Kadhir Fadhel (2.v.l.) und Michaela Rotsch (l.) vor dem mobilen „Baghdad-Palast“. Foto: Wolfgang Gorsboth

Kadhir Fadhel (2.v.l.) und Michaela Rotsch (l.) vor dem mobilen „Baghdad-Palast“. Foto: Wolfgang Gorsboth

16.06.2017

Cranach-Stipendiat Kadhir Fadhel fragt nach Grenzen

Vierter Glaspalast im Torraum Globalisierung eröffnet

Wittenberg (wg). Noch bis zum 10. September setzen sich Akteure aus sechs Ländern in zwölf gläsernen, mobilen Kuben im Dialog mit Einheimischen und Gästen mit dem Leitthema „Globalisierung“ auseinander. Am Freitagnachmittag wurde der vierte Glaspalast eröffnet - der „Baghdad Palast“, den der Iraker Kadhir Fadhel gestaltet hat. Das Projekt „Glaspaläste“ ist Teil der Weltausstellung Reformation, die gläsernen Kuben befinden sich auf dem Platz zwischen Neues Rathaus und Exerzierhalle. 

Der 1977 geborene Künstler studierte Kalligrafie und Bildende Kunst und schloss sein Studium 2015 an der Universität Bagdad ab. Er arbeitet medienübergreifend mit Malerei, Grafik, Fotografie, Video, Performance und Installation. 2015 erhielt er für sein Werk den Isthar Award für junge Künstler, vom 20. Juni an ist er einen Monat lang Stipendiat der Cranach-Stiftung in Wittenberg. 

Die Einladung durch die Stiftung hatte das Visumverfahren deutlich erleichtert. Bereits im vergangenen Jahr war er Resident der Villa Waldberta in München, davor war er unter anderem in Berlin und Wien, doch immer wieder zieht es ihn zurück nach Bagdad. 

In „Baghdad Palast“ thematisiert Fadhel Grenzen – Grenzen der Religion, Nationalität, Kultur, Politik, des Verkehrs, der Bildung und der Sippen. „Auf meinen Reisen machte ich einige spezielle Erfahrungen als ich die Grenze überschritt, um aus dem Irak in andere Länder zu gelangen“, sagt Fadhel, vor allem an der mexikanischen Grenze habe sein Nachdenken begonnen und er habe Arbeiten hergestellt, die diese Grenzsituationen thematisierten. 

Zurück in Bagdad, begann er mit der Video-Arbeit „One day in Baghdad“, in dem er verschiedene Leute interviewte und sie jedes Mal fragte, wohin sie reisen möchten, obwohl die wenigsten eine Chance auf ein Visum haben. Dieses Video ist in dem schwarz verhüllten Glaskubus ebenso zu sehen, wie ein Video, das in Mexiko entstand und von Grenzkontrollen handelt. Ihm selber wurde damals als Iraker die Einreise verweigert, in diesem Sinne haben Grenzen auch mit Vorurteilen zu tun. 

Grenzen gibt es aber auch im Irak und seiner Hauptstadt, allein durch die vielen Checkpoints. Viele fühlen sich in ihrem Land wie in einem Gefängnis. Im weißen Inneren des Glaspalastes sieht der Betrachter auch Installationen, die an ein Überwachungssystem erinnern. 

 „Es gibt viele Fragen über Grenzen und ich möchte ein paar von diesen in meinen Arbeiten aufgreifen“, so Fadhel, „dabei möchte ich die Menschen in Wittenberg mit Bagdad verbinden, mit der Stadt, in der ich lebe.“ 

Die 12 mobilen, transparenten Kuben stehen als Plattform für einen transkulturellen Raum zwischen Kunst und Wissenschaftler zur Verfügung, nach und nach werden sie von (inter-)nationalen und lokalen Akteuren mit Inhalten gefüllt – so entstehen Glaspaläste, die je nach Aktion das Ausstellungsgelände verlassen und in verschiedene Stadtteile fahren. Fadhel will seinen Kubus unter anderem auch am Asisi-Panorama und am Lutherhaus präsentieren. 

Mit Blick auf Luthers Thesenanschlag werden die Konzeptionen der einzelnen Glaspaläste auf Augenhöhe verhandelt: Die Betrachter können sich mit eigenen Aspekten einbringen, weshalb die Kuben ergebnisoffen gestaltet sind und Raum lassen für die Entwicklung von noch Unbekanntem. Die alle Aktionen verbindende Frage dabei lautet: Wieso gibt es Grenzen? 

Bezogen auf die Reformation ergeben sich drei Themenbereiche. Erstens: Buchdruck und Medien. Es geht um Informationskanäle und die Sichtbarwerdung von Wissen. Gibt es einen grenzenlosen Zugang zu Wissen und einen hierarchielosen Austausch von Wissen? Zweitens: Thesenanschlag. Hier wird die 96. These verhandelt: Wo liegen die Grenzen der (Selbst-)Kritik und was kann eine Kritik der Globalsierung leisten? Drittens: Ablasshandel. Religion und Ökonomie stehen in einer Wechselbeziehung. Gibt es eine Art von neuzeitlichem Ablasshandel und einen nach wie vor verdeckt existierenden Kolonialismus? 

Fünf Glaspaläste werden durch Gastkünstler gestaltet, die aus Bagdad, München, Mumbai, Tel Aviv und Wien stammen. Drei weitere Gaspaläste werden übergeben, die mit Bewohnern und Institutionen aus Amritsar in Indien, Bamiyan in Afghanistan, der afrikanischen Diaspora in Europa, aus Istanbul, Ottobrunn sowie aus Wittenberg im Austausch stehen. 

Ein Kubus dient als Gastkubus und wird von den Johannitern bespielt. Ein elfter Kubus wird eingemauert, ist also uneinsehbar und hat einen unverrückbaren Standort. Ein zwölfter Kubus, der Programm-Palast, zeigt die Übersicht des Projekts im Netz und vor Ort und führt alle Positionen zusammen. 

Das Projekt wurde im Rahmen der Soziologie-Lehrveranstaltung „Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft im Stadtraum“ über mehrere Semester an der Universität Wien entwickelt. Die Leitung haben die Bildende Künstlerin Michaela Rotsch und die Soziologin Irmtraud Voglmayr. 

Hinweis: 

Als nächstes wird der „Wittenberg-Palast“ am 23. Juni um 16 Uhr auf dem Platz zwischen Neuem Rathaus und Exerzierhalle eröffnet. Es geht um Mythen, Engel, Träume, die Projektleitung hat Isabel Schaffrick. Öffnungszeiten: bis zum 22. Juni Mittwoch bis Sonntag von 14.30 bis 17.30 Uhr; vom 23. Juni bis 6. August Mittwoch und Donnerstag von 14.30 bis 17.30 Uhr, Freitag und Samstag von 12 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 17 Uhr.




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