Prof. Walter Smerling begrüßt die Preview-Besucher auf dem Innenhof des Alten Gefängnisses.

Prof. Walter Smerling begrüßt die Preview-Besucher auf dem Innenhof des Alten Gefängnisses.

20.05.2017

„Luther und die Avantgarde“: Kulturelles Highlight der Weltausstellung Reformation

Preview im Alten Gefängnis begeisterte 100 Wittenberger

Wittenberg (wg). „Die Rückmeldungen waren großartig“, freut sich Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) über die Resonanz der von der Stadt und dem Wittenberger Sonntag gemeinsam gestarteten Aktion: 100 Wittenberger konnten am vergangenen Dienstag die einmalige Chance nutzten, die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ im Alten Gefängnis im Rahmen eines Previews zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung in Augenschein zu nehmen. 

Auch Prof. Walter Smerling, Sprecher des Ausstellungs-Kuratoriums, war von der Offenheit der Wittenberger sehr angetan, er präsentierte ihnen nach dem Rundgang im Innenhof des Alten Gefängnisses auch das erste druckfrische Exemplar des 368 Seiten starken Katalogs, den viele der Preview-Teilnehmer erwerben wollen, liegt doch mit dem Werk, das mehrere lesenswerte Essays enthält und jedem der 69 Künstler vier informative Seiten widmet, ein Kompendium zur zeitgenössischen Kunst vor. 

„Viele Wittenberger waren regelrecht entzückt, als sie zum alten Schornstein auf dem Dach des Gefängnisses blickten“, erinnert sich Smerling. Anstelle des alten, verrosteten Gitters sahen sie ein mit Blattgold vergoldetes Geländer, das vor allem bei Sonnenlicht weit hinaus strahlt – krönender Abschluss für ein Gefängnis? Dieser Beitrag stammt von Ayse Erkmen, einer gelernten Bildhauerin. Der bekannte Spruch „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ verkehrt sich hier ins Gegenteil. Erkmens ebenso feinsinnige wie minimalistische Geste fordert – vor allem an diesem Ort – zum Nachdenken über Individualität und Freiheit heraus. 

„Am Wochenende beginnt die Weltausstellung Reformation, endlich geht es los“, begrüßte der OB die 100 Wittenberger. Jahrelang habe man geplant, unzählige Sicherheitskonzepte geschrieben, jetzt würden die Projekte, wie die  Pavillons in den Wallanlagen mit Leben erfüllt. „Während das Panoramabild von Yadegar Asisi einen niederschwelligen Einstieg bietet, wird bei ‚Luther und die Avantgarde’ der Betrachter bei jedem einzelnen Kunstwerk gefordert“, sagte Zugehör, der Prof. Smerling für seinen unermüdlichen Einsatz dankte, das arrivierte und manchmal auch vor dem Aus stehende Projekt erfolgreich ins Ziel geführt zu haben. 

„Für Sie ist das heute ein Preview, für uns auch ein Test“, sagte Smerling und: „Sie sind freiwillig hier, aber wer geht schon gerne in ein Gefängnis?“ Das sei nur möglich, weil hier etwas Außergewöhnliches passiere: Aus einem Gefängnis werde ein Kunstmuseum auf Zeit, Zellen würden zu Ausstellungsräumen und Gefängnismauern zu Bild- und Bedeutungsträgern. 

So wies Smerling auf die scheinbar paradoxe Arbeit im Innenhof von Andreas Slominski hin: eine Lärmschutzwand an der Außenwand des Gefängnisses, ergänzt durch ein entsprechendes Gegenstück auf der Innenwand. Eine Schutzwand wird geschützt, so könnte man die ans Absurde grenzende Funktionslosigkeit interpretieren. 

„Die Freiheit wird immer wieder in Frage gestellt und die Würde des Menschen immer wieder angetastet“, erklärte Smerling. Dazu hätten die Künstler sehr unterschiedliche Positionen bezogen. Eine sehr eindrucksvolle nahm Ai Weiwei ein, der chinesische Künstler und Menschenrechtler machte seine eigene Inhaftierung zum Thema: Seine in einem Betonblock eingeschlossene Figur zeigt ihn während seiner 81 Tage langen, geheim gehaltenen Inhaftierung 2011. 

Diese Arbeit habe ihn sehr berührt, sagt Fritz-Peter Schade. „Man spürt die tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Luther und die Avantgarde’. Eine solche Ausstellung in einem ehemaligen Gefängnis zu inszenieren, ist beeindruckend, ich hoffe, dass dieses Objekt nach der Ausstellung eine sinnvolle Nachnutzung erfährt.“ Beeindruckt habe ihn auch die Arbeit der Italienerin Marzia Migliora, die die Gefängniszelle in einen Tresorraum mit stilisierter Kirchenbank verwandelte als Hinweis auf Kapitalismus als Religionsersatz.

Danny Hoffmann lobte vor allem die kontrastreiche Bandbreite der gezeigten Arbeiten, darunter die Installation von Jonathan Meese, der mit Wandmalerei, Plastik und Multimedia die Furcht Luthers vor dem Teufel aufgriff.

Uwe Branschke war von Zhang Huans Arbeit „Ash Banquet no.3“ begeistert, gefertigt aus der Asche von Räucherwerk aus buddhistischen Tempeln in China, zeigt es das Abendmahl nach der berühmten Vorlage Leonardo da Vincis. „Der Ausstellungsrundgang war beeindruckend, trotzdem konnte man die vielen Eindrücke gar nicht alle verarbeiten, deshalb werde ich mir die Ausstellung auf jeden Fall ein zweites Mal anschauen und ich freue mich auf den Katalog, um die Eindrücke zu Hause in Ruhe vertiefen zu können“, meinte Branschke. 

Die Ausstellung ein zweites Mal besuchen wollen fast alle der Preview-Besucher, dann zusammen mit Verwandten, Freunden und Bekannten.




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