Prof. Walter Smerling, Sprecher des mit renommierten Fachleuten besetzten Ausstellungskuratoriums, stellt beim Preview für die 100 in der Gemeinschaftsaktion von Stadt Wittenberg und dem Wittenberger Sonntag ausgelosten Wittenberger den druckfrischen Katalog zur Ausstellung vor und beantwortet die Fragen der Gäste. Foto: Wolfgang Gorsboth

Prof. Walter Smerling,  Sprecher des mit renommierten Fachleuten besetzten Ausstellungskuratoriums, stellt beim Preview für die 100 in der Gemeinschaftsaktion von Stadt Wittenberg und dem Wittenberger Sonntag ausgelosten Wittenberger den druckfrischen Katalog zur Ausstellung vor und beantwortet die Fragen der Gäste. Foto: Wolfgang Gorsboth

20.05.2017

Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ im Alten Gefängnis

Zeitgenössische Kunst trifft auf den streitbaren Vordenker Luther

Wittenberg (wg). Kunst kann Mauern öffnen, indem sie Sehgewohnheiten bricht. Welcher Ort wäre für solche Kunst besser geeignet als ein ehemaliges Gefängnis, dessen Mauern bis vor 50 Jahren für die Insassen unüberwindbar waren? „Arbeiten, die hier gezeigt werden, entfalten eine ganz andere Wirkung und Qualität, als würden sie in einer Galerie oder in einem Museum präsentiert“, erklärte Prof. Walter Smerling beim Pressegespräch aus Anlass der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Luther und die Avantgarde.“ Während der Weltausstellung Reformation verwandeln 66 Künstler das Alte Gefängnis in ein Zentrum lebendiger Auseinandersetzung und geistiger Freiheit.

 „Jedes Kunstwerk, jede Installation steht für sich und wirkt für sich“, betonte Smerling, Sprecher des mit renommierten Fachleuten besetzten Ausstellungskuratoriums. Alle Arbeiten zusammen ergäben ein Gesamtbild, in dem sich die Vielfalt der aktuellen Kunstszene widerspiegle. 

Moderne Künstler hätten normalerweise ihre eigenen Themen und empfänden Vorgaben wie „Luther und die Avantgarde“ eher als Zumutung. „Wir waren überrascht, wie viele Künstler sich sofort zur Mitarbeit bereit erklärt hatten“, berichtete Kurator Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Im Alten Gefängnis erwarteten die Besucher gewissermaßen 66 Einzelausstellungen, die zusammen ein Bild von hoher Spannung und Komplexität ergeben würden, „wobei sich diese Inszenierung“, so Heymer, „fast von selbst ergeben hat und sich nicht einer bewussten Dramaturgie verdankt.“  Kuratorin Xu Dan, Kunsthistorikerin der Stiftung für Kunst und Kultur, Bonn, ist es zu verdanken, dass sich an der Ausstellung acht chinesische sowie viele weitere Künstler aus aller Welt beteiligen, darunter Ai Weiwei und Zhang Huan. 

Auch für Künstler, die aus nichtchristlich geprägten Kulturen stammten und selbst für eingefleischte Atheisten, sei Luther eine wichtige Persönlichkeit, mit der man sich vor dem Hintergrund der eigenen Lokalität und Lebensumstände befasse. 

Realisiert wurde „Luther und die Avantgarde“ gemeinsam von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn, deren Vorsitzender Smerling ist und dem Verein Reformationsjubiläum 2017 e.V. 

 „Würde man über die Entwicklung dieses Projekts ein Buch schreiben, käme ein Krimi heraus“, sagt Ulrich Schneider, einer der beiden r.2017-Geschäftsführer. Diese Schau überzeuge vor allem durch die Dichte der gezeigten Arbeiten. Man habe für die Ausstellung das Alte Gefängnis so hergerichtet, dass auch danach eine Weiternutzung möglich sei – auch für Kunst. Immerhin wollen einige Künstler ihre Arbeiten der Stadt schenken. Auch wenn sich Luther und die anderen Reformatoren nicht als Avantgardisten verstanden haben, so haben sie dennoch die Welt verändert, indem sie nicht nur die Kirche grundlegend erneuert, sondern auch nahezu in alle Bereiche der Gesellschaft hineingewirkt haben. 

Kann Luther die Gesellschaft und Kultur von Heute noch inspirieren? Sind Künstler als Impulsgeber, Mahner und Visionäre die gesellschaftliche Avantgarde unserer Tage? Die Ausstellung versucht, Antworten auf diese Fragen zu geben, wobei die kritische Haltung von Künstlern in einer Zeit, in der Pluralität, Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung immer wieder in Frage gestellt werden, für die Gesellschaft von größter Bedeutung ist. Circa die Hälfte der ausgestellten Arbeiten wurde eigens für die Ausstellung angefertigt, viele sind direkt vor Ort entstanden, andere gezielt dafür ausgewählt worden. 

Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten reicht von Gemälden, Skulpturen, Installationen und Wandmalereien über Fotografien, Zeichnungen, Video- und Sound-Arbeiten bis hin zu Performances und urbanen Interventionen wie von Luise Schröder, die sich am Beispiel der Wittenberger Gedenktafeln kritisch mit dem Verhältnis von Geschichtsschreibung, Gender und Stadtraum auseinandersetzt.

Hinweis: 

„Luther und die Avantgarde“ ist bis zum 17. September im Alten Gefängnis zu sehen, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr. Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Kinder bis 12 Jahre frei. An 40 Tagen gibt es eine Besucherschule mit Bazon Brock, jeweils von 11.30 bis 14.30 Uhr, die ersten Termine sind am 22., 26., 27. und 28. Mai sowie vom 3. bis 5. Juni, am 11., 15., 16. und 17. Juni. Der Katalog zur Ausstellung kostet 33 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro.




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