Gleich im Eingangsbereich der Ausstellung „Die Berufungsfabrik“ wird der Besucher empfangen von einer lebensgroßen Abbildung Luthers, verankert in Zahnrädern – ein Bezug zum Film „Modern Times“ von Charlie Chaplin, in dem die Arbeit als Tretmühle geschildert wird. Foto: Veranstalter

Gleich im Eingangsbereich der Ausstellung „Die Berufungsfabrik“ wird der Besucher empfangen von einer lebensgroßen Abbildung Luthers, verankert in Zahnrädern – ein Bezug zum Film „Modern Times“ von Charlie Chaplin, in dem die Arbeit als Tretmühle geschildert wird. Foto: Veranstalter

18.06.2017

Entdeckungen entlang des reformatorischen Berufsverständnisses

„Die Berufungsfabrik“ hat ihre Tore geöffnet

Wittenberg (WiSo). „Die Berufungsfabrik“ heißt eine interaktive, erlebnisorientierte Ausstellung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, die am Sonntag, dem 18. Juni, im 200 Quadratmeter großen Pavillon zwischen Schlossstraße 10 (Eingang Wilhelm-Weber-Haus) und der Wallstraße eröffnet wurde und die bis zum 10. September zu sehen ist. Die Öffnungszeiten: mittwochs bis montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags ist Ruhetag. Kooperationspartner ist das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik. 

Der Titel ist bewusst sperrig und paradox gewählt und führt sofort in das Spannungsfeld der heutigen Arbeitswelt hinein: Berufung und Fabrik scheint nicht zueinander zu passen. Die Fabrik gilt als Inbegriff einer entfremdeten Arbeitswelt, in der Menschen Maschinen bedienen und in der es nicht auf Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Sinnerfahrung ankommt. 

Das Stichwort „Berufung“ steht für das genaue Gegenteil: Da geht es um Sinn, Entfaltung, eine Tätigkeit, die zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passt. 

„Die Berufungsfabrik“ knüpft bewusst an das reformatorische Konzept von Beruf und Berufung an. Gerade Martin Luther hat die alltägliche Arbeit als Feld der Berufung wiederentdeckt. Er hat die Arbeit enorm aufgewertet: Für ihn war sie der Ort, wo Menschen mitten im Alltag Gott und den Menschen dienen können. Der „Beruf“, die „Berufung“ des Menschen ist nicht die fromme Flucht aus dieser Welt, sondern die Weltzuwendung und die Weltgestaltung im Dienst an den konkreten Mitmenschen. Wurde bis dahin nur Mönchen und anderen Geistlichen eine Berufung zugesprochen, so hat Luther sie auf alle Menschen ausgeweitet. 

Vom Windelwaschen, Schweinehüten bis zum Predigen – all das war für Luther Beruf bzw. Berufung. Luther steht damit am Beginn einer Arbeitsauffassung, für die Weltgestaltung, soziale Verantwortung und Sinnerfahrung nicht auseinander-, sondern zusammenfallen. Für Luther ist der Mensch Mitarbeiter Gottes. Die Folgewirkungen dieses Konzepts für das neuzeitliche Berufsverständnis sind groß. Dass im Deutschen die Worte „Beruf“ und „Berufung“ bis heute so nahe beieinander liegen, ist ein Beleg für den nachhaltigen Einfluss des reformatorischen Berufsverständnisses. 

„Die Berufungsfabrik“ führt in die heutige Arbeits- und Berufswelt hinein und lädt zur interaktiven Auseinandersetzung mit aktuellen Spannungsfeldern und Herausforderungen ein. Die Stelen und Tafeln der Ausstellung sprechen einige wichtige Themen an: Da geht es um die persönlichen Erwartungen an die Arbeit, aktuelle Konflikt- und Entscheidungssituationen als Mitarbeiter oder Leitungsperson, das Engagement für bessere Arbeitsbedingungen oder die Frage nach dem Gesicht der Arbeit in einer digitalisierten Welt (Arbeit 4.0). 

Damit reflektiert die Ausstellung eine Arbeitswelt, die längst nicht mehr in den Bildern einer alten Fabrik aufgeht. Zur aktuellen Arbeitswelt gehört die gesteigerte persönliche Verantwortung der Mitarbeiter genauso wie die Frage, welche Folgen die Digitalisierung für das Arbeiten von Morgen haben wird. All diese konkreten Fragen sind andere als die, die Luther und die Reformatoren beschäftigten. Aber die Grundfragen von damals sind nach wie vor aktuell: Hat Beruf auch heute noch mit Berufung zu tun? Spielt der Dienst am Nächsten in der Arbeitswelt eine Rolle? Verdienen Menschen mit ihrer Arbeit mehr als nur den Lebensunterhalt, was treibt sie jenseits der Berufsarbeit an – im freiwilligen Engagement, im kulturellen Schaffen, in der Familienarbeit?




Video

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter

mehr Videos

Videos Kultur

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg
Ensemble Weltkritik im Clack Theater Wittenberg: Höhenflüge in Bodennähe
Lothar Bölck: Dummerland im Clack Theater Wittenberg
LadyLike im Clack Theater Wittenberg

Videos Politik

Sepp Müller nach dem Scheitern von Jamaika
Sepp Müller Jamaika und Luther
Der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU), Video 3
Sepp Müller Sondierung
Sepp Müller (CDU) Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 70 Wittenberg/Dessau

Videos Agentur

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: