Pastor Ulrich Pohl (m.), Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, OB Torsten Zugehör (r.) und Stadtkirchenpfarrer Johannes Block. Foto: Wolfgang Gorsboth

Pastor Ulrich Pohl (m.), Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, OB Torsten Zugehör (r.) und Stadtkirchenpfarrer Johannes Block. Foto: Wolfgang Gorsboth

24.02.2017

500 Jahre Reformation treffen auf 150 Jahre Bethel

„Wittenberger Gespräche“ zu zwei Jubiläen

Wittenberg (wg). „Friedrich von Bodelschwingh und Martin Luther ... Eine Entdeckungsreise“ war Thema eines neuen Gesprächsformats, das am Freitag im Malsaal der Cranach-Stiftung seine Premiere erlebte, die „Wittenberger Gespräche“ sollen fortgesetzt werden. 

Die Örtlichkeit ist keineswegs zufällig gewählt, denn die neue Ausstellung „Kleine Paradiese“, die Arbeiten behinderter Menschen zeigt (der Wittenberger Sonntag berichtete), verdankt sich der Zusammenarbeit von Cranach-Stiftung, den von Bodelschwinghschen Stiftungen und dem Rosengarten e.V. Nach dem offiziellen Programm bestand die Möglichkeit, diese Ausstellung zu besichtigen. 

Vor 240 Tagen wurde die Bethel-Begegnungsstätte in der Collegienstraße 41/42 eröffnet, die Gäste sind zugleich Gastgeber für Einheimische und die vielen Besucher, die in diesem Jahr nach Wittenberg kommen. „Viele kennen die Stiftung Bethel, aber nur wenige wissen, was sich hinter dieser Marke, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, verbirgt“, sagte Stephan Zöllner, der die Bethel-Begegnungsstätte in Wittenberg leitet. 

„Das Herz öffnen und erkennen, woran das Herz hängt“, dies wünschte Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) in seinem Grußwort Christen und Nichtchristen, die 2017 in Wittenberg das Reformationsfest feiern und griff damit Bilder des neuen Bethel-Songs auf, der den Gästen am Freitag vorgestellt wurde. 

„Wir gehen sorgsam mit dem Welterbe um, wir verstehen uns nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter“, betonte der OB. „Wir sind auch nicht Eigentümer der Reformation, sondern reichen allen die Hand, die sich der Reformation verbunden fühlen.“ Circa 120 Veranstaltungen pro Woche wird es ab Ende Mai in Wittenberg geben, die Erwartungshaltung bei allen Beteiligten sei sehr hoch. 

2017 stehe nicht im Lichte der Heldenverehrung. „Wir feiern auch keine Beton-Festspiele, zu denen die Prominenz eingeflogen wird und wir feiern auch keine Luther-Festspiele“, so Zugehör. Auch mit den dunklen Seiten Luthers werde man sich auseinandersetzen, verwies der OB auf die Diskussionen um das Relief mit der sogenannte Judensau an der Stadtkirche Sankt Marien. „Wir müssen uns intensiv mit diesem Bild auseinandersetzen und Wittenberg ist der geeignete Ort, darüber zu streiten.“ 

Dass das Reformationsfest ein „wunderbarer G 3-Gipfel“ wird, hofft Stadtkirchenpfarrer Johannes Block und meint damit Gebäude, Gemeinschaft und Geist. In den vergangenen Jahren habe sich Wittenberg enorm verändert, die Stadt sich teilweise „neu erfunden“. Dank Finanzmittel der EU, des Bundes und des Landes seien die beiden Kirchen und das Schlossensemble restauriert, Stadthaus, Predigerseminar und der Hauptbahnhof neu gebaut worden. Dank der umfangreichen Investitionen in Gebäude und Infrastruktur stehe Wittenberg schon jetzt auf Seiten der Gewinner. 

„Wir werden 2017 auch viel Gemeinschaft erleben“, betonte Block und nannte den Kirchentag und die Kirchentage auf dem Weg, die am 28. Mai mit dem großen Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen ihren Höhepunkt finden. Die Weltausstellung Reformation biete den Wittenbergern die Chance, die Welt, andere Christen und andere Religionen kennenzulernen, jeder habe die Chance mitzumachen als Gastgeber oder ehrenamtlicher Helfer. 

Das große Konfirmandenlager werde viele junge Gesichter und viel Leben in die Stadt bringen und nicht zuletzt erlebe die kleine Stadt Wittenberg in diesem Jahr „die evangelische Weltkirche“. Aber es gehe auch um den Geist, den das Reformationsfest verströmen werde, es gehe um Glaubens- und Lebenshaltung und darum, über den eigenen Glauben nachzudenken. Es gelte, Luthers zentrale Texte zu lesen, denn sein Kernthema sei der Glauben gewesen. „Das Fest ist wunderbar aufgestellt und so niederschwellig angelegt, dass auch Luther-Laien einen Zugang finden.“ 

Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, skizzierte die Entwicklung von den Anfängen 1867 in einem ehemaligen Bauernhaus mit drei epilepsiekranken Jungen bis heute, da sich circa 17.000 Mitarbeiter in acht Bundesländern für kranke, behinderte und sozial benachteiligte Menschen einsetzen. Pastor Friedrich von Bodelschwingh, der die Einrichtung von 1872 bis 1910 leitete, sei ein „glänzender Organisator und Liebhaber unkonventioneller Lösungen“ gewesen. Schon 1910 wurden in Bethel 7.500 Menschen betreut. 

„150 Jahre Bethel – Für Menschen da sein“, unter diesem Motto wird es bis Jahresende zahlreiche Gottesdienste, Feste, Ausstellungen, Aktionen und Fachtagungen geben, der große Auftakt war am 17. Januar in Berlin mit der großen Bethel-Ausstellung „Wir sind viele“, die 50 Porträts und mithin 50 Menschen und 50 Leben zeigt, fotografiert von Jim Rakete.

Man wolle dankbar auf die Geschichte schauen, aber auch die Zukunft gestalten, indem man die diakonischen Einrichtungen weiter entwickle. Unter anderem gehe es um neue Wohnkonzepte und neue Therapieformen, um Hospize und neue assistierte Technologien, um die Einführung von SAP im Controlling und vieles mehr. Präsentiert wurde auch der neue Bethel-Film, der anhand einiger Beispiele Einblicke in die Arbeitsbereiche Bethels bietet, dabei kommen Mitarbeiter und behinderte Menschen selbst zu Wort.




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