Matthias Monecke, Vorstand des Augustinuswerkes, vor dem Denkmal des heiligen Augustinus, das der Bildhauer Michael Weihe geschaffen hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

Matthias Monecke, Vorstand des Augustinuswerkes, vor dem Denkmal des heiligen Augustinus, das der Bildhauer Michael Weihe geschaffen hat. Foto: Wolfgang Gorsboth

30.03.2017

Augustinuswerk: Viele Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen

Mehr Teilhabe in allen Lebenslagen

Wittenberg (wg). Im Bundesteilhabegesetz wurden die Leistungen für Menschen mit Behinderungen neu geregelt mit dem Ziel, ihre Teilhabe und Selbstbestimmung zu stärken. Unter anderem werden die Eingliederungshilfe schrittweise aus dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe herausgelöst, das Wunsch- und Wahlrecht (etwa zur Wohnform) gestärkt und Assistenzleistungen im Bereich der persönlichen Lebensgestaltung besser berücksichtigt. „Das Behüter- und Beschützerdenken gehört der Vergangenheit an“, erklärt Matthias Monecke, Vorstand des Augustinuswerkes, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die Frage, was der Klient wünsche und was seine Ziele seien. Für das Augustinuswerk bedeutet dies, neue Wege zu gehen wie mit dem Modellprojekt „Intensiv Ambulant Betreutes Wohnen“ (IABW), eine entsprechende Leistungsvereinbarung mit dem Land wurde jüngst unterzeichnet. 

 „Das IABW ermöglicht es Behinderten, so zu wohnen, wie sie möchten, weil sie vor Ort alle erforderliche Unterstützung erhalten“, berichtet Monecke. Nicht jeder Behinderte bedürfe der stationären Eingliederungshilfe. Das neue Angebot werde man den Bewohnern im „Intensiv Betreuten Wohnen“ anbieten. Vorteil: Betroffene können die Pflegeversicherung in Anspruch nehmen und erhalten ein Mehr an Leistungen. Das, betont Monecke, sei bislang so nicht möglich gewesen, auch nicht mit dem Pflegestärkungsgesetz III. 

Das IABW startet am 1. April in Stadt und Kreis Wittenberg. Monecke schätzt, dass circa 90 Prozent der Klienten des Augustinuswerks den Wechsel in das IABW vollziehen werden. „Wir definieren uns als moderner Dienstleister, der zu den Klienten geht und alle Leistungen aus einer Hand anbietet, wobei der Behinderte grundsätzlich freies Wahlrecht hat, welche Pflegedienste er in Anspruch nimmt“, so Monecke. 

In Wittenberg kann das IABW mit dem bestehenden Personal abgedeckt werden, im Kreisgebiet sind fünf bis zehn Neueinstellungen erforderlich. Insgesamt will das Augustinuswerk in diesem Jahr bis zu 50 neue Mitarbeiter einstellen, die meisten in den Bereichen Kinderbetreuung und Altenpflege. 

Das Augustinuswerk ist in Sachsen-Anhalt die erste Einrichtung, die das IABW landkreisweit anbietet, Fördermittel gibt es keine, die Abrechnung erfolgt über Regelvergütung. Das auf zwei Jahre befristete Modellprojekt verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn keiner der beiden Partner kündigt. Da das IABW den Forderungen des neuen Teilhabegesetzes entspricht, geht Monecke davon aus, dass es in Zukunft Regelstatus besitzen wird. 

Beratungsstelle 

 Mitte des Jahres wird das Augustinuswerk in der Schlossstraße 30 in Coswig eine Beratungsstelle eröffnen, der Bauantrag wegen der Nutzungsänderung wurde bereits gestellt. „Uns ist es wichtig, ein breites Beratungsspektrum insbesondere zu Fragen der Eingliederungshilfe und der Altenpflege anzubieten“, sagt Monecke, „die Beratung ist grundsätzlich kostenlos.“ 

So sei vielen Betroffenen und deren Angehörigen oft nicht bekannt, dass sie Leistungen wie die Tagespflege als teilstationäres Angebot in Anspruch nehmen können. Älteren und hilfsbedürftigen Menschen wird hier die Möglichkeit gegeben, den Tag gemeinsam in der Gruppe zu erleben und von fachkundigem Personal betreut und versorgt zu werden, inklusive Mittagsversorgung. Die Tagespflege trägt wesentlich zur Entlastung von pflegenden Angehörigen bei. 

Inklusive Arbeit 

„Aufgrund des neuen Bundesteilhabegesetzes wird es in Zukunft auch zu Veränderungen in den Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) kommen“, erklärt der Vorstand des Augustinuswerkes. Ziel sei „inklusive Arbeit“, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention definiert. Künftig müsse es mehr Vermittlung von WfbM in den ersten Arbeitsmarkt geben. 

 „Auch uns trifft der demografische Wandel mit der Konsequenz, dass leistungsstarke Menschen mit Behinderungen immer häufiger in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden und somit unseren Werkstätten nicht mehr zur Verfügung stehen“, erläutert Monecke. Auf diese Entwicklung hat das Augustinuswerk reagiert und drei Integrationsbetriebe in Form gemeinnütziger GmbH’s gegründet – die Waschwerkstatt, die Tischlerei und die Energie und Service gGmbH.

Inklusionsbetriebe müssen eigenständige Tochterunternehmen sein, in ihnen sind 40 bis 50 Prozent der Arbeitnehmer Menschen mit Behinderungen. Solche Betriebe müssen sich im Wettbewerb behaupten, sie bieten reguläre Arbeitsplätze zu gängigen Konditionen wie Tariflohn und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 

„70 Prozent des Umsatzes unserer Werkstätten wird für Löhne ausgegeben“, berichtet Monecke und verweist auf ein grundlegendes Problem: „Wenn wir in Zukunft leistungsstärkere Behinderte verstärkt in Integrationsbetriebe ausgliedern, schmälert das das Gesamtergebnis und trifft mithin die weniger leistungsfähigen Behinderten. Die wünschenswerte Integration in den ersten Arbeitsmarkt darf nicht gleichzeitig den Sozialgedanken aushebeln, indem leistungsschwächere Behinderte auf der Strecke bleiben.“




Video

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
mehr Videos

Videos

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung

Videos

2015-02-22 - Wittenberg - Wahlsieg für Torsten Zugehör
2015-02-17 - Wittenberg - Serviceauszeichnung Alte Canzley
2015-02-14 - Reinsdorf - Karneval-Festsitzung
2015-02-06 - Wittenberg - Kandidatenforum zur Oberbürgermeisterwahl
2015-01-24 - Wittenberg - 16. Sportlergala des KSB im Autohaus Moll

Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: