27. September 1933: Hitlergruß von Landesbischof Ludwig Müller auf der Treppe vor dem Alten Rathaus in Wittenberg, flankiert von Angehörigen der Wittenberger SA-Standarte 20. Anlass: die Eröffnung der "Nationalsynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Wittenberg". Foto: Bundesarchiv

27. September 1933:  Hitlergruß von Landesbischof Ludwig Müller auf der Treppe vor dem Alten Rathaus in Wittenberg, flankiert von Angehörigen der Wittenberger SA-Standarte 20. Anlass: die Eröffnung der "Nationalsynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Wittenberg". Foto: Bundesarchiv

27.05.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

War es der Islam, das Judentum, oder das Christentum?

„Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ heißt eine Behauptung, die derzeit auch in unserer Region viel Zustimmung genießt. Moment mal – stimmt das? Muss der Satz, den ein großer Teil der deutschen Bevölkerung unterschreibt, nicht heißen: „Das Judentum gehört nicht zu Deutschland“? Ach, ist eigentlich egal, denn beide Behauptungen sind unter Christen in der Lutherstadt Wittenberg verbreitet worden – der eine Satz in diesen Tagen des Reformationsjubiläums, der andere nur einige Jahrzehnte früher. Gemeinsamkeit: In beiden Fällen geschah es rund um die Feierlichkeiten von Person und Werk des Reformators Martin Luther. 

In diesen Tagen war es eine Organisation, deren hasserfüllten Aussagen anständigen Demokraten das Frühstück hochkommen lässt; eine Organisation, die mit Hilfe eines auch in Sachsen-Anhalt real existierenden Medienkonzerns Propaganda verbreitet hat, die mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland kaum zu vereinbaren ist. Schließlich enthält dieses Werk, das die Freiheit aller Menschen garantieren soll, auch einen Paragraphen zur Religionsfreiheit. In früheren Zeiten waren es auch evangelische Christen, die entgegen der Forderungen der zehn Gebote – zum Beispiel: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, oder: Du sollst nicht töten – die Vertreibung der Juden gefordert und aktiv unterstützt haben. 

Nehmen wir zum Beispiel Johann Heinrich Ludwig Müller, seinerzeit zunächst Landesbischof der Deutschen Evangelischen Kirche. Dieser „Christ“ trat bereits 1931 in die NSDAP ein, kann also nicht zu jenen Zeitgenossen gehören, die da angaben, von „den Nazis“ zu irgendetwas gezwungen worden zu sein. 

Und bereits vor der so genannten „Machtergreifung“ Hitlers (Hinweis: Die Macht wurde von Hitler nicht „ergriffen“, sondern er kam auf legalem Wege an die Macht) war dieser Ludwig Müller Mitbegründer einer Gruppe, die sich „Deutsche Christen“ nannte, eine rassistische, antisemitische Organisation, welche die evangelische Kirche an den Nationalsozialismus angliedern wollte. Dazu gehörte auch die Forderung, deutsche Christen jüdischer Abstammung aus der Kirche auszuschließen. 

Als er dann Reichsbischof war, ordnete der Christ Ludwig Müller an, die evangelischen Jugendorganisationen in die Hitler-Jugend einzugliedern.

Was hat das alles mit Wittenberg zu tun? Nun, dieser Mann zählte auch zu den führenden Figuren, die in der Lutherstadt Wittenberg die Feierlichkeiten zum 450. Geburtstag von Martin Luther prägten. Erhalten aus dieser Zeit ist ein Foto, das den damaligen Landesbischof Ludwig Müller am 27. September 1933 aus Anlass der Nationalsynode auf der Treppe vor dem Alten Rathaus in Wittenberg zeigt – inklusive Hitlergruß.

Wozu diese vielen Worte? Sie zeigen, dass religiöser Wahn oder der Missbrauch von Religion zur Stärkung von Machtgelüsten nicht nur unter den widerlichen Extremisten des Islam vertreten ist, sondern dass auch die christliche Religionen – egal ob evangelisch oder katholisch – eine kriminelle Vergangenheit haben. Diese bedauerliche Tatsache ist bereits in diversen Büchern „gewürdigt“ worden. 

Was lernen wir daraus? Besonders wir Deutschen sollten vorsichtig damit sein, Angehörige anderer Religionen pauschal zu diffamieren, besonders jene Muslime, die vor Krieg und radikalen Mörderbanden zu uns geflohen sind. Viel wichtiger wäre es, aktiv dafür einzutreten, dass der Missbrauch von Religion egal welcher Richtung zum zwecke der Befriedigung primitiver Machtgelüste beendet wird. 

Abschließend zur Info: Die Organisation, die mit unserem Grundgesetz fremdelt und die sich immer öfter der Sprache von Goebbels & Co. annähert, nennt sich AfD.




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