Am Geburtshaus in der Schlossstraße 10 erinnert diese Gedenktafel an Wilhelm Eduard Weber, die ehemalige Posthalterei ist auch als Bürgerhaus „Zur Goldenen Kugel“ bekannt. Foto: Wolfgang Gorsboth

Am Geburtshaus in der Schlossstraße 10 erinnert diese Gedenktafel an Wilhelm Eduard Weber, die ehemalige Posthalterei ist auch als Bürgerhaus „Zur Goldenen Kugel“ bekannt. Foto: Wolfgang Gorsboth

23.03.2017

Der Rotary Club führt die Tradition der Erinnerung fort

114 Gedenktafeln für berühmte Personen

Wittenberg (wg). Die Erinnerung an prominente Bürger oder Gäste der Stadt in Form von Tafeln an den Fassaden von deren Wohnhäusern, Wirkungsstätten oder Quartieren hat in Wittenberg eine lange Tradition. Seit Mitte der 1990er Jahre engagiert sich der hiesige Rotary Club für diese Aufgabe und hat im vergangenen Jahr 12 neue Tafeln anfertigen lassen zum Stückpreis von immerhin 252 Euro. Die Gedenktafeln waren Thema im Kulturausschuss. 

Insgesamt gibt es 114 dieser Tafeln, die sich ausschließlich auf die Altstadt konzentrieren. „Eine erste Gedenktafel“ informierte Andreas Wurda, Leiter der Städtischen Sammlungen, „hat es bereits im 18. Jahrhundert für Georg von Brück, dem Kanzler des Kurfürsten, Am Markt 24, gegeben.“ Im 19. Jahrhundert kamen Tafeln am Melanchthon- und am Lutherhaus hinzu, später die Goldene Kugel am Weberhaus in der Schlossstraße. 

Die Idee, vor allem die Professoren der Wittenberger Universität mit Tafeln zu ehren, entstand in den 1920er Jahren im 1910 gegründeten Heimatverein. Die NS-Diktatur kam dazwischen, erst ab Mitte der 1950er Jahre wurde die Idee wieder vom Kulturbund aufgegriffen, das Anbringen der Tafeln von der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises koordiniert. 1980, so Wurda, habe Heinrich Kühne einige dieser Tafeln in einem kleinen Band zu einem Stadtrundgang zusammengefasst, nach der Wende erschienen „Berühmte Wittenberger Bürger und ihre Gäste“, herausgegeben in zwei Auflagen vom Rotary Club und schließlich 2008 „Wer war wo in Wittenberg?“ von Elke Strauchenbruch.

Es gab nie eine Satzung oder sonstige schriftliche Fixierungen, wohl aber „Prinzipien“: Der mit der Tafel zu Ehrende musste in Wittenberg geboren sein, hier gewirkt haben oder zu Besuch gewesen sein, außerdem musste aus authentischen Gründen die genaue Adresse recherchiert werden. Überdies sollte der Betreffende mindestens seit geraumer Zeit verstorben sein, mithin ist die Ehrung noch lebender oder jüngst verstorbener Persönlichkeiten ausgeschlossen. 

„Die Tafeln stärken unsere Stadt“, betonte Bernhard Naumann, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des Heimatvereins und meinte damit wohl vor allem das Geschichtsbewusstsein der Wittenberger. Die Gedenktafeln sind aus Wittenberg nicht mehr wegzudenken, Stadtführer integrieren sie in ihre Führungen und auswärtige Besucher verharren immer wieder vor Tafeln, die zu Ehren ihrer Landsleute angebracht wurden. „Wir haben die Tafeln nach der Wende übernommen“, berichtet Richard Thomas (Freie Wähler), der im Rotary Club die zuständige Arbeitsgruppe leitet. Damals hätten sich vor allem Superintendent Albrecht Steinwachs, Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und Architekt Helmut Keitel für die Gedenktafeln engagiert. 

„Etliche Tafeln waren damals in keinem guten Zustand, andere waren verloren gegangen“, erinnerte sich Thomas. In der ersten Phase habe man 45 Schilder erneuert, im vergangenen Jahr 12 neue angefertigt, die Untertexte habe man mit dem Heimatverein abgesprochen, mit dem man überdies hervorragend zusammenarbeite. 

Vor einem Jahr sei man mit drei Gruppen in der Altstadt unterwegs gewesen, um alle Schilder aufzunehmen, weil es Kritik gegeben habe, dass einige der Tafeln an den falschen Häusern hingen. Nur eine Tafel, so Thomas habe man ganz entfernt – die von Albrecht Dürer am Schloss, der Künstler sei nie in Wittenberg gewesen, das ergebe sich aus seinen akribisch geführten Tagebüchern. 

„Wenn neuere Forschungen ergeben, dass Haus und Bewohner nicht zusammenpassen, wird das korrigiert“, bestätigte Thomas. Dabei greife man unter anderem auf die Expertise der Kunsthistorikerin Dr. Insa Christiane Hennen zurück. Der Rotary Club kümmere sich aber auch um die Bürokratie, bevor eine Tafel überhaupt angebracht werden könne, müssten der Hauseigentümer um Erlaubnis gefragt, das Hochbauamt der Stadt sowie der Denkmalschutz eingebunden werden, nur ein Hausbesitzer habe bislang seine Zustimmung verweigert. Für Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) gibt es keinen Grund, am bisherigen Verhalten etwas zu ändern, allerdings hat er einen Vorschlag für eine neue Gedenktafel: Anna Otto, die letzte Türmerin von Wittenberg, die am 28. Mai 1945 verstarb. 

Hintergrund:

Folgende 12 neue Tafeln hat der Rotary Club anfertigen lassen: Hieronymus Schurff (1481-1554), Jurist aus St. Gallen, Luthers Anwalt in Worms: Jànos Sylvester (um 1504-1552), 1541 Übersetzung des Neuen Testaments ins Ungarische; Augustin Schurff (1495-1548), Anatom, Mediziner, Luthers Arzt; Johannes Wagner (hier geboren 18.9.1852), Begründer der deutschen Philatelistentage; August Ferdinand Dörffurt (1767-1825), Apotheker, Chemiker, Bürgermeister; Thea Schleusner(1879-1964), Malerin und Essayistin; Elisabeth von Meseritz (1481-1554), erste evangelische Liederdichterin; Bartholomäus Bernhardi (1487-1551), erster verheirateter Pfarrer, Propst in Kemberg; Martin Pollich von Mellerstadt (um 1450-1513), Mediziner, Theologe, Gründungsrektor der Universität; Johann Albert (1488-1558), Rechenmeister zu Wittenberg; Caspar Cruciger (1504-1548), Theologe, Hebräist, Reformator; Leonhard Stöckel (um 1510-1560), Schüler Melanchthons, Praeceptor Hungariae.




Video

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
mehr Videos

Videos

Der Countdown läuft - Wittenberger Sonntag
Ming Battle - Autohaus Moll, Wittenberg
Wittenberg aus der Luft
Autohaus Moll
Funny Friesland - Einführung

Videos

2015-02-22 - Wittenberg - Wahlsieg für Torsten Zugehör
2015-02-17 - Wittenberg - Serviceauszeichnung Alte Canzley
2015-02-14 - Reinsdorf - Karneval-Festsitzung
2015-02-06 - Wittenberg - Kandidatenforum zur Oberbürgermeisterwahl
2015-01-24 - Wittenberg - 16. Sportlergala des KSB im Autohaus Moll

Wittenberger Sonntag Verlags GmbH, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Coswiger Straße 30 A, E-Mail: