Auge in Auge mit Wittenberg“ bemalt. 

„’Auge in Auge’ schließt an mein Projekt ‚Cranach-Fragmentarium’ von 2015 an, der verbindende rote Faden sind die Porträts“, erklärt Kirchner. Wurde vor zwei Jahren der Konsumtempel an der Fassade der Bürgermeisterstraße aufgewertet, so nun die Westfassade des auf den Betrachter stets unfertig wirkenden Parkhauses, womit gleichzeitig der Hof des Stadthauses eine Gestaltung erfährt, denn von dort sind die Kunstwerke besonders gut sichtbar. 

 Mit der Straßengalerie, der Kunst im öffentlichen Raum, möchte Kirchner möglichst viele Menschen erreichen, auch solche, die den offiziellen Kunstbetrieb eher meiden. Für ihr Projekt hat Kirchner die Weltreligionen symbolisch als Köpfe dargestellt, um „ein Zeichen für Toleranz, Akzeptanz und Differenziertheit der Auseinandersetzung und für ein Aufeinanderzugehen zu setzen.“ Dies solle „Auge in Auge“ und nicht „Auge um Auge“ geschehen und gleichzeitig aufzeigen, dass die Weltreligionen Reformbedarf haben. Die Köpfe wirken wie in Stein gehauen, teils angeschlagen und brüchig, zudem sind ihnen die für die jeweilige Religion typischen Symbole anhand von Ornamentik, Schriftkunst und Bildzitaten zugeordnet.

Ihnen gegenüber stehen die en face abgebildeten Porträts anonymer Zeitgenossen, geprägt von emotionalen Ausdrücken wie Lachen, Wut, Gleichgültigkeit oder Angst: „Emotionen, die entstehen können, wenn Gewohntes umgestürzt wird“, so Kirchner. Auf jeden Fall seien die Individuen gezwungen, sich zu den Religionen zu verhalten – durch Annahme, Ablehnung, Auslegung, Veränderung oder Verinnerlichung.

Dass die Gitter der Parkhausfassade die Wirkung der Bilder surreal beeinflussen, findet die Künstlerin ebenso spannend wie die Tatsache, dass die Rankenpflanzen je nach Vegetationsperiode die Bilder teilweise verdecken oder wieder frei geben – eine Anspielung auf das Werden und Vergehen des Lebens und die ständige Veränderung. 

Das Schülerprojekt 

Die Rückseiten der 19 Platten haben Schüler unter dem Thema „Auge in Auge mit Wittenberg“ bemalt, bereits nach den Herbstferien 2016 wurde mit dem Projekt begonnen, das durchaus verwandte Bezüge zu dem Projekt „95 Thesen – 95 Türen“ vom vergangenen Jahr aufweist. Nur ging es diesmal nicht um Assoziationen zu den Thesen Luthers, sondern um besondere Wahrzeichen oder unverkennbare Zitate der Lutherstadt, wobei sich die Schüler selbst in Szene gesetzt haben – mit Handstand auf dem Marktplatz und den Luftballons vom Reformationstag 2016, als Tänzerin vor einem Räderwerk oder als malende junge Frau mit Palette, im Hintergrund Adam und Eva von Cranach. 

Andere Schüler haben sich mit Scherenschnitt-Leporellos mit der Stadtsilhouette dargestellt, eine Schülerin zeigt sich mit dem Klecks, den der berühmte Tintenfasswurf des Reformators hinterlassen hat, ein Schüler malte sich beim Selfie auf dem Markt und eine Schülerin hat das neue Luther-Logo auf ihrem Arm verewigt. Alle Arbeiten stecken voller Energie und zeugen sowohl von der Identifikation mit der Stadt, als auch der Auseinandersetzung mit dem, was 2017 in Wittenberg passiert. 

Ihre Porträts haben die Schüler umgesetzt, indem sie zunächst ein Foto von sich anfertigten und dieses auf eine weiß grundierte Platte projizierten, so dass die Umrisse mit Bleistift markiert werden konnten, anschließend wurde gemalt, wobei es keineswegs darum ging, die Körper naturalistisch auszugestalten. Allein das Mischen der Farben sei nicht zu unterschätzen gewesen, betont Kirchner.




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