18.02.2017

Klartext-Kommentar von Wolfgang Marchewka

Keine Lust mehr, liebe Ärzte?

Manche Ärzte praktizieren schon mehr als 20 Jahre in der Lutherstadt, und zahlreiche Patienten sind bei ihrem Hausarzt seit mehr als 20 Jahren treue Kunden. Doch damit endet bereits die Gemeinsamkeit zwischen Patienten und Arzt: Die Patienten sind mit zunehmenden Alter immer behandlungsbedürftiger geworden, und der Arzt im selben Zeitraum immer reicher. 

Nun kennt jeder Psychologe die Gefahr, dass sich bei Menschen mit zunehmenden Reichtum auch der Charakter verändern kann, und da Ärzte auch nur Menschen sind, kann es sein, dass bei einigen von ihnen mit steigendem Kontostand die Lust, für seine Patienten da zu sein, rapide abnimmt. 

Inzwischen gibt es auch in Wittenberg bei manchen Ärzten Tendenzen, die Sprechzeiten in ihren Praxen zu reduzieren, was gesamtgesellschaftlich bedeutet: Dem steigenden Behandlungsbedarf bei den immer älter werdenden Menschen steht eine reduzierte Praxiszeit ihrer Ärzte gegenüber. 

Ein konkreter Fall: In der vergangenen Woche besuchte ein älterer Herr aus der Generation 65 plus die Redaktion des Wittenberger Sonntag und berichtete leicht erbost, dass sein Hausarzt eine neue „Patientenabwehrwaffe“ eingeführt habe: Während der üblichen Sprechzeit laufe beim Versuch der telefonischen Kontaktaufnahme mit der Sprechstundenhilfe eine Endlosschleife ab, mit der dem Anrufer mitgeteilt werde, dass sein Anruf zurzeit nicht entgegengenommen werden könne und er es deshalb „später“ noch einmal versuchen möge. Der Mann hatte es versucht, nicht noch einmal, sondern in einem Zeitraum von etwa drei Stunden insgesamt fünfmal. Leider vergeblich.

Dabei wollte der Patient noch nicht einmal seinen Arzt beim Geldverdienen stören, sondern lediglich ein neues Rezept für ein Medikament bestellen, dass er regelmäßig einnehmen muss. Da besagter Arzt zu den Kandidaten gehört, die ihre Sprechzeiten bereits reduziert hatten, ist dieser neue patientenunfreundliche Akt besonders bemerkenswert. 

Vielleicht ein Einzelfall?

„Leider nein“, sagt der Wittenberger Amtsarzt Dr. Michael Hable. Auch er musste schon mehrmals die Erfahrung machen, dass er statt einem Arzt nur eine Endlosschleife am Telefon hatte – und das bei wirklich wichtigen Fällen wie zum Beispiel eine Todesursachenermittlung. Der Amtsarzt muss in solchen Fällen auf ein Faxgerät ausweichen und hoffen, dass der in amtlicher Angelegenheit dringend benötigte Arzt auch zurückrufen wird. „Manche Ärzte haben es leider nicht mehr nötig“, stellt Hable mit leichter Verbitterung fest. 

Und was macht der Patient, der ohne die veraltete Technik namens Faxgerät lebt? Die meisten Ärzte geben noch nicht einmal eine E-Mail-Adresse an, mit deren Hilfe zum Beispiel ein Rezept schnell und ohne den laufenden Praxisbetrieb zu stören, bestellt werden könnte. 

Für die zuständigen Gremien scheint die „Patientenabwehrwaffe“ namens Endlosschleife noch kein Thema zu sein: Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt verabschiedeten jüngst eine gemeinsame Erklärung unter der Überschrift „Zukunftssichere Versorgung in Sachsen-Anhalt.“

Schön wär’s ja! 

Nebenbei: Könnte es sein, dass die mitunter unzumutbare Überlastung der Rettungsstelle im Paul Gerhardt Stift durch Bagatellfälle auch mit dem patientenunfreundlichen Verhalten mancher Hausärzte zusammenhängt?




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