Ministerpräsident Reiner Haseloff (m.), Rektor Franz Xaver Brandmayr und Stadtkirchenpfarrer Johannes Block bei der Ausstellungseröffnung in Sankt Marien. Foto: Wolfgang Gorsboth

Ministerpräsident Reiner Haseloff (m.), Rektor Franz Xaver Brandmayr und Stadtkirchenpfarrer Johannes Block bei der Ausstellungseröffnung in Sankt Marien. Foto: Wolfgang Gorsboth

13.05.2017

Grenzgänge zwischen dem Geist der Kunst und der Reformation

„Wir sind Bettler, das ist wahr“

Wittenberg (wg). Ein „hochinteressantes Ausstellungskonzept“, lobte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Exposition „Ernst Barlach – Käthe Kollwitz. Über die Grenzen der Existenz“, die am Samstag in der Stadtkirche eröffnet wurde. Anschließend ging es ins Schloss, wo der Hauptteil der Schau in den neuen Räumen der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg zu sehen ist, die zu diesem Anlass offiziell eröffnet wurden.

Die Ausstellung, so Haseloff, sei auch eine Mahnung, dass es in Deutschland nie wieder eine Zeit geben dürfe, in der Werke von Künstlern wie Barlach und Kolliwitz als „entartet“ verboten und zerstört würden. Haseloff begrüßte das Ehepaar Ulrich Scheufelen und Gisela Meister-Scheufelen, die ihre wertvolle Sammlung christlicher Kunstwerke des 19. und 20. Jahrhunderts der Stadt Wittenberg zugestiftet haben. Dabei, so Haseloff, handele es sich um eine der arriviertesten Kunstsammlungen in Sachsen-Anhalt. 

Der MP begrüßte auch Franz Xaver Brandmayr, den Rektor des Päpstlichen Instituts Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima in Rom. Die Kirche, die auch Luther während seines Romaufenthalts besuchte und in den Tischreden als beste aller Kirchen in Rom bezeichnete, bietet allen deutschprachigen Pilgern in der Ewigen Stadt eine Heimat. Brandmayr besuchte am Vortag die Eröffnung der Ausstellung „Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger“ auf der Albrechtsburg Meißen. 

Dass die Stiftung Christliche Kunst, die sich vormals im Alten Rathaus befand, ins Schloss gehöre, betonte Oberbürgereister Torsten Zugehör (parteilos). Im Schloss sei schließlich der Genius loci der Reformation sicht- und spürbar. Überdies schloss sich der OB dem Wunsch von Wittenbergs Ehrenbürger Friedrich Schorlemmer an, dass das Güstrower Ehrenmal („der schwebende Engel“) auf Dauer in der Schlosskirche verbleiben möge. 

Barlachs überlebensgroßer „Bettler“ von 1930, die Bronzefigur steht im Altarraum von St. Marien, zählt zu den qualitätsvollsten und beeindruckendsten Schöpfungen des Künstlers. Sie entstand im Rahmen der Planung eines großangelegten Figurenzyklus für die Fassade der Katharinenkirche in Lübeck unter dem Thema „Gemeinschaft der Heiligen“. Realisiert hat Barlach nur drei Figuren, die während der Nazizeit beschlagnahmt und erst 1947 wieder in die Westfassade der Katharinenkirche eingefügt wurden. 

Die Figur des Bettlers fand Barlach 1906 auf seiner Reise durch das südliche Russland. Für den Künstler ist der Bettler ein Symbol gegen die menschliche Gier und blinde Fortschrittsgläubigkeit des industriellen Zeitalters - der Bettler als Symbol der menschlichen Existenz schlechthin.

Stadtkirchenpfarrer Johannes Block verwies auf Luthers letztes schriftliche Zeugnis kurz vor seinem Tod: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“ Das Thema der Ausstellung „Über die Grenzen der Existenz“ führe in die Mitte der reformatorischen Theologie, die über die Grenzen der Existenz aufklären (Grenzen und Verwundbarkeit des Menschen)und zugleich hinausschauen (Den Mensch von sich selbst befreien) wolle. 

Die Ausstellung, so Block, lade zu Grenzgängen zwischen Reformation und Moderne, zwischen Kunst- und Gottgläubigkeit ein. „Kunst und Religion sind Zwillingsschwestern, die vieles gemeinsam haben wie Anmut und Andacht, Geist und Inspiration“, betonte Block. 

Barlach wie auch Kollwitz können heute als Botschafter einer tiefen Humanität betrachtet werden, die sich für eine bessere Welt engagierten. Während bei Barlach das Mystische dominiert, ist es bei Kollwitz vor allem die soziale Dimension. „Beide Künstler beschreiben die Grenzen der realen Existenz und beide fanden in Luther eine geistige Kraft“, erklärte Heike Stockhaus, Kuratorin der Ausstellung. Den Arbeiten der Künstler habe man Luther-Zitate gegenübergestellt, Äußerungen des Reformators zur sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit. 

Hinweis: 

Die Ausstellung im Schloss, in der Stadt- und in der Schlosskirche ist bis zum 27. August zu sehen, Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr.




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