Das Epitaph-Gemälde für Nikolaus von Seidlitz zeigt den verstorbenen Edelmann kniend am linken unteren Bildrand mit Familienwappen, im Zentrum den auferstandenen Christus, links daneben die Höllenfahrt Christi.

Das Epitaph-Gemälde für Nikolaus von Seidlitz zeigt den verstorbenen Edelmann kniend am linken unteren Bildrand mit Familienwappen, im Zentrum den auferstandenen Christus, links daneben die Höllenfahrt Christi.

15.04.2017

Pfarrer Dr. Johannes Block über das Epitaphgemälde in der Wittenberger Stadtkirche

Die Botschaft von Ostern

Wittenberg (wg). „Es gibt kein Ostern ohne Karfreitag, keine Versöhnung ohne Leid“, sagt Stadtkirchenpfarrer Dr. Johannes Block im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag und verweist auf die Botschaft des Epitaphgemäldes für Nikolaus von Seidlitz, das sich an der Südwand des Chores von Sankt Marien befindet. Das Bild zeigt Auferstehung und Höllenfahrt Christi, ursprünglich wurde es Augustin Cranach zugeschrieben, dem Sohn Cranachs des Jüngeren.

Nikolaus von Seidlitz stammte aus einer schlesischen Adelsfamilie, 1571 wurde er im Sommersemester an der Wittenberger Universität immatrikuliert, arbeitete hier als Lehrer und verstarb 1582 nach kurzer Krankheit im Alter von 30 Jahren. Beigesetzt wurde er im Chorraum der Stadtkirche. 

Auf dem Gemälde kniet der Adelige in frommer Erwartung der Auferstehung, er trägt wie auch die sechs schlafenden Wächter, die eigentlich das Grab bewachen sollen, zeitgenössische Harnische, die Auferstehung wird gewissermaßen in die Gegenwart verlegt. Im Zentrum des Bildes befindet sich der Auferstandene im roten Mantel mit Siegesfahne, Siegesgestus und Gloriole, aber auch mit den Wundmalen.

„Die Auferstehung oder besser die Auferweckung zeigt Gottes Macht als Schöpfer, gefeiert wird der Tod des Todes“, erklärt Block. „Es hat immer etwas Befremdliches, den Auferstandenen darzustellen, wei es keine direkten Zeugen, keinen physischen Beweis gibt.“ Für damalige Betrachter dürften solche Andachts- und Anschauungsgemälde gleichwohl von tröstender Kraft gewesen sein. Besonders interessant an dem Bild ist die im linken Hintergrund gezeigte Höllenfahrt Christi mit vier tierartigen Teufeln, Fabelwesen, die an Hieronymus Bosch erinnern.

In der Höllenfahrt wird Christus analog zur Hauptszene dargestellt: Er steht vor dem bogenförmigen Eingang zur Hölle, über der Rauch aufsteigt, während sich über dem auferstandenen Christus blauer Himmel mit weißen Wolken befindet. Jesus steht vor einer großen Ansammlung von Menschen, darunter auch Adam und Eva, die aus dem Paradies vertrieben wurden.

„Cranach der Jüngere hat hier eine für das Hochmittelalter traditionelle Darstellung aufgegriffen“, berichtet Block. Für Gläubige der damaligen Zeit ging es um die Frage, ob jene Menschen, die vor der Auferweckung Jesu starben, auch eine Chance auf Erlösung haben. Die Darstellung gibt die Antwort: Gottes Macht reicht bis zu den Toten. 

„Die Auferweckung ist das Handeln Gottes, er bekennt sich damit zu den Beschuldigten, Verurteilten und Gekreuzigten“, so Block. Dem knienden Edelmann von Seidlitz ist die Auferstehung gewiss. Zwar berichten die Evangelien nichts bzw. nur andeutungsweise über die Höllenfahrt Christi, doch wurde sie bereits in der Frühzeit des Christentums in das Apostolische Glaubensbekenntnis aufgenommen, in dem es heißt „...gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tag auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel ...“. 

Luther wertschätzte das Apostolikum sehr, heute bekennen es die evangelischen Kirchen in Gemeinschaft mit der römisch-katholischen, der altkatholischen Kirche, der anglikanischen Kirche und anderen Kirchen. „Gottes Handeln ist Heilshandeln am Menschen“, sagt der Stadtkirchenpfarrer. Es gehe um Soteriologie, um die Lehre von der Erlösung des Menschen durch Gott, in diesem Sinne sei Theologie als Ganzes Soteriologie. 

Doch die Lehre von der Erlösung wirkt heute fremd in einer säkularisierten Welt. Sieht sich der moderne Mensch überhaupt noch als erlösungsbedürftig und wenn ja wovon? Von Sündenschuld und ewiger Verdammnis oder ganz anderen Dingen? „Die meisten Menschen verschlafen Ostern wie jene sechs Wächter auf dem Epitaphgemälde“, erklärt Block. „Statt die Auferstehung und das Heil zu feiern, wird am verlängerten freien Wochenende Kurzurlaub gemacht und der Freizeit gefrönt.“ 

 Gottesdienste zu Ostern

 In der Stadtkirche wird in der Osternacht am 15. April um 22 Uhr Gottesdienst gefeiert. Am Ostersonntag hält Pfarrer Alexander Garth um 7 Uhr auf dem Friedhof in der Dresdener Straße die Andacht, Gottesdienste sind um 9.30 Uhr in Friedrichstadt (Pfarrer Johannes Block), 10 Uhr in der Stadtkirche (Pfarrerin Kristin Jahn) sowie um 10 Uhr mit Abendmahl in der Schlosskirche (Superintendent Christian Beuchel). 

Den Kantatengottesdienst am Ostermontag um 15 Uhr hält Pfarrer Karl Friedrich Ulrichs in der Schlosskirche 

Souvenirs für den Eigenanteil

7,8 Millionen Euro hat die Sanierung der Stadtkirche gekostet, bislang sind mehr als 1,250 Millionen Euro an Spenden eingegangen, mithin fehlen noch knapp 250.000 Euro, um den Eigenanteil von 1,5 Millionen Euro aufzubringen. Um diesen zu erwirtschaften, verkauft die Stadtkirche Souvenirs, wie zum Beispiel die Uhr der Stadt- und Pfarrkirche Sankt Marien zum Preis von 43 Euro, deren Ziffernblatt aus originalem Sandstein der Stadtkirche um 1500 besteht und sowohl Luther als auch das Gotteshaus zeigt. Das gute Stück mit Schweizer Uhrwerk wurde in limitierter Auflage von 1.517 Exemplaren hergestellt.

Unikate sind die vom Augustinuswerk angefertigten Umhängetaschen, die aus der Schutzplane gefertigt wurden, die während der Sanierungsphase eineinhalb Jahre die Stadtkirche teilte und Details des aus Schutzgründen verhüllten Cranachschen Reformationsaltar zeigte. Die mit Zertifikat versehenen Taschen kosten je nach Prominenz des Motivs 95 bzw. 145 Euro. Das nur in 50 Exemplaren in Handarbeit hergestellte Keramik-Modell der Stadtkirche kostet 28 Euro.




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