Ist der Einkaufswagen defekt – oder gibt es anderen Müll zu entsorgen? Kein Problem, das historische Baudenkmal Hans-Lufft-Keller im Parkhaus des Einkaufszentrums Arsenal schluckt jede Menge Müll. Foto: Wolfgang Marchewka

Ist der Einkaufswagen defekt – oder gibt es anderen Müll zu entsorgen? Kein Problem, das historische Baudenkmal Hans-Lufft-Keller im Parkhaus des Einkaufszentrums Arsenal schluckt jede Menge Müll. Foto: Wolfgang Marchewka

10.06.2017

Skandal um den im Arsenal-Parkhaus vergammelnden Hans-Lufft-Keller

Jetzt greift der Landrat ein

Wittenberg (wm). Die Vorgänge um den im Parkhaus des Arsenal langsam verrottenden Keller des Druckers der Luther-Bibel Hans Lufft liegen noch immer im Dunkeln und inzwischen fragt sich nicht nur die Redaktion des Wittenberger Sonntag, was ist eigentlich los im Landesamt für Denkmalpflege? Dessen Öffentlichkeitsarbeiter Dr. Alfred Reichenberger gibt falsche Antworten auf Fragen, die gar nicht gestellt worden sind und merkt noch nicht einmal, dass er sich dabei auch noch selbst widerspricht. Aber die einzig wichtige Frage, auf Grundlage welcher Vereinbarung mit dem Investor hat das Landesamt der Kreisverwaltung Wittenberg signalisiert, der Bauantrag für das Arsenal könne genehmigt werden, ist noch immer nicht konkret beantwortet worden. 

Das andauernde Theater um den aus reformationsgeschichtlicher Sicht besonders wertvollen Hans-Lufft-Keller hat nun auch den Landrat misstrauisch werden lassen: In einem Brief an den Direktor des Landesamtes, Prof. Harald Meller, betont Jürgen Dannenberg das öffentliche Interesse und besonders zwei Problemkreise, bestätigt Pressesprecher Ronald Gauert auf Anfrage: „Der Landrat weist erstens darauf hin, dass die Kreisverwaltung Wittenberg, obwohl zuständige Genehmigungsbehörde, zu den Gesprächen zwischen Landesamt und Investor nicht einbezogen worden ist und deshalb auch keine inhaltlichen Kenntnisse von den Vereinbarungen zwischen Landesamt und Investor haben kann und zweitens möchte der Landrat zum Hans Lufft-Keller das Dokument der Denkmalfeststellung haben, denn offiziell ist die Kreisverwaltung nie darüber informiert worden, dass dieser Keller denkmalgeschützt ist, und auch im Bauantragsverfahren sind keine Anforderungen zum Erhalt, Sicherung oder Restaurierung der historischen Kellerfragmente an den Landkreis gestellt worden.“ 

Die Kreisverwaltung Wittenberg hat also tatsächlich keine inhaltlichen Kenntnisse zu diesem Denkmal. Besonders merkwürdig ist, dass der Öffentlichkeitsarbeiter des Landesamtes, Dr. Reichenberger, versucht hat, von dieser Tatsache abzulenken und die Redaktion des Wittenberger Sonntag auf eine falsche Fährte zu locken. Wörtlich schreibt er am 23. Mai: „Wie Ihnen bereits telefonisch mitgeteilt, liegt bislang kein entsprechender Förderantrag der Lutherstadt Wittenberg vor.“ Und am 24. Mai: „Wie aus der Teilnehmerliste hervorgeht, war die Stadt Wittenberg bei der Besprechung vertreten.“ Da taucht die Frage auf, das Landesamt müsste wissen, dass die Stadt nicht die Genehmigungsbehörde ist – oder war es gar Absicht, die Kreisverwaltung nicht einzubeziehen? 

Und dann folgt am 1. Juni nach einer weiteren Rückfrage des Wittenberger Sonntag der nächste Knüller, denn nachdem Dr. Reichenberger zuerst darauf verwiesen hat, dass kein Fördermittelantrag der Stadt Wittenberg vorliege, schreibt er nun, wörtliches Zitat: „Da unser Haus weder für die Beantragung, Bewilligung oder Bereitstellung von Fördermitteln zuständig ist, muss ich nochmals auf die entsprechenden Zuständigkeiten verweisen. Das LDA ist nicht berechtigt, für Dritte Fördermittelanträge zu stellen.“ Und dieser Satz ist zwar korrekt, aber das genaue Gegenteil vom Inhalt der Mail vom 23.Mai. Was steckt dahinter? 

Doch das Drama um den Bau des Arsenal beginnt viel früher: Inzwischen ist die Redaktion darüber informiert worden, dass sich Landesamt und Investor bereits im Jahr 2010 im Verwaltungsgericht Halle getroffen hatten. Dort ging es um den Abbruch der ebenfalls denkmalgeschützten Häuser in der Jüdenstraße 1 und 2. Am 27. September fasste das Verwaltungsgericht den Beschluss, dass diese Häuser erst dann abgebrochen werden dürfen, wenn eine Vereinbarung zwischen Landesamt und dem Investor MIB vorliegt. Wir fragen das Landesamt erneut: Wie sehen die Vereinbarungen mit dem Investor aus? 

Auf Anfrage der Redaktion des Wittenberger Sonntag hat das Bauordnungamt der Kreisverwaltung Wittenberg in den alten Akten gestöbert und zwei Mitteilungen des Landesamtes gefunden. Dazu Ronald Gauert: „Am 18. Mai 2011 teilt das Landesamt mit, das Einvernehmen mit dem Investor ist hergestellt, und am 15. September 2011 heißt es, die Dokumentation ist abgeschlossen und es bestehen keine Bedenken zum Bau des Arsenal.“ 

Dazu zitieren wir noch einmal Dr. Reichenberger: „Auf welcher Basis letzten Endes die Genehmigungsbehörde entschieden hat, müssten Sie dort erfragen.“ Wir fragen aber noch einmal das Landesamt: Wie sieht das „Einvernehmen“ mit dem Investor inhaltlich aus und warum vergammelt das aus reformationsgeschichtlicher Sicht bedeutende, aber leider nicht korrekt gesicherte Baudenkmal bis ins Jahr des großen Reformationsjubiläums?




Video

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter

mehr Videos

Videos Kultur

Dicke Luft und kein Verkehr - Der Zoff geht weiter
Jukebox im Clack Theater Wittenberg
Ensemble Weltkritik im Clack Theater Wittenberg: Höhenflüge in Bodennähe
Lothar Bölck: Dummerland im Clack Theater Wittenberg
LadyLike im Clack Theater Wittenberg

Videos Politik

Sepp Müller Jamaika und Luther
Der Wittenberger Bundestagsabgeordnete Sepp Müller (CDU), Video 3
Sepp Müller Sondierung
Sepp Müller (CDU) Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 70 Wittenberg/Dessau

Videos Agentur

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung


Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: