10.06.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Wie wäre es mit etwas Sachkunde?

Aus aktuellem Anlass – die Wittenberger Bürgerin Antje Rettig hat mit ihrem Staffordshire Bullterrier „Rüdiger“ die Prüfung zum Therapiehund mit der Bestnote „sehr gut“ bestanden und wird ab Herbst ehrenamtlich und sozial in Kitas und Schulen tätig – hat sich die Redaktion des Wittenberger Sonntag mit der aktuellen Fassung der Hundesteuersatzung der Lutherstadt Wittenberg beschäftigt. Das Ergebnis ist erschreckend und zeigt, dass es leider auch in der heimischen Kommune sowohl im Stadtrat als auch in der Verwaltung an der für Entscheidungen von erheblicher Tragweite eigentlich notwendigen Sachkenntnis fehlt. 

Noch immer wird für die Hunde von vier Rassen der Begriff „Kampfhunde“ verwendet. Das ist nicht nur sachlich falsch, denn eine Rasse namens „Kampfhund“ gibt es nicht, sondern diffamiert auch ordentliche oder sogar vorbildliche Hundehalter, in dem sie von der Stadt Wittenberg mit diesem Begriff in die kriminelle Ecke gestellt werden. Außerdem ist das Kampfhund-Wort leider geeignet, bei Kindern und auch bei nicht richtig informierten Erwachsenen Ängste zu wecken – Ängste, die dazu führen können, Unfälle mit Hunden auszulösen. In diesem Sinne ist das Verhalten von Rat und Verwaltung verantwortungslos. 

Verehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte: Es folgt eine kostenlose Schulung zur Sachkunde. „Kampfhund“ ist wie zum Beispiel Therapiehund, Drogensuchhund, Schutzhund oder Rettungshund keine Bezeichnung für eine bestimmte Rasse, sondern für einen bestimmten Verwendungsweck nach entsprechender Ausbildung des Hundes durch den Menschen. 

Ein Kampfhund ist ein Tier, das von seinem Besitzer durch gezielte und asoziale Maßnahmen, die schon in den ersten Lebenswochen des Tieres beginnen, dazu missbraucht worden ist, in dafür errichteten Arenen im Kampf Hund gegen Hund antreten zu müssen. Der Gegner war also immer ein anderer Hund, mitunter auch ein anderes Tier – und deshalb ist es auch sachlich falsch, Kampfhunde mit gefährlichen Hunden gleichzusetzen, das Gegenteil ist richtig: In den Arenen waren beim Kampf immer drei Menschen anwesend, die beiden Hundebesitzer sowie ein Schiedsrichter, und die kämpfenden Tiere mussten sich problemlos vom Menschen händeln lassen. 

In England, dem Mutterland dieses so genannten „Bloodsports“, sind Hundekämpfe bereits am 9. September 1835  verboten worden. Wenn es danach noch Hundekämpfe gegeben hat, so fanden diese im kriminellen Milieu statt. Hätten sich die Wittenberger Stadträte vor dem Beschluss zur Hundesteuersatzung über diese Fakten informiert, so würde der Begriff „Kampfhund“ sicherlich nicht in der Satzung auftauchen. 

Die Hundesteuer beträgt in Wittenberg 42 Euro im Jahr, aber für die Angehörigen von vier willkürlich ausgesuchten Rassen 300 Euro. Die vorbildliche Hundehalterin Antje Rettig muss demnach statt 84 Euro für zwei Hunde 600 Euro zahlen – trotz Sachkundenachweis und einer zusammen mit „Rüdiger“ mit „sehr gut“ bestandenen Prüfung für den Einsatz im therapeutischen und sozialen Dienst. 

Fazit: Ein vorbildliches Hund-Halter-Paar wird mit Kriminellen auf eine Stufe gestellt und zudem noch von der Kommune abgezockt. Wie ist das zu rechtfertigen, liebe Mitglieder von Rat und Verwaltung?




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