Holzschnitt von Lucas Cranach d. J. zur Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540, abgebildet in: Lucke, Ihrer Zauberei halber, S. 122. Das Werk zeigt die toten Menschen nach dem Feuer, während das Eichenholz fast unbeschädigt geblieben ist.

Holzschnitt von Lucas Cranach d. J. zur Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540, abgebildet in: Lucke, Ihrer Zauberei halber, S. 122. Das Werk zeigt die toten Menschen nach dem Feuer, während das Eichenholz fast unbeschädigt geblieben ist.

17.06.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Denk’ mal

Das Demonstrationsrecht in Deutschland ist eine wertvolle Errungenschaft und deshalb auch durch das Grundgesetz geschützt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht zu beklagen, das dieses Recht in Wittenberg zum Reformationsjubiläum auch von solchen religiösen Eiferern genutzt wird, die ein kirchen- und kulturerfahrener Wittenberger Bürger kurz und knapp als „Spinner“ bezeichnet hat. 

Geschützt ist aber auch das Objekt ihrer Begierde: die so genannte „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche St. Marien. Dieses Gotteshaus nämlich steht auf der Welterbeliste der UNESCO. Und darauf kommen nur solche Kulturgüter, die Zitat: 

 „In die Welterbeliste werden nur Stätten aufgenommen, die nach Meinung des Welterbekomitees herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben. Bei der Entscheidung über die Aufnahme werden die übergreifenden Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit) angewendet, in Verbindung mit einem oder mehreren von insgesamt zehn UNESCO-Kriterien.“ 

Unversehrtheit: Das kann jedermann – selbst ein übereifriger Pastor aus Leipzig – und jede Frau – auch eine Marienschwester aus Darmstadt – bei Wikipedia nachlesen, dann hätte sich ihr Aufwand, Woche für Woche auf dem Markplatz mit Transparenten herumstehen zu müssen, erübrigt. Oder wollen die Gegner der „Judensau“ erreichen, dass Luthers Predigtkirche den Welterbestatus verliert?

„Was würde der Jude Jesus zur Judensau sagen?“, stand auf einem der Transparente geschrieben. Einfache Frage, einfach Antwort: Er würde sagen, dass Bildersturm noch nie ein Problem gelöst, aber viele neue erzeugt hat. Aber der Mann war ja auch klug und weise, was man nicht von jedem der heute lebenden Menschen sagen kann. 

Immerhin haben die religiösen Eiferer bemerkt, dass bereits im Jahre 1988 unterhalb des kritisierten Reliefs eine mahnende Gedenktafel angebracht worden ist. Die Zeder, die unmittelbar daneben gedeiht, bemerkten sie schon nicht mehr, obwohl dieser Baum Israels dereinst von jüdischen Touristen gespendet worden war. 

Der Wittenberger Ratsherr Rudi Kaufhold (FDP) fasst in seiner Eigenschaft als Stadtführer die in zahlreichen Gesprächen mit Touristen gesammelten Erfahrungen mit einem Satz zusammen: „Man kann den Antisemitismus nicht per Bildersturm auslöschen“. 

Kaufhold erinnert sich gern an ein Erlebnis, das er vor vier Jahren als Stadtführer mit einer Gruppe Deutsch sprechender jüdischer Touristen aus Teheran hatte: Sie waren beim Anblick der „Judensau“ zunächst empört, hörten sich aber der Erläuterungen des Stadtführers über den Zusammenhang zwischen „Judensau“ und dem Gegendenkmal auf dem Boden an. Schließlich fingen einige an zu weinen und lobten Kaufhold: „Sie haben mit Ihrem Vortrag unsere Herzen erreicht.“

So geht es – und nicht mit Bildersturm. 

„Die Wittenberger Stadtführer sind gut ausgebildet und durchaus in der Lage, den Touristen den Zusammenhang zwischen dem Relief und der Bodenplatte zu erklären“, zieht Kaufhold ein Fazit. 

Nachsatz für die verbalen Kulturdenkmalschänder: Christen der damaligen Zeit haben sich nicht nur gegen Juden versündigt, sondern auch gegen Glaubensgenossinnen – oder habt ihr die Hexenverbrennungen auch schon aus den Geschichtsbüchern getilgt?

Zur Erinnerung ein Holzschnitt von Lucas Cranach d. J. zur Hexenverbrennung in Wittenberg im Jahre 1540, abgebildet in: Lucke, Ihrer Zauberei halber, S. 122. Das Werk zeigt die toten Menschen nach dem Feuer, während das Eichenholz fast unbeschädigt geblieben ist.




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