Die Initiatoren der Denkmal-Aktion (v.l.n.r.): Lions-Präsident Dr. Wolfgang Kristof, Dr. Renate Luckner-Bien, Organisatorin des Kunstwettbewerbs, Künstler Michael Krenz mit dem Modell des Denkmals, Lions-Mitglied Günter Schildhauer als Zeitzeuge und Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten. Foto: Lions

Die Initiatoren der Denkmal-Aktion (v.l.n.r.): Lions-Präsident Dr. Wolfgang Kristof, Dr. Renate Luckner-Bien, Organisatorin des Kunstwettbewerbs, Künstler Michael Krenz mit dem Modell des Denkmals, Lions-Mitglied Günter Schildhauer als Zeitzeuge und Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten.
Foto: Lions

04.03.2017

„Schwerter zu Pflugscharen“ veränderten die DDR und die Welt

Neues Denkmal für den Lutherhof

Wittenberg (wg). Die freistehende Skulptur hat der in Halle lebende Künstler Michael Krenz aus Corten-Stahl entworfen, die zwei Meter breite und knapp drei Meter hohe Installation konnte dank der Initiative des Lions Clubs Wittenberg und weiterer Lions Clubs aus ganz Deutschland realisiert werden. Die Lions verstehen ihr Denkmal-Projekt als Beitrag zum Reformationsjubiläum, sie machen sich damit aber auch selbst ein Geschenk: Die weltweite Vereinigung feiert 2017 ihr 100-jähriges Bestehen. 

„Schwerter zu Pflugscharen“, die alttestamentarische Verheißung der Propheten Jesaja und Micha, hat die jüngste deutsche Geschichte mitgestaltet und die Friedliche Revolution der Jahre 1989/90 entscheidend mitgeprägt. Für Dr. Stefan Rhein, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten, hat sich die 1983 im Lutherhof durchgeführte Aktion zu einem „einrucksvolles Bild entwickelt, das ikonische Kraft gewonnen hat.“ 

„Schwerter zu Pflugscharen“ war das biblische Motto, das Pfarrer Harald Bretschneider den seit 1980 jährlich zum Buß- und Bettag stattfindenden Friedensdekaden in den Evangelischen Kirchen in der DDR mit auf den Weg gegeben hatte. Auf Jacken und Revers war es tausendfach zu sehen, die SED sah ihre Politik des bewaffneten Friedens in Gefahr, Polizei und Stasi griffen hart durch. 1981 wurde der Aufnäher verboten mit der absurden Begründung, er leiste der Wehrkraftzersetzung Vorschub und sei friedensfeindlich. 

Am 24. September 1983 wurde im Lutherhof in Wittenberg tatsächlich ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet – im Schutze der Nacht, des Lutherjahres und des Kirchentages. Der Kunstschmied Stefan Nau vollendete sein Werk in der Nähe des Brunnens. Das ARD-Magazin „Kontraste“ berichtete darüber, anschließend gingen die Bilder um die Welt. Auch in der DDR erfuhren so viele Menschen über das Westfernsehen von der Aktion, über die der Spiritus Rector, der Wittenberger Theologie Friedrich Schorlemmer, schreibt, dass eine Idee „ihre Parole und ihr wirkmächtiges Symbol“ gefunden hatte. 

Die Aktion im Lutherhof war der Beginn dessen, was 1989 richtig los gehen sollte: Aus den Friedens-, aber auch den Umwelt-Initiativen wurde eine große Sammlungsbewegung der Menschen, die ihren Unmut mit dem SED-Regime nicht mehr für sich behalten und ihrer Sehnsucht nach Freiheit Ausdruck verleihen wollten. Die Lutherstadt wurde 1983 mit den Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag Martin Luthers zu einem Kristallisationspunkt der Friedensbewegung in der DDR. 

„Die Schwerter zu Pflugscharen-Aktion ist ein historisches Ereignis, da stellte sich die Frage, wie wir daran erinnern wollen“, sagt Rhein. Ein Erinnern an dieses Ereignis im Lutherhof als authentischen Ort war längst überfällig. „Wittenberg war und ist ein weltweit ausstrahlender Ort, deshalb darf sich Erinnerung nicht nur auf die durch die Reformation ausgelösten Umbrüche im 16. Jahrhundert beschränken, sondern muss auch die jüngste Geschichte aufgreifen“, betont Rhein. Denn in der Friedlichen Revolution kam zum Ausdruck, was Freiheit im protestantischen Sinne bedeutet - und heute noch bedeutet mit Blick auf die zu bewältigenden Aufgaben: den Einsatz für Frieden, Menschenrechte, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. 

Die Schmiedeaktion wie die gesamte Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ bezeugten den Willen zum Frieden und zugleich den Mut vieler Menschen in der ehemaligen DDR. Weil sie den Respekt und die Erinnerung der Nachgeborenen verdienen, hat die Stiftung Luthergedenkstätten zusammen mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle 2015/16 einen Kunstwettbewerb zur Gestaltung eines Erinnerungsmals durchgeführt. Die Stahlplastik von Krenz zeigt die Schmiedewerkzeuge als scherenschnittartige Negativformen: In der DDR war es verboten, das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen“ zu zeigen. Die Leerformen regen den Betrachter an, sie in Gedanken zusammenzufügen. 

Aus Sicht der Lions sind das Aufbegehren gegen institutionelle Bevormundung und Unterdrückung die verbindenden Elemente des Thesenanschlags 1517 und der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ 1983. Mut, bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage sind wiederum Leitthemen der Lions. 

Das Programm 

Auftakt ist am Sonntag, dem 5. März um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche. Die feierliche Einweihung des Erinnerungsmals erfolgt ab 11.30 Uhr auf dem Lutherhof. Nach der Begrüßung durch Stiftungsdirektor Rhein spricht Friedrich Schorlemmer unter dem Motto „Hammerschläge der Ermutigung“ über die Schmiedeaktion von 1983. Prof. Michaela Schweiger, Prorektorin der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, führt in das Kunstwerk von Michael Krenz ein. Das Schlusswort hat Wolfgang Kristof, Präsident des Lions Clubs Wittenberg.




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