Detlef Beck arbeitet unter anderem für Die Zeit, den Eulenspiegel und Cicero.

Detlef Beck arbeitet unter anderem für Die Zeit, den Eulenspiegel und Cicero.

03.05.2017

Ausstellung „Unheilige Bilder“ im Hof des Wittenberger Stadthauses

Teuflisch gute Kirchenwitze

Wittenberg (wg). „Unheilige Bilder – Cartoons zu Kirche und Religion heute“ ist eine Ausstellung, die die Berliner Cartoonfabrik speziell für die Lutherstadt konzipiert hat, ebenso den Katalog dazu. Zu sehen sind die Cartoons als hochwertige digitale und wetterfesten Drucke im Hof des Stadthauses, zur Eröffnung am Freitag, dem 5. Mai um 18 Uhr spricht der Hamburger Cartoonist Til Mete, der für den „Stern“ zeichnet. Schirmherr der Ausstellung, die erste überhaupt im Stadthof, ist Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos). 

Auf den OB und auf Stadtrat Volker Werner (Freie Wähler) geht auch die Idee zu dieser Ausstellung zurück. Beide hatten im Ostseebad Prerow das „Cartoonair am Meer“ besucht, ein deutschlandweit einzigartiges Karikaturen-Freiluftfestival, das 2008 aus der Taufe gehoben wurde und jedes Jahr die besten Cartoonisten zu thematischen Ausstellungen versammelt – in diesem Jahr übrigens zum Thema „Fitte Bilder – Cartoons zum Wohlfühlen.“ 

So entstanden die Kontakte und die Berliner Cartoonfabrik wird unter dem Motto „Unser täglich Witz gib uns heute!“ rund 200 Cartoons der 60 besten Cartoonisten aus Deutschland und Österreich zum Thema Kirche und Religion 500 Jahre nach Beginn der Reformation zeigen. Und wo passt diese Exposition besser hin als nach Wittenberg? Ein willkommener Kontrapunkt mit Blick auf alle offiziellen Luther- und Reformationsfeierlichkeiten! Und wem die Arbeiten zu polemisch sein sollten, sei daran erinnert, dass die vor 500 Jahren mit Flugblättern und Flugschriften geführten Auseinandersetzungen deutlich rüder und diffamierender waren. 

Primitive, gar blasphemische Gags gegen den Glauben zeigt die Ausstellung nicht, wohl aber bissige, hintergründige und lustige Cartoons, die auf regen Besucherzuspruch stoßen dürften. Im Zentrum steht das Christentum, einige Arbeiten befassen sich auch mit dem Islam. Ein Beispiel des Cartoonisten Gerhard Glück, der Anfang des Jahres mit dem „Göttinger Elch“ ausgezeichnet wurde: Zwei Geistliche schauen aus dem Bogenfenster eines prunkvollen Baus, sagt der eine zum anderen: „Ich glaube, mit der Abschaffung der Gottesgerichte und der Hexenverbrennungen haben wir unsere publikumswirksamen Events verloren.“ Da hilft auch kostenlosen WLAN in der Kirche nicht, um die Bänke zu füllen. 

Ursprünglich wollte die Stadt die Ausstellung als eigenes kommunales Reformationsprojekt in den Förderantrag des Landes integrieren, dies war aber gescheitert, so dass der Verein Wittenberg-Kultur als Projektträger eingesprungen ist. Die beantragte Förderung in Höhe von 6.000 Euro hat der Kulturausschuss genehmigt. 

„Es gibt vier gute Gründe, diese Ausstellung im Stadthaus zu zeigen“, sagt Johannes Winkelmann, Vorsitzender des Vereins Wittenberg-Kultur und Geschäftsführer der Marketing Wittenberg GmbH. „Erstens kann die im Stadthaus ansässige Touristen-Information die Aufsicht und den Verkauf der Eintrittskarten übernehmen, zweitens machen wir Werbung für das Stadthaus und animieren zu einem Besuch der Klosterkirche, drittens wird Mitte Mai die Ausstellung „Auge in Auge“ von Ulrike Kirchner an der Westseite des Parkhauses eröffnet - vom Hof des Stadthauses aus gut zu sehen - und viertens wird diese Cartoon-Exposition ein Publikumsmagnet.“ 

Cartoonfabrik 

1991 gründeten elf Karikaturisten und zwei Journalisten den Verein Cartoonfabrik, um Cartoons und Karikaturen durch Ausstellungen und Publikationen zu fördern. Erste Ausstellung war der erste Köpenicker Karikaturensommer 1992 als internationaler Wettbewerb zum Thema Geld. Seitdem haben fast eine Millionen Besucher die rund 200 Ausstellungen des Vereins in ganz Deutschland gesehen. 

Hinweis: 

Die Ausstellung „Unheilige Bilder“ wird am 5. Mai um 18 Uhr eröffnet, zu diesem Anlass werden Cartoonisten der Ausstellung Kataloge signieren. Für die musikalische Unterhaltung sorgt Mr. Frog goes fishing. Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober im Hof des Stadthauses zu sehen, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von zwei Euro gibt es in der Tourist-Information, dort ist auch der 170 Seiten starke Ausstellungskatalog zum Preis von 9,99 Euro erhältlich.




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