25.02.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Martin ist ein guter Mann

Am Donnerstag waren Millionen von Fernsehzuschauern Zeugen einer geradezu revolutionären Entwicklung: Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren überholte die SPD im ARD-Deutschlandtrend die lange Zeit uneinholbar scheinende CDU/CSU. Natürlich jubelten die Genossen, dagegen entgleisten bei manchen CDU-Recken die Gesichtszüge. Was war passiert? 

Eigentlich nichts. 

Außer: Ein ebenso bekannter wie beim Wahlvolk unbeliebter Genosse, der Erzengel Gabriel, war vom Posten des Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten ins Außenministerium weggelobt worden und durch einen beim Wahlvolk weitgehend unbekannten und deswegen noch nicht unbeliebten Mann mit dem seltenen Namen Schulz ersetzt worden.

Reicht es heutzutage wirklich, einen Unbeliebten durch einen Unbekannten zu ersetzen, um das Wahlvolk zu beglücken? Scheint so, was nicht gegen den Herrn Schulz, wohl aber gegen die politische Kompetenz mancher Wählerinnen und Wähler spricht. Motto: Was ich nicht kenne, kann ja so schlecht nicht sein. 

In der Redaktion des Wittenberger Sonntag hat der ARD-Deutschlandtrend kein Unwohlsein ausgelöst – ganz im Gegenteil: Wir haben uns an unsere Kindheit erinnert und gesungen: „Martin ist ein guter Mann.“ 

Es kann auch Galgenhumor gewesen sein. 

In der SPD-Zentrale, dem Berliner Willy-Brandt-Haus, sieht man das natürlich ganz anders, da ist aus dem Herrn Schulz längst Sankt Martin, der Retter der zuvor verarmten SPD geworden, Heiligenschein inklusive. Merkwürdig sind nur manche Äußerungen dieses neuen Heilsbringers.

Uns jedenfalls erinnert Martin Schulz an das, was die SPD vor einem Wahltermin in der Hoffnung auf Stimmenzuwachs stets getan hat: Wohltaten versprechen, koste es, was es wolle. Beispiel dafür: die abschlagsfreie Rente mit 63 – ein milliardenschwerer Unsinn angesichts der Tatsache, dass die Menschen zum Glück immer älter werden und damit auch immer länger Rente beziehen. Der Kollaps ist absehbar. 

Nun hat Sankt Martin das Wahlkampfthema „mehr Gerechtigkeit“ gewählt – ebenfalls koste es was es wolle. Das beginnt bei wirkungsloser Symbolpolitik: den geldgierigen Managern will er auf die Finger klopfen. Da rauscht Beifall allerorten auf, schließlich gehören deutsche Normalbürger gewöhnlich nicht zu den paar Managern der 30 DAX-Konzerne. Merkwürdig nur, dass dieser Sankt Schulz andere Superverdiener nicht erwähnt, die Multimillionäre in kurzen Höschen nämlich, die meist an den Wochenenden Millionen von Deutschen balltretenderweise in Verzückung versetzen. Böse Manager – Geld wegsteuern einerseits und gute Kicker- Geld ja nicht antasten andererseits? Wenn Sankt Martin dabei bleiben sollte, wird das Bundesverfassungsgericht diesem Treiben wegen Ungleichbehandlung ein Ende setzen. Aber das wäre ja nach der Wahl. 

Gerechtigkeit kann man leicht auch auf anderen Gebieten einfordern, der Spruch, die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer, ist so alt wie dumm. 

Wer die Nachrichten verfolgt, wird miterlebt haben, dass Deutschland von einem Rekord zum anderen eilt: Noch nie waren so viele Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs beschäftigt, noch nie gab es dennoch so viele offene Stellen wie heute, noch nie gab es dazu einen derartigen Überschuss in der Leistungsbilanz, noch nie war der Sozialetat der Bundesregierung so hoch wie heute. Summa summarum: Deutschland geht es so gut, dass andere Länder voller Neid auf unser Land schauen und die EU-Kommission in Tateinheit mit dem neuen USA-Trumpeltier bereits überlegt, wie man gegen den Deutschen Exportüberschuss vorgehen kann. 

Unter dem Strich ergibt das alles ein die Realität verweigerndes Barmen von links: Sozialabbau, mehr Gerechtigkeit.

Und so macht sich Sankt Schulz daran, die Großtat einer ehemaligen SPD-geführten Bundesregierung wieder platt zu machen: die Agenda 2010, die einst den Umschwung im damals recht kranken Deutschland einläutete und mithalf, dass unser Land gesundete und in den Folgejahren wesentlich besser durch die wirtschaftlichen Turbulenzen jener Zeit kam als die meisten anderen Länder. Alles schon vergessen?

Und noch etwas zu Martin Schulz: Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon einmal von diesem Kanzlerkandidaten etwas zur Flüchtlingspolitik gehört? 

Eben.




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