Mehr als 4.000 Besucher kamen zum Eröffnungsgottesdienst zur Weltausstellung Reformation auf Wittenbergs historischem Marktplatz. Foto: Wolfgang Gorsboth

Mehr als 4.000 Besucher kamen zum Eröffnungsgottesdienst zur Weltausstellung Reformation auf Wittenbergs historischem Marktplatz. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.05.2017

Weltausstellung mit ökumenischem Gottesdienst eröffnet

Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten

Wittenberg (wg). Ab 13.15 Uhr konnten mehr als 4.000 Besucher auf dem Markt live den Countdown auf der großen Übertragungswand verfolgen, um 14 Uhr wurde die Weltausstellung Reformation dann mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet, die Liturgie gestalteten Landesbischöfin Ilse Junkermann, Bischof Gerhard Feige vom Bistum Magdeburg und Radu Constantin Miron, Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats. 

„Das Reformationsjubiläum ist nicht allein ein deutsches Ereignis, es ist ein europäisches, ein internationales Ereignis“, betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Viele Reformatoren hätten daran Anteil, dass die Reformation weltweite Ausstrahlung und Wirkung entfaltet habe, dass sie, wie der Lutherische Weltbund hervorhebe, eine „Weltbürgerin“ geworden sei. Deshalb lautete das Motto des letzten Themenjahres innerhalb der Reformationsdekade auch „Reformation und die Eine Welt“. 

Die Reformation habe die gesamte deutsche Geschichte, Kultur und Lebensweise über die Jahrhunderte beeinflusst und sie tue dies bis heute: „Reformation ist kein abgeschlossener Prozess, sondern sie zieht Spuren auch in unsere heutige Gesellschaft hinein.“ 

„Tore der Freiheit“ heiße der Titel der Weltausstellung in Wittenberg, er bedeute zugleich Mahnung und Verheißung: „Denn die Bekenntnisfreiheit eines Christenmenschen, um die es im europäischen Aufbruch zur Neuzeit ging, diese Freiheit ist weiterzudenken zur Freiheit aller Bekenntnisse im Respekt der Menschen füreinander.“ Nur die Akzeptanz des Andersgläubigen führe aus dem Krieg der Konfessionen hinaus, dies sei eine der historischen Lehren aus der Reformation und deren Folgen.

Reformation bedeute auch, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft zu gestalten. Die sieben Tore der Freiheit um die Wittenberger Altstadt öffneten den Blick dafür. Eingeladen seien alle, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz, für Spiritualität, Jugend, Globalisierung, für Ökumene und Religion sowie Kultur interessierten. Dabei gehe es um echte Begegnung – ökumenisch, interreligiös und international. 

„Nicht nur in Europa, sondern auch anderswo in der Welt begegnen wir der Gefahr von Nationalismus und Abgrenzung“, warnte der Bundespräsident. „Da gibt es eine Tendenz, Tore zu schließen, anstatt Tore der Freiheit zu öffnen.“ Dem könne man die Botschaft der Reformation entgegen stellen mit dem Ziel, „aus Angst und Engherzigkeit herauszutreten in eine Welt, die besser werden kann.“

Dass Freiheit der Grundbegriff der Reformation sei, betonte EKD-Botschafterin Margot Käßmann in ihrer Predigt zum Eröffnungsgottesdienst. Für Luther komme der Freiheitsbegriff aus einem Bildungsvorgang. Er habe die Bibel ins Deutsche übersetzt, damit die Menschen selbst lesen und verstehen könnten, was überliefert ist. So entstehe christliche Verantwortung. 

Käßmann bezog sich auch auf die sieben Tore der Weltausstellung, die zwar nicht mit den 12 Toren Jerusalems vergleichbar seien, dennoch in eine Stadt führten, die einen so besonderen Klang habe. Vor dem Tor hätten sich früher die Menschen versammelt, im Tor sei Recht gesprochen worden und deshalb gebe es die „Tore der Gerechtigkeit“. Und es gebe den Lobgesang, die Tore zu öffnen wie im Psalm 24,7: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ Es seien Tore der Sehnsucht nach Gott. 

Während verschlossene Tore die Freiheit einengen, Angst machen und Unrecht erzeugen, seien „offene Tore eine Vision von friedvoller Zukunft. Torräume für die Diskussion darüber, welche Reform und Reformation wir heute brauchen für Kirche und Gesellschaft.“ Dabei gehe es vor allem um die Jugend, aber auch um den Dialog der Religionen, um Spiritualität sowie um Kunst und Kultur. 

2017 werde es kein deutsch-nationales Reformationsjubiläum geben. Luther sei kein Nationalist gewesen, zu seiner Zeit habe es keine Nation gegeben, erst in der Geschichte der Rezeption sei Luther nationalistisch vereinnahmt worden. 2017 werde in ökumenischer Ausrichtung und in internationaler Perspektive gefeiert, denn Christsein kenne keine Grenzen. 

Die Weltausstellung sei das Herzstück des Reformationssommers, dazu würden Menschen aus aller Welt erwartet, seien Kirchen aus aller Welt präsent. „Wenn sich zeigt, dass wir Reformation im offenem Raum und in internationalem wie ökumenischem Horizont wahrgenommen haben als Aufbruch in die Freiheit des 21. Jahrhunderts, wäre das Ziel erreicht“, betonte Käßmann.




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