Das Alte Gefängnis in Wittenberg ist Ausstellungsort von „Luther und die Avantgarde“. Foto: Wolfgang Gorsboth

Das Alte Gefängnis in Wittenberg ist Ausstellungsort von „Luther und die Avantgarde“. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.05.2017

Gemeinsame Aktion der Stadt Wittenberg und des Wittenberger Sonntag

Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ im Gefängnis besuchen

Wittenberg (wg). „Luther und die Avantgarde“: Zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung können 100 Bürgerinnen und Bürger der Lutherstadt Wittenberg diese hochkarätige Ausstellung im Alten Gefängnis hautnah erleben und anschließend noch mit Oberbürgermeister Torsten Zugehör plaudern. Das ist eine ebenso spannende wie gemeinsame Aktion der Lutherstadt Wittenberg und des Wittenberger Sonntag. Wer dabeisein will, schreibt eine E-Mail an   und gibt als Betreff „Altes Gefängnis“ an.

„Gemeinsam mit dem Asisi-Panorama ist die Ausstellung im Alten Gefängnis das außergewöhnliche Highlight, das wir in diesem Reformationssommer erleben dürfen“, schwärmt Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos), „ein Kunstevent, der uns für vier Monate in einer Liga mit Städten wie New York, London und Berlin sowie der in der Kunstszene etablierten ‚documenta’ in Kassel spielen lässt.“ 

„Luther und die Avantgarde“ wird offiziell am 18. Mai eröffnet. Die Stadt Wittenberg und der Wittenberger Sonntag bieten in einer gemeinsamen Aktion 100 Leserinnen und Lesern, die einmalige Chance die Kunstwerke der circa 70 Künstlerinnen und Künstler zwei Tage vorher exklusiv und hautnah in einer Preview in Augenschein zu nehmen. 

„Diese Aktion ist ähnlich wie der freie Eintritt zum Stadtfest Luthers Hochzeit als Dank an die Wittenberger gedacht“, so Zugehör. Der OB spricht vom „absoluten who is who der aktuellen Kunstszene“, die im ehemaligen Gefängnis eigens angefertigte Arbeiten ausstellen wird. „Ich wünsche mir Offenheit und Neugierde und die Bereitschaft, sich auf dieses einmalige Projekt einzulassen“, betont der OB. Welchen Stellenwert diese Exposition habe, merke man an den Rückmeldungen aus aller Welt, die in der Stadtverwaltung eintreffen: „Es gab sogar Anfragen, wo man in der Stadt am besten mit dem Hubschrauber landen könne“, so der OB. 

Inspirierend und provokant 

Die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ nimmt das 500. Reformationsjubiläum zum Anlass, sich mit aktuellen künstlerischen Positionen zu befassen, die einen innovativen, gesellschaftlich relevanten Ansatz haben, der sich durch den Willen nach Veränderungen durch Entwürfe künstlerischer Utopien und Visionen auszeichnet. Dabei steht Luther nicht als historische Person im Vordergrund, sondern als „Modell“ für eine progressive Haltung, der Reformator als Avantgardist.

„Luther und die Avantgarde“ ist ein Herzstück der Weltausstellung Reformation, sie wird nicht historisierend zurückblicken, vielmehr in der Kunstsprache des 21. Jahrhunderts Haltungen der beteiligten Künstler zu Themen wie Freiheit, Individualität, Widerstand, Kommunikation und mediale Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen. Dass gerade für das Thema Freiheit ein ehemaliges Gefängnis ein ebenso inspirierender wie provokanter Ausstellungsort ist, versteht sich von selbst

Ai Weiwei, der chinesische Künstler, Menschenrechtler und Dissident, der wegen regierungskritischer Äußerungen in China inhaftiert worden war, stellt in Zelle 210 aus. Den konvertierten Katholiken Markus Lüpertz fasziniert die Ambivalenz Luthers, er nähert sich dessen vielschichtigen Persönlichkeit bildhauerisch und unter Rückgriff auf die Tintenfass-Legende. 

Marzia Migliora verwandelt eine Zelle in einen Tresorraum, in dessen Mitte sich eine an Kirchenbänke erinnernde Stufenleiter befindet. Walter Benjamins Definition vom Kapitalismus als Religionsersatz und der Verflechtung von monetärer und moralischer Schuld folgend, verlagert sie die historische Schuld der Kirche in eine Bank und spielt so auf die moralischen und ökonomischen Verflechtungen im Zeitalter des Kapitalismus an. 

Die in Berlin und Peking lebende Künstlerin Jia thematisiert den Verlust der chinesischen Kultur in Form der verlorenen Schriftzeichen, die in den 1950er Jahren von der Kommunistischen Partei verboten wurden. Der 1986 in Moskau geborene und heute in Düsseldorf lebende Künstler Yury Kharchenko setzt sich mit Luthers Verhältnis zu den Juden auseinander und Jonathan Meese wird eine Zelle mit einem Manifest über den Teufel gestalten. 

Ermöglicht wird die Ausstellung „Luther und die Avantgarde“ durch die Unterstützung der EKD, die in dem Projekt eine einmalige Chance sieht, die Fragen der Reformation auch zeitgenössisch und künstlerisch zu beleuchten und gleichzeitig der Kunst den nötigen Freiraum zu geben.

Preview im Alten Gefängnis  

 Die 100 Wittenberger werden am 16. Mai um 16.30 Uhr im Innenhof des Alten Gefängnisses von Prof. Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und Sprecher des Ausstellungs-Kuratoriums sowie OB Zugehör begrüßt. Prof. Smerling wird eine Einführung in die Ausstellung geben, der OB über die Geschichte des Gebäudes sprechen, anschließend kann sich jeder Gast individuell auf einen Ausstellungs-Rundgang begeben. 

Nach dem Rundgang stehen der Sprecher des Kuratoriums und der OB für Gespräche zur Verfügung, es gibt Sekt, Saft und Selters sowie Brezel. 

Hinweis: 

Wer an der Preview am 16. Mai um 16.30 Uhr im Alten Gefängnis teilnehmen möchte, meldet sich bitte bei der Stadt unter der E-Mail:    , dabei bitte als Betreff „Altes Gefängnis“ angeben. Nach dem Windhund-Prinzip machen die ersten 100 Einsender das Rennen. Bitte zur Preview den Personalausweis mitbringen, denn das Angebot richtet sich ausdrücklich nur an Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt – nicht an Ex-Wittenberger und gefühlte Wittenberger, sondern an Menschen, die in dieser Stadt regulär gemeldet sind. 

„Wir werden Nicht-Wittenberger konsequent wegschicken“, kündigt Stadtpressesprecherin Karina Austermann vorsorglich an.




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