Die Referenten beim dritten Wittenberger Gespräch waren Werner Arlabosse, Johannes Schildmann und Werner Weinholt sowie Stephan Zöllner und Marcel Paul von der Bethel-Begegnungsstätte in Wittenberg (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

Die Referenten beim dritten Wittenberger Gespräch waren Werner Arlabosse, Johannes Schildmann und Werner Weinholt sowie Stephan Zöllner und Marcel Paul von der Bethel-Begegnungsstätte in Wittenberg (v.l.n.r.). Foto: Wolfgang Gorsboth

04.06.2017

Drittes Wittenberger Gespräch der Bethel-Begegnungsstätte

Der diakonische Auftrag vor dem Hintergrund kultureller und religiöser Vielfalt

Wittenberg (wg). Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist aktueller denn je: Weder spielt die Herkunft noch der Glaube des Helfenden eine Rolle, noch fragt der Samariter danach, welcher Kultur oder Religion das verletzte Opfer angehört. „Grenzenlos – Diakonie in kultureller und religiöser Vielfalt“ lautete das Thema der dritten Wittenberger Gespräche im Malsaal der Cranach-Stiftung, organisiert von der Bethel-Begegnungsstätte.

Die Gesellschaft wird vielfältiger und bunter und das nicht erst, seit hunderttausende Menschen auf der Flucht nach Deutschland gekommen sind. Wie kann erfolgreiches Zusammenarbeiten unterschiedlicher Kulturen gelingen – in einem „großen Haus“ wie die Diakonie?

„Gemeinsam, grenzenlos und diakonisch gestalten wir mit allen Menschen, die guten Willens sind, unsere Arbeit“, erklärte Johannes Schildmann, Lehrbeauftragter der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld. Der Pfarrer in Ruhestand war Theologischer Vorstand des Diakonisches Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten und weiß aus eigener Erfahrung: „Das Ruhrgebiet ist ein Ort kultureller und religiöser Vielfalt.“

Ein Beispiel: Im Rahmen eines auf junge türkische Frauen zugeschnittenen Pilotprojektes zur Verbesserung der beruflichen Perspektiven, erwarb eine junge Türkin den Abschluss als Sozialarbeiterin und wollte für die Diakonie arbeiten. Doch wegen der Religionszugehörigkeit wäre das lange Zeit nicht möglich gewesen: „Deutsch, kirchlich, protestantisch und fromm, so wurde mehr als 100 Jahre die diakonische Tradition geprägt“. Von diesem Erbe müsse sich die Diakonie lösen und sich multikulturell und multireligiös aufstellen. „Wir öffneten uns vor 18 Jahren für Menschen, die keiner christlichen Kirche angehören, und haben keine Probleme damit.“ 

Diese Öffnung sei Herausforderung und Chance zugleich, wer die Notwendigkeit bestreite, sei realitätsfern: „Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund steigt. Auch Verwaltungen, Polizei und andere Institutionen haben dies erkannt und reagieren darauf.“ 

Dafür sprächen auch theologische Gründe: „Gott ist da, wo Liebe ist, auch wenn viele nichts von seiner Gegenwart wissen.“ Diese Gegenwart hänge nicht von konfessioneller Verfasstheit ab, deshalb sei jeder, der guten Willens ist, zur Mitarbeit in der Diakonie eingeladen. 

Aber auch pragmatische Gründe sprächen für eine Öffnung: Immer mehr Patienten in Kliniken, Bewohner in Pflegeheimen oder Mitarbeiter in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen haben einen Migrationshintergrund, zum anderen kann der Fachkräftebedarf nicht mehr anders gedeckt werden. 

Von allen Mitarbeitern müsse man Toleranz, Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber und Einordnung in die diakonische Unternehmenskultur erwarten. Das mache sich nicht an der Religion, sondern an jedem Einzelnen fest. 

Die Aufgabe, eine Haltung des Respekts und der Toleranz zwischen den Kulturen und Religionen zu fördern, stellt fachliche Anforderungen an die Arbeit in multireligiösen und multikulturellen Kontexten und erfordert entsprechende Weiterbildungsangebote wie sie die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel anbieten: „Jeder Mitarbeiter muss sich mit den Grundlagen des diakonischen Auftrags auseinandersetzen“, erklärte Diakon Werner Arlabosse, Direktionsvorsitz Stiftungen Sarepta Nazareth Bielefeld. 

„Im Mittelpunkt stehen der Mensch und die Nächstenliebe“, erklärte Dr. Werner Weinholt, Leitender Theologe der Paul Gerhardt Diakonie Berlin-Wittenberg. Der Anteil von Mitarbeitern mit Zugehörigkeit zu einer christlichen Konfession läge in Sachsen-Anhalt unter zehn Prozent. Zur Absicherung der diakonischen Identität müsse genau formuliert werden, was man von den Mitarbeitern erwarte. Jeder nehme an einer Andacht teil und erhalte den Segen – auch Muslime. 

„Seelsorge gehört zum Selbstverständnis unserer diakonischen Kultur“, betonte Weinholt, „für unsere Mitarbeiter und Patienten ist nicht wichtig, was uns von anderen unterscheidet, sondern was uns ausmacht.“ Führungskräfte hätten eine besondere Verantwortung in der Prägung diakonischer Kultur, dafür gebe es spezielle Kurse, ebenso für alle Mitarbeiter. An der 2009 in Wittenberg gegründeten Akademie der Paul Gerhardt Diakonie habe man ein Kompetenzzentrum für diakonische Kultur gebildet, zudem an allen Einrichtungen Ethik-Komitees geschaffen.




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