Prof. Dr. Helmut Zühlke bekommt am 9. Mai in Magdeburg von Ministerpräsident Reiner Haseloff das Bundesverdienstkreuz verliehen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Prof. Dr. Helmut Zühlke bekommt am 9. Mai in Magdeburg von Ministerpräsident Reiner Haseloff das Bundesverdienstkreuz verliehen. Foto: Wolfgang Gorsboth

01.05.2017

Ein Leben für die Chirurgie

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Helmut Zühlke

Coswig (wg). Prof. Dr. Helmut Zühlke erhält am 9. Mai im Palais am Fürstenwall in Magdeburg das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Ministerpräsident Reiner Haseloff, die Urkunde wurde noch von Alt-Bundespräsident Joachim Gauck unterzeichnet. Mit der höchsten Anerkennung, die die Bundesrepublik für besondere Verdienste ausspricht, werden Zühlkes „außergewöhnliches wissenschaftliches Engagement auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie“ sowie sein „überragendes ehrenamtliches Wirken in verschiedensten Vereinen und Gremien“ gewürdigt. 

„Die Chirurgie ist eine Disziplin, in der man viel Können, Kraft, Zeit und Energie einsetzt, dafür aber sehr viel von den Patienten zurückbekommt“, erklärt Prof. Dr. Zühlke im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. Als Chirurg müsse man psychisch sehr stabil sein, um Rückschläge und Niederlagen zu verkraften und in manchen Situationen müsse der Arzt einfach nur Demut haben. 

Die Chirurgie ist eine ideale Symbiose aus manuellen Fertigkeiten und großem medizinischen Wissen, für beides ist ein langer Ausbildungsweg erforderlich und lebenslanges Lernen. Insbesondere die manuellen Fertigkeiten müssen sukzessive erlernt und ständig trainiert und verbessert werden, was eine besondere Leistungsbereitschaft bei denen voraussetzt, die diesen Beruf erlernen wollen. 

Standen vor einigen Jahren Beruf und Karriere im Ranking noch ganz oben, so rangieren sie inzwischen nur noch an sechster Stelle, das heißt: „Auch bei Ärzten ist die Bereitschaft, Freizeit für Fort- und Weiterbildung zu opfern, gesunken.“ 

Mindestens so wichtig wie Leistungsbereitschaft ist die Empathie: „Wer Arzt werden will, sollte grundsätzlich ein Philanthrop sein, nur so kann er Empathie für seine Patienten entwickeln.“ 

Empathie im Arzt-Patienten-Verhältnis bedeutet eine Haltung: Es geht um einfühlendes Verstehen auf der Basis von Wertschätzung. „Vertrauen ist das wichtigste im Arzt-Patienten-Verhältnis und eine entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung, wozu auch die Aufklärung über Risiken gehört“, berichtet Zühlke. In diesem Sinne seien die Auswahlkriterien für das Medizin-Studium in den vergangenen Jahrzehnten nicht zielführend gewesen: „Von den Abiturnoten hängt nicht ab, ob jemand ein guter Arzt wird. Wer Medizin nur deshalb studiert, weil er einen Einser-Durchschnitt hat, ist hier falsch, ihm fehlt die Empathie für Menschen.“ 

Um ein besonders enges, auf Vertrauen basierendes Arzt-Patienten-Verhältnis ging es auch im Evangelischen Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg, wo Prof. Dr. Zühlke 22 Jahre als Chefarzt der Chirurgie arbeitete. Die Wittenberger Klinik ist eine der ganz wenigen Ausnahmen, wo Turmorpatienten alle Leistungen aus einer Hand erhalten – von der Diagnose über die medikamentöse Vorbehandlung, OP, medikamentöse Nachbehandlung und bei Bedarf auch palliative Begleitung bis in den Tod. An den meisten Kliniken dominiert die Spezialisierung, so dass für jeden Behandlungsschritt ein anderer Arzt zuständig ist. 

In Wittenberg hob Zühlke auch die Konferenzen Evangelischer Krankenhäuser Deutschlands aus der Taufe, beginnend im Jahre 2000 gab es alle zwei Jahre insgesamt neun Auflagen zu innovativen Leitthemen mit dem Ziel, Medizin, Wissenschaft und Forschung mit der Weiterbildung von Chirurgen zu verknüpfen. Dabei wurden auch Chirurgen aus den Altbundesländern einbezogen, um ihnen zu zeigen, auf welch hohem medizinischen Niveau in Ostdeutschland gearbeitet wird. Zugleich haben die „Wittenberger Konferenzen“ bewusst an die Universitätstradition der Lutherstadt angeknüpft. 

Von Anfang an lag ein Schwerpunkt auf dem chirurgischen Nachwuchs, der im „Jungen Forum“ erste Erfahrungen in der Präsentation medizinischer Ergebnisse sammeln konnte. Mit dem Bundesverdienstkreuz werden auch Zühlkes wissenschaftliche Leistungen geehrt, denn der gebürtige Borkumer hat in mehr als 40 Jahren die Chirurgie sowohl operativ als auch wissenschaftlich entscheidend mutgeprägt. 

Als Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, als Viszeralchirurg und anerkannter Experte für Phlebologie und Medikamentöse Tumortherapie verfügt Prof. Zühlke über ein Leistungsspektrum, das kaum noch ein Chirurg aufweisen kann. Er realisierte unzählige OP’s, darunter 150 Nierentransplantationen an der Seite von Urologen. Für seine Habilitation 1983, einer experimentellen Arbeit über die Transplantation der Bauchspeicheldrüse, bekam er den Hermann-Kümmell-Preis der Nordwestdeutschen Chirurgenvereinigung. Als „Highlight in seinem beruflichen Leben“ bezeichnet Zühlke die erste erfolgreiche simultane Nieren-Pankreastransplantation 1989 am Klinikum Steglitz in Westberlin.

Zühlke trug zur Professionalisierung laparoskopische OP-Techniken bei und entwickelte auch selbst OP-Methoden wie 1980, als er der erste deutsche Mediziner war, der die Angioplastie als begleitende Maßnahme zu konventionellen offenen gefäßchirurgischen Eingriffen einsetzte. 1988 publizierte er eine Monographie zum Thema „Septische Gefäßchirurgie“, die in diesem Jahr eine beträchtlich erweiterte Neuauflage unter dem Titel „Septische Gefäßmedizin“ erfahren wird. Dazu kommen weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen, Forschung, Lehrtätigkeit an der Charité und die Betreuung zahlreicher Doktorarbeiten. 

22 Jahre lang war Prof. Zühlke auch Vorsitzender der Fach- und Prüfungskommission für Gefäßchirurgie der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, er ist Ehrenmitglied des Tumorzentrums Anhalt und Ehrenmitglied der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung, deren Präsident er 2013/14 war. 2016 wurde er in Halberstadt für seine herausragenden medizinischen Leistungen mit dem renommierten Hans-Kehr-Preis ausgezeichnet. 

Klinikum Dessau

 Nach 22 Jahren am Paul-Gerhardt-Stift ging es für den damals 68-Jährigen am 31. März 2016 keineswegs in den verdienten Ruhestand, vielmehr arbeitete Zühlke im Herzzentrum Coswig weiter: Er hatte seit Bestehen des Herzzentrums 1998 mit diesem einen Konsultationsvertrag als Gefäßchirurg. 

Seit dem 1. August 2016 leitet er am Städtischen Klinikum Dessau die Klinik für Gefäß- und Endovaskuläre Chirurgie/Phlebologie. Dadurch konnte der Fachbereich Chirurgie in zwei leistungsstarke Kliniken neu strukturiert werden. Zühlkes Aufgabe besteht darin, den neu gegründeten Klinikbereich so effizient aufzustellen, dass er voraussichtlich noch in diesem Jahr in die Hände eines jüngeren Chefarztes übergeben werden kann. „Das Städtische Klinikum Dessau ist ein Haus, das schwarze Zahlen schreibt und den Ärzten ein komfortables Arbeiten ermöglicht“, lobt Zühlke. 

Nach Ablauf des befristeten Vertrages will sich der Mediziner endgültig in den Ruhestand begeben: „Als Chefarzt trägt man immer Verantwortung für das Ganze und nicht nur für das, was man selber macht. Deshalb ist es nur folgerichtig, eines Tages die Verantwortung in jüngere Hände abzugeben.“




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