Dietmar Sette möchte mit seinem Buchprojekt vor allem der jungen Generation das Leid, die Qualen, aber auch die Hoffnungen der Opfer des Nationalsozialismus mitfühlend näher bringen. Foto: Wolfgang Gorsboth

Dietmar Sette möchte mit seinem Buchprojekt vor allem der jungen Generation das Leid, die Qualen, aber auch die Hoffnungen der Opfer des Nationalsozialismus mitfühlend näher bringen. Foto: Wolfgang Gorsboth

10.02.2017

Dietmar Sette erweiterte sein Buchprojekt über Emilie Schindler

„Nie wieder!“ – Aus der Geschichte lernen

Bad Schmiedeberg (wg). Aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar hat Dietmar Sette sein auf zwei Bände angewachsenes Buchprojekt „Emilie Schindler – Keine Zeit für Träume“ herausgebracht: Band I „Der Tod ist nicht das Ende einer Liebe“ (604 Seiten) und Band II „Die Macht der Worte“ (593 Seiten). 

Der in der Kurstadt lebende ehemalige Bundespolizist schildert in seinem dokumentarischen Projekt das Leben von Emilie und Oskar Schindler und setzt dieses in einen chronologischen Bezug zur Zeitgeschichte. „Die erheblich erweiterte Neuauflage resultiert vor allem aus den vielen Fragen, die Jugendliche bei Projekttagen und Lesungen stellten“, erklärt Sette im Gespräch mit der Redaktion des Wittenberger Sonntag. 2018 werde es den dritten Band geben. 

Das Buchprojekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie 2016“ vom Bündnis für Demokratie und Toleranz Berlin Ende vergangenen Jahres gewürdigt: „Mit seiner Aufklärungsarbeit über die Geschichte des Nationalsozialismus leistet Sette einen wichtigen Beitrag zur Bildungsarbeit und setzt ein Zeichen gegen Demokratiefeindlichkeit und gegen alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“, heißt es in der Begründung. Die Preisverleihung erfolgt in diesem Jahr. 

Den 27. Januar hat Sette bewusst für die Veröffentlichung gewählt, denn der Gedenktag bezieht sich auf die Befreiung der Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 und erinnert damit an die Opfer des menschenverachtenden Nationalsozialismus. „Die menschlichen Tragödien, die sich während des Zweiten Weltkrieges in den KZ’s abspielten, sind uns heute, den Nachgeborenen, völlig unvorstellbar“, sagt Sette. „Unsere deutsche Geschichte trägt uns deshalb eine besondere Verpflichtung auf, gegen jede Form von Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus vorzugehen. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Andersartigkeit zum Feindbild einer schweigenden Mehrheit gemacht, verachtet, gedemütigt oder bedroht werden.“ 

Settes Buchprojekt ist ein ganz persönlicher Appell für Toleranz und Solidarität und gegen ein Wiederaufleben rassistischer, nationalistischer und extremistischer Bewegungen. Es geht um die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte und gegen das Vergessen. „Geschichte wiederholt sich nicht, aber Lehren aus ihr zu ziehen, dazu sind wir alle verpflichtet“, betont Sette. 

Am Anfang des Projektes standen viele Fragen, Fragen zum Beispiel zu Steven Spielbergs Hollywood-Kassenschlager „Schindlers Liste“, der vom Fabrikanten Oskar Schindler handelt, der während der NS-Zeit 1.200 Juden vor dem Tod rettete, die Ehefrau kommt in dem Film kaum vor. Im Ergebnis der Recherchen zeigte sich ein ganz anderes Bild: Es war vor allem Emilie Schindler, die den jüdischen Zwangsarbeiter in den Fabriken ihres Mannes aufopfern zur Seite stand, für Sette ist sie die wahre Heldin – eine „ohne Heiligenschein“. 

„Sie lebte im Schatten ihres Mannes und schaute hin, wo andere wegschauten“, so Sette, „sie hörte, wo andere weghörten und sie sprach Dinge an, wo andere schwiegen.“ Sie habe sich von der Stimme der Menschlichkeit leiten lassen und sei ein Beispiel dafür, dass während des Nationalsozialismus Nächstenliebe und Zivilcourage möglich waren: „Sie hat in der dunkelsten Zeit unserer Geschichte um jedes Leben gekämpft und die Flamme der Menschlichkeit nicht verlöschen lassen.“ Deshalb sei Emilie Schindler auch heute ein großes Vorbild. 

Sette bezeichnet seine beiden Bände bescheiden als „dokumentarischen Aufsatz“, er sei weder Schriftsteller noch Historiker. Es habe deshalb kein wissenschaftliches Werk vorlegen wollen, vielmehr sei es ihm um Erinnerungskultur gegangen, verbunden mit den Botschaften: „Wehret den Anfängen!“ und „Nie wieder!“ Emilie Schindler, die am 5. Oktober 2001 im Alter von 93 Jahren starb, habe ein Recht darauf, nicht vergessen zu werden. 

Hinweis: 

Dietmar Sette hat die beiden Bände (100 Exemplare) im Selbstverlag und auf eigene Kosten herausgegeben, unterstützt von drei Förderern, bei der Buchbindung war das Augustinuswerk behilflich. Schulen in der Region, die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule für Courage“ tragen, erhalten die beiden Bände kostenlos.

Sette bietet Schulen auch Projekttage an, die eine Lesung aus den beiden Bänden, eine Dokumentation zum Spielfilm „Schindlers Liste“ sowie den Film selbst umfassen. 

Wer Interesse an dem Buch bzw. den Projekttagen hat, wendet sich an den Autor unter Tel.: 0160/251 08 06.




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