Symbolische Schlüsselübergabe vor dem Tor zum Alten Gefängnis: Oberbürgermeister Torsten Zugehör, Walter Smerling, Hartwig Bodmann, Dieter Pasierbsky, Architekt BauTec und Sebastian Benthe (v.r.n.l.), der beim Ref. 2017-Verein für Kulturprogramm zuständig ist. Foto: Wolfgang Gorsboth

Symbolische Schlüsselübergabe vor dem Tor zum Alten Gefängnis: Oberbürgermeister Torsten Zugehör, Walter Smerling, Hartwig Bodmann, Dieter Pasierbsky, Architekt BauTec und Sebastian Benthe (v.r.n.l.), der beim Ref. 2017-Verein für Kulturprogramm zuständig ist. Foto: Wolfgang Gorsboth

06.03.2017

„Luther und die Avantgarde“: Aufbau der Ausstellung beginnt

Symbolische Schlüsselübergabe vor dem Alten Gefängnis

Wittenberg (wg). Dass viele Köche durchaus einen bekömmlichen Brei anrühren können, machte Hartwig Bodmann, Geschäftsführer des Vereins Reformationsjubiläum 2017 e.V., am Montag vor dem Alten Gefängnis deutlich. Vor dreieinhalb Jahren habe man die Idee entwickelt, das Objekt im Rahmen der 2017-Feierlichkeiten zu nutzen.

Das Land Sachsen-Anhalt habe als Eigentümerin das Gebäude überlassen und trage das Risiko mit, Unterstützung und Anregungen gab es von der EKD und der Wittenberg-Stiftung, Unterstützung vom Amtsgericht, ohne die das Grundstück nicht zu nutzen gewesen wäre.

Mehrere Gewerke haben dafür gesorgt, dass das Objekt in einem betriebssicheren Zustand versetzt wurde, schließlich wird hier am 19. Mai die Kunstausstellung „Luther und die Avantgarde“ eröffnet. Am Montag übergab Bodmann symbolisch die Schlüssel an Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung Kunst und Kultur in Bonn und Sprecher des hochkarätig besetzten Kuratoriums. 

Er habe fast das Ausstellungsprojekt mangels geeigneter Räumlichkeiten absagen wollen, doch habe ihn ein Taxifahrer auf das Alte Gefängnis aufmerksam gemacht, erinnerte sich Smerling. „Es wird das abwechslungsreichste Gefängnis in Zentraleuropa“, versprach er spannende Monate. Noch nie so viele nationale und internationale Künstler haben jemals in Wittenberg ausgestellt. 

Diese, insgesamt 65 an der Zahl, werden in den nächsten Tagen mit ihren Arbeiten in die Zellen einziehen und den ehemaligen Ort der Unfreiheit in ein Zentrum der lebendigen Auseinandersetzung und der geistigen Freiheit verwandeln. 

Künstler wie Ai Weiwei, Monica Bonvicini, Maurizio Cattelan, Olafur Eliasson, Ayse Erkmen, Richard Jackson, Christian Jankowski, Alexander Kluge, Julian Rosefeldt, Günther Uecker, Erwin Wurm und Zhang Peili präsentieren Werke, die eigens für die Ausstellung angefertigt werden, teils direkt vor Ort entstehen oder sehr gezielt für Wittenberg ausgewählt wurden. 

Die zusammen mit Berlin (Gilbert & George) und Kassel (Shilpa Gupta und Thomas Kilpper) insgesamt fast 70 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler aus fünf Kontinenten beziehen Haltung zu grundlegenden gesellschaftlichen Anliegen unserer Tage und überprüfen wegweisende reformatorische Gedanken auf ihre Aktualität. 

„Nicht Luther steht im Mittelpunkt, sondern die Künstler“, betonte Smerling. Deren künstlerische Reflexionen kreisen um Themen wie Freiheit und deren Gefährdung, Demagogie und Widerstand, Verantwortung und Toleranz – und dies vor dem Hintergrund schwerwiegender politischer, sozialer und religiöser Konflikte und einer medialen Neuordnung der Welt. 

„Die ausgewählten Arbeiten bilden ein Kaleidoskop zeitgenössischer Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Beobachtungen“, erklärt das international besetzte kuratorische Team. „Die kritische Haltung von Künstlern ist in einer Welt, in der Pluralität, Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung auf dem Prüfstand stehen, zentraler denn je für unsere Gesellschaft.“ 

Die Bandbreite der Arbeiten, die im Alten Gefängnis zu sehen sein werden, reicht von Gemälden, Skulpturen und Wandmalereien über Installationen, Fotografie und Zeichnungen bis hin zu Video- und Soundarbeiten sowie Performances. Die Kunstwerke fordern Achtsamkeit und genaues Hinsehen, sie weisen auf Missstände hin und stellen Fragen.




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