14.03.2017

Hängende Weinstöcke und Bäume, die horizontal wachsen

Weltausstellung Reformation: Württemberg in Wittenberg

Wittenberg (wg). Viele Landeskirchen beteiligen sich an der Weltausstellung Reformation, sie sind in der Regel in Zelten bzw. temporären Bauten in den Wallanlagen untergebracht. Die Evangelische Landeskirche Württemberg hat für die Zeit vom 20. Mai bis 10. September indes Räumlichkeiten der Wittenberger Edelstahl Technik Günter Schildhauer angemietet – eine 300 Quadratmeter große Halle in der Fleischerstraße/Kupfergasse in unmittelbarer Nähe zu den Wallanlagen und zentral in der Altstadt. Den württembergischen Auftritt in der Lutherstadt organisiert im Auftrag der Landeskirche das Evangelische Medienhaus Stuttgart. 

 „Die Geschichte des Gebäudes ist an den Werkzeugen und einer Schmiede noch zu erahnen“, erklärt Jürgen Kaiser, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses Stuttgart, im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. „Hier kommen Bewährtes und Innovatives zusammen, genau das wird auch in unserer Landeskirche gelebt und das wollen wir in Wittenberg zeigen.“ Überdies sei die württembergische Landeskirche stark vom Mittelstand geprägt, sie sei konservativ, aber stets auch neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. 

Die „Württemberger Halle“ wird auch optisch Zeichen setzen, indem aus der ehemaligen Schmiede ein Ort zum Staunen wird: Bäume wachsen horizontal aus der Wand und in der Halle hängen Weinstöcker von den Wänden. Das Konzept stammt von der promovierten Biologin Alina Schick, die unter anderem für die Weltraumforschung arbeitet und nach Bedingungen des Pflanzenwachstums im Raum forscht. 

„Angesichts der Feinstaubbelastung und anderen drängenden ökologischen Problemen greift die württembergische Landeskirche mit den horizontalen Gärten das Thema der Stadtbegrünung auf“, betont Kaiser. In großen Städten fehlt oft die für eine sauberere Luft erforderliche Fläche für Baumpflanzungen. Dr. Schick wird vor Ort Führungen zu diesen Themen anbieten, bei denen es auch um solche ethischen Fragen geht: „Wie weit darf der Mensch in der Veränderung der Natur gehen?“ Mit diesen innovativen Ansätzen präsentiert sich Württemberg als Land der Erfinder und Tüftler. 

In der „Württemberger Halle“ wird es Ausstellungen geben, gleich zu Beginn eine, die unter dem Titel „Württemberg wird evangelisch“ den besonderen Weg aufzeigt. Luther war nur einmal in Ulm 1510 auf seiner Romreise und später dann in Augsburg, aber er war nie in Württemberg. 

Dass die Reformation letztlich auch dort ankam, verdankt sich Luthers Schülern, wobei ihre Begegnung mit Luther 1518 anlässlich der Heidelberger Disputation zum Schlüsselerlebnis wurde – so für Martin Bucer, Erhard Schnepf, Martin Frecht und Johannes Brenz, den für Württemberg prägenden Reformatoren, wobei Württemberg immer auch durch die schweizerische Reformation Zwinglis beeinflusst wurde. „Die Reformation hat bei uns ganz eigene Wurzeln“, sagt Kaiser.

Darüber hinaus sind drei weitere Ausstellungen geplant, die jeweils rund vier Wochen zu sehen sein werden und sich den Themen Diakonie, Mission und Bildung widmen. Württemberg wird sich in Wittenberg auch ganz gastfreundlich präsentieren, so lädt der Innenhof zum Verweilen ein, dort gibt es unter anderem schwäbische Spezialitäten, zudem einen Wohnwagen mit Videobox, in der die Gäste ihre Gedanken zur Reformation aufnehmen und über die sozialen Netzwerke teilen können.

In der Halle wird es ein buntes Bühnenprogramm mit Konzerten und Aufführungen geben, außerdem einen International Lions Meeting Point und in einem separaten Raum schaffen Liegestühle eine Oase der Ruhe. Vor Ort gibt es auch behindertengerechte Toiletten. Die „Württemberger Halle“ öffnet ihre Türen am 20. Mai parallel zur Eröffnung der Weltausstellung Reformation.




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