Von Parteien unabhängig und nur den auf Lösung der offenen Sachfragen hoffenden Bürgerinnen und Bürgern in der Region verpflichtet: Tobias Ulbrich riskiert seinen guten und gut bezahlten Beruf, um den Menschen zu helfen. Foto: Wolfgang Marchewka

Von Parteien unabhängig und nur den auf Lösung der offenen Sachfragen hoffenden Bürgerinnen und Bürgern in der Region verpflichtet: Tobias Ulbrich riskiert seinen guten und gut bezahlten Beruf, um den Menschen zu helfen. Foto: Wolfgang Marchewka

26.06.2017

Als unabhängiger Kandidat nur den Bürgern verpflichtet

Tobias Ulbrich will im Bundestag für eine bessere Bildung kämpfen

Wittenberg (wm). Der Politik-Neuling Tobias Ulbrich ist eigentlich bereits ein „alter Hase“, zumindest in seinem Spezialgebiet: Seit vielen Jahren setzt er sich ehrenamtlich für eine bessere Förderung der Kinder und ihrer Bildung ein. Von der Basisarbeit in Wittenberg ging es über die Kreisebene ins Land – er ist Vorsitzender des Landeselternrats. Und nach jedem Schritt merkte er, da gibt es schon wieder eine Grenze, so dass der Bund auch beim Thema Kinder- und Bildungsförderung ins Boot müsse.

„Ich habe mir den Schritt, als unabhängiger Einzelkandidat für die Bundestagswahl im September anzutreten, acht Monate lang überlegt“, berichtet Ulbrich im Redaktionsgespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Parallel fing er an, auf der Landesebene mit Vertretern aller Fraktionen über Bildungsfragen zu sprechen, auch mit Ministern und Staatssekretären. Die Antworten hätten sich ähnlich angehört wie die auf kommunaler und Kreisebene: „Eigentlich müsste man mehr tun, aber wir haben zu wenig Geld.“ 

Da stand der engagierte Mann wieder vor einer Mauer: „Ich hatte zwei Möglichkeiten, entweder aufhören oder den Schritt dorthin wagen, wo über die Verteilung der vorhandenen Gelder tatsächlich entschieden wird: im Bundestag.“ 

An dieser Stelle war es für den Vater dreier Kinder – zwei Mädchen (7) und ein Sohn (4) – geboten, die Ehefrau um ihre Meinung über die Kandidatur zu fragen. „Ihre erste Reaktion lautete, du spinnst“ erzählt Ulbrich, „und die zweite war die Frage, hast du noch nicht genug am Hals, aber die dritte war entscheidend: Was du machst, machst du mit Herz und Engagement, also mach es.“ 

In den Jahren seiner aktiven Tätigkeit hat er „nebenbei“ viel über Politik und über Macht und Ohnmacht gelernt. Ein Fazit: „Alle Kommunen im Kreis Wittenberg sind überschuldet und haben kaum noch Handlungsspielraum.“ Zweites Fazit: „Auch das Land Sachsen-Anhalt ist ein stückweit ohnmächtig.“ Geld habe nur der Bund – aber in Bildungsfragen stünden sich manche Bundes- und Landespolitiker selbst im Weg: Die Länder sind für Bildungsfragen zuständig, sie würden zwar das Geld des Bundes nehmen, aber die Entscheidungskompetenz behalten wollen. So werde es problematisch, Gemeinsamkeiten zu finden. 

„Auch der Bund ist bereit, sich ein Stück zu öffnen“, sagt Ulbrich, „für dieses Jahr hatte der Bund 1,1 Milliarden Euro für Bildungsprojekte bereit gestellt, aber das Geld fließt nicht ab, weil die Vereinbarung mit den Ländern noch immer nicht fertig ist – ein weiteres Jahr verschenkt wegen politischer Spielchen.“ 

Und noch ein grundsätzliches Problem sieht Ulbrich sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene: „Zu viele Politiker haben es verlernt, mittelfristig zu denken. Aus dieser Haltung entstehen Probleme, die hausgemacht sind.“ Die Beispiele dafür würden zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im Alltag selber spüren, angefangen vom Mangel an Erziehern in den Kitas, über den Lehrermangel bis hin zu Polizisten, die vor der Wahl zunächst eingespart wurden und jetzt – nach der Wahl – wieder „aus dem Boden gestampft“ werden sollen. 

„In acht Jahren gehen etwa 50 % der Lehrer und Erzieher in Rente, wir haben heute schon in diesen Berufen zu wenige Mitarbeiter, wie soll das erst in acht Jahren aussehen, wenn viel zu wenig qualifizierter Nachwuchs ausgebildet wird?“ 

Ein weiterer wichtiger Satz im Leben des künftigen Kandidaten lautet, alles hängt mit allem zusammen. Konkretes Beispiel: „Wenn wir heute nicht genug in gute Bildung investieren, zahlen wir in den nächsten 50 Jahren Hartz IV.“ Ein weiteres Beispiel: Durch die Erhöhung der Elternbeiträge für Kitas ist im Land Sachsen-Anhalt ein Kaufkraftverlust von etwa 300 Millionen Euro entstanden – und das trifft auch die Wirtschaft und die dort beschäftigten Mitarbeiter. 

Nächstes Beispiel: Die Probleme, die durch den demographischen Wandel entstehen, treffen ja nicht nur die Eltern und ihre Kinder, sondern auch die Wirtschaft durch den sich schon lange abzeichnenden Mangel an Fachkräften. Ulbrich fragt: „Warum gibt es keine Arbeitsgruppe namens ‚Demographie und Wirtschaft’?“ 

Damit beweist Ulbrich, dass er nicht nur ein Experte für Bildungsfragen ist, sondern auch von wirtschaftlichen Fragen viel versteht. Ein Grund dafür ist sein Beruf: Diplomkaufmann Ulbrich arbeitet für einen überregional tätigen Spezialbetrieb, der individuelle Software für Produktionsbetriebe entwickelt. Dort ist er verantwortlich für den Vertrieb in ganz Ostdeutschland: „Deshalb kenne ich auch die Sorgen und Nöte vieler Wirtschaftsbetriebe und deren Mitarbeiter.“ 

Fazit: Tobias Ulbrich bietet sich mit seinem Fachwissen nicht nur Eltern als von Parteien unabhängiger Kandidat an, sondern auch allen Unzufriedenen, die bei vergangenen Wahlen aus Ärger eine Partei gewählt haben, die aufgrund ihrer extremen Rechtslastigkeit eigentlich von demokratisch denkenden Bürgern nicht gewählt werden dürfte.




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