Anblick am dritten deutschlandweiten Tag der Städtebauförderung: Der historisch wertvolle und auf dem Arsenalplatz mühsam ausgegrabene Hans-Lufft-Keller gammelt seit Jahren in der Tiefgarage des Einkaufszentrums Arsenal in Wittenberg vor sich hin. Hans Lufft druckte einst in Wittenberg die ersten Exemplare von Luthers Bibelübersetzung. Foto: privat

Anblick am dritten deutschlandweiten Tag der Städtebauförderung: Der historisch wertvolle und auf dem Arsenalplatz mühsam ausgegrabene Hans-Lufft-Keller gammelt seit Jahren in der Tiefgarage des Einkaufszentrums Arsenal in Wittenberg vor sich hin. Hans Lufft druckte einst in Wittenberg die ersten Exemplare von Luthers Bibelübersetzung. Foto: privat

13.05.2017

Bisher keine Einigung im langen Fördermittel Hin und Her

Druckerkeller von Hans Lufft leidet im Parkhaus des Arsenal

Wittenberg (wm). Die Stadtverwaltung hat die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, die „Städtebauförderung in der Lutherstadt Wittenberg zu erleben.“ Anlass: Am heutigen Samstag, dem 13. Mai, findet deutschlandweit der dritte „Tag der Städtebauförderung“ statt. Und auch auf diesem Gebiet hat die Lutherstadt einiges zu bieten. Zum Beispiel die Klosterkirche / Historische Stadtinformation am Arsenalplatz. Hier findet um 13:30 Uhr eine Führung mit Diplom-Historikerin Elke Strauchenbruch statt. 

In der Einladung heißt es. „Das wird bestimmt interessant, denn in der ehemaligen Franziskanerklosterkirche wird die Geschichte des Geschlechts der Askanier präsentiert - und damit der Ursprung des heutigen Sachsen-Anhalt. Ausgangspunkt für das Projekt war der Fund der Gebeine des askanischen Kurfürsten Rudolf II. (circa 1307 bis 1370), seiner Gemahlin und der Tochter im Jahre 2009. Die Gebäudesanierung und Ausstellungsgestaltung wurde mit mehr als fünf Millionen Euro aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe - Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur gefördert.“ 

Mit diesen Worten hat die Stadtverwaltung Wittenberg die interessierten Bürgerinnen und Bürger auf einen Besuch der Attraktion eingestimmt.

Dem interessierten Bürger Jens Förster aus dem Ortsteil Griebo kommen dabei die Tränen, aber nicht vor Freude, er schreibt an die Redaktion des Wittenberger Sonntag: „Erinnern Sie sich an den Hype vor dem Bau des Einkaufscenters Arsenal? Richtig, historische Fundamente, den Buchdruckerkeller von Hans Lufft gefunden, Minkwe, jüdisches rituelles Bad auch? Dann kam der Bau des Arsenal, in dessen Tiefe der Tiefgarage die Ausgrabungen nun seit der Eröffnung 2012 schlummern. Getarnt durch einen Bauzaun und zugeschüttet durch Müll, Fäkalien, Einkaufswagenwrack und vielen anderen Dingen…“ 

Die historisch wertvolle Ausgrabung von Martin Luthers Bibeldrucker Hans Lufft leidet seit Jahren vor sich hin? Kaum zu glauben - ist aber war. Der Wittenberger Bürgermeister Jochen Kirchner hat nach Anfragen der Redaktion des Wittenberger Sonntag die wesentlichen Daten zusammentragen lassen:

X Im November 2013 wurde von der Stadtverwaltung für die archäologischen Funde bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt ein Antrag auf Zuwendung zur Förderung wirtschaftsnaher Infrastruktur gestellt. 

X Im Januar 2014 wurde der Minister für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt mit der Bitte um Unterstützung des Antrages angeschrieben. 

X Im März 2014 wurde der Stadt mitgeteilt, dass die Maßnahme nicht aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" gefördert werden kann und das Anliegen an das für Denkmalpflege und Archäologie zuständige Kultusministerium weitergeleitet werde. 

X Im März 2015 erfolgte nochmals Schriftverkehr mit dem Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft. Erfolglos. 

X Im September 2015 wurde das Kultusministerium angeschrieben mit Verweis auf den gestellten Zuwendungsantrag und den erfolgten Schriftverkehr mit dem Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaften und mit der Bitte um Unterstützung zur Sicherung, Erhalt und Präsentation der Funde auf dem Arsenalplatz. Ohne Erfolg. 

X Im November 2015 wurden die kompletten Antragsunterlagen sowie der vollständige Schriftverkehr dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle übergeben. 

X Im September 2016 informierte die Stadt den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff über den Sachstand und bat ihn um Unterstützung. Zuvor hatte die Einkaufzentrum Wittenberg GmbH als Betreiberin „Arsenal“ mitgeteilt, dass der Verfallprozess der Funde weiter voranschreiten würde und eine feste Einhausung zum Schutz vor Beschädigungen und Zerstörungen erforderlich sei. 

X im November 2016 bestätigte Haseloff die Notwendigkeit des Erhalts sowie eine angemessene Konservierung und Präsentation der Fundstelle. Der MP eröffnete die Möglichkeit, einen Zuwendungsantrag auf Gewährung von Denkmalpflegefördermitteln beim Landesverwaltungsamt zu stellen. 

X Im Dezember 2016 informierte die Stadt die Einkaufszentrum Wittenberg GmbH und sagte dieser Gesellschaft die Unterstützung seitens der Lutherstadt weiter zu.

X In 2017 sind Abstimmungen mit dem Landesverwaltungsamt erfolgt. Kürzlich kam die Nachricht, Förderungen in Höhe von 50 % - in Ausnahmefällen von bis zu 90 % bei privaten Antragstellern - seien möglich. 

Leser Jens Förster findet diesen langen Weg mehr als merkwürdig: „Geht das etwa nach dem Motto, baut erst einmal, dann sehen wir weiter?“ 

Die für die Baugenehmigungen in Stadt und Kreis Wittenberg zuständige Kreisverwaltung wehrt ab: „Der Antragsteller für den Bau des Arsenal musste gewisse Vorleistungen erbringen“, sagt Pressesprecher Ronald Gauert, „und der Landeskonservator im Landesamt für Denkmalpflege hat uns ‚grünes Licht’ dafür signalisiert, dass wir den Bauantrag für das Arsenal genehmigen können. Über Details zu möglichen Absprachen zwischen Landesamt und dem Investor ist die Kreisverwaltung nicht informiert worden.“ 

X Beim Landesamt für Denkmalpflege war man nach der Anfrage der Redaktion des Wittenberger Sonntag über mögliche Bedingungen zum Bauantrag oder Absprachen zwischen dem Arsenal-Investor und dem Landesamt vermutlich „vor Entsetzen starr“: Bis Druckbeginn dieser Ausgabe kam keine Antwort.




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