Dr. Christel Panzig, Direktorin des Hauses der Geschichte, an einem der Terminals mit Touchscreenfunktion. Fotos: Wolfgang Gorsboth

 Dr. Christel Panzig, Direktorin des Hauses der Geschichte, an einem der Terminals mit Touchscreenfunktion. Fotos: Wolfgang Gorsboth

03.04.2017

Touchscreen und Audioguide im Haus der Geschichte

Moderne Medien für die Wissensvermittlung

Wittenberg (wg). Mit Wandterminals sowie Audioguides bietet das Haus der Geschichte neben den „klassischen“ Führungen zum „Alltag in Mitteldeutschland im 20. Jahrhundert“ neue Formen der Wissensvermittlung. 

„Zum einen sind unsere Räumlichkeiten begrenzt, so dass es kaum Möglichkeiten zusätzlicher visueller Vermittlung von Geschichtskenntnissen gibt“, erklärt Museumsleiterin Dr. Christel Panzig im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Diese seien aber zum besseren Verständnis zeithistorischer Zusammenhänge unerlässlich. Zum anderen haben Veränderungen auf dem zweiten Arbeitsmarkt dazu geführt, dass es kaum mehr Mitarbeiter gibt, die durch adäquate Schulung auf qualifizierte Führungen vorbereitet werden können. 

Zudem nimmt sowohl der Anteil von Einzelbesuchern als auch von ausländischen Gästen zu, für die individuelle und mehrsprachige Führungen angeboten werden müssen. Weiterer Vorteil von Audioguides: Der Besucher bestimmt beim Rundgang durch das Museum sein eigenes Tempo und legt selber seine Schwerpunkte fest.

„Ohne die neue Technik müssten wir mangels geeigneter Museumsführer in ausreichender Zahl zunehmend Abstriche an der Qualität der Ausstellungsführungen hinnehmen, das hätte indes nicht zu akzeptierende fatale Auswirkungen auf die Reflexion des DDR-Alltags in der SED-Diktatur zur Folge“, betont Panzig. Gleichzeitig kommen immer mehr Besucher aus den alten Bundesländern und dem Ausland sowie immer mehr Kinder und Jugendliche, die das Leben in der DDR nicht aus eigener Erfahrung kennen, auch ihnen sollen die Ausstellungen zur Alltagskultur nicht unkommentiert gezeigt werden. 

„Wir können mit den neuen technischen Möglichkeiten Informationen über Ausstellungsobjekte vertiefen und den Alltag noch authentischer reproduzieren“, berichtet Panzig. Gleichzeitig könne man Zeitbezüge zu den politischen Ereignissen vom Kaiserreich über Weimarer Republik und Nationalsozialismus bis hin zur Nachkriegs- und Besatzungszeit sowie der Realität des SED-Staatssozialismus herstellen. 

Die dazu erforderlichen Text-, Ton- und Fotodokumente kann der Museumsbesucher auf Wandterminals abrufen, die sich auf jeder Etage im Haus der Geschichte befinden. „Mit diesen zusätzlichen Informationen können die Besucher unsere Wohnräume mit Leben erfüllen und anschaulich nachvollziehen, wie die Menschen hier in den verschiedenen Jahrzehnten gelebt haben“, so Panzig. 

Darüber hinaus verbinden aktualisierte und ansprechend gestaltete Text- und Bildtafeln die mitteldeutsche Sozial- und Alltagsgeschichte anschaulich und lebendig mit Stadtgeschichte und Landeskunde. Panzig: „Damit ergänzen wir nicht nur die bestehende Dauerausstellung, sondern heben sie auf ein qualitativ höheres Niveau und reagieren auf Ansprüche, die der Besucher heute an ein modernes Museum stellt.“ Eine besondere Zielgruppe des interaktiven Informationssystems sind junge Besucher, die angeregt werden, eine eigene Perspektive zu entwickeln und historische Zusammenhänge besser zu verstehen. 

In der dritten Etage vermittelt der Terminal multimediale Inhalte zum Alltag in Stadt und Region von der Kaiserzeit bis zur Sowjetischen Besatzungszone durch O-Töne von Zeitzeugen sowie Fotos und Dokumenten aus Schule und Lehre, Arbeits- und Lebensalltag. 

In der ersten und zweiten Etage sind unter anderem der Alltag in den 1950er Jahren mit sowjetischen Truppen in der Garnisonstadt Wittenberg, mit dem Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, der Entwicklung des Chemiestandorts, der Kollektivierung in der Landwirtschaft, aber auch Reformationsfeierlichkeiten und Lutherehrung in den Jahren 1967 und 1983 sowie die Aktivitäten der Umweltschützer und der kirchlichen Friedensbewegung nachvollziehbar. 

„Die Dokumentationen, die wir für die Terminals verwendet haben, stammen aus den umfangreichen Ton-, Text- und Bildarchiven des Hauses der Geschichte“, berichtet Panzig, „sie stehen damit einem größeren Nutzerkreis als bislang zur Verfügung.“ Insgesamt, zieht die Museumsleiterin ein Fazit, werde durch die Visualisierung und narrative Einbettung der Geschichtszeugnisse die Dauerausstellung „Mitteldeutscher Alltag im 20. Jahrhundert“ um wichtige Elemente der zu vermittelnden Wissensinhalte bereichert. 

Audioguide für Kinder 

Überdies wurde ein Audioguidesystem eingeführt, die Texte der für die Erwachsenen konzipierten Führungen wurden von Schauspielern gesprochen. Für Kinder ab sechs Jahren wurde ein eigenes Konzept entwickelt, hier sprechen Kinder die Texte, die von der freien Journalistin Susanne Reh erarbeitet wurden. „Kinder führen Kinder“, beschreibt Panzig die Zielsetzung, zudem seien die Texte mit Musik unterlegt, so dass die Führungen Hörspielcharakter haben. 

Früher bedeutete ein Museumsbesuch für Kinder vor allem Langeweile – nichts durfte angefasst werden, immer wurde zur Ruhe gemahnt. Heute weiß jeder, wie wichtig es ist, Kinder so früh wie möglich mit zahlreichen Eindrücken zu prägen, damit sie mit wachen Augen durchs Leben gehen, gefragt ist freiwilliges Lernen, verbunden mit Spaß, Spiel und Spannung. Dabei können Kinder Dinge, über die sie mehr wissen wollen, per Track selber aussuchen. 

Die Kinder erfahren viel darüber, wie ihre Vorgänger gewohnt und gespielt haben, was sie in der Schule lernten und wie sie ihren Eltern bei der Arbeit im Haushalt helfen mussten. Aber auch was Krieg für Kinder und ihre Familien bedeutete wird nicht verschwiegen und wozu Hunger Kinder verleitete. Die Toilette befand sich früher auf halber Treppe und nur einmal pro Woche wurde im Waschzuber gebadet. Dafür konnte man früher auf der Straße spielen, weil es so wenige Autos gab.




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